Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Wissen Sie wirklich, was Ihre Mitarbeiter tun?

Führungskräfte kennen nicht einmal die Hälfte der Aufgaben, die ihr Team regelmäßig bearbeitet. Das ist ignorant - und Führung im Blindflug.

Ich war wirklich erschrocken als ich diese neue Studie las. Die meisten Führungskräfte kennen nur einen Bruchteil der Aufgaben, die ihr Team regelmäßig bearbeitet. Im Schnitt waren es 40 Prozent, wie eine Studie  der Harvard Business School und Wharton School zeigt.

In einem extremen Fall konnte die Führungskraft sogar nur 4 Prozent der Aufgaben ihrer Mitarbeitenden beschreiben. Bei diesem Maß an Blindflug wundert es mich nicht, dass viele Projekte scheitern und Menschen in vielen Teams völlig überlastet sind. (Zum Thema Projektmanagement haben wir übrigens zwei sehr spannende Gäste in unserem Livetalk Open House am 8.2 – alle Details finden Sie weiter unten).

Der Unterschied zwischen delegieren und ignorieren

Ich will hier kein Plädoyer für Kontrollwut halten. Im Gegenteil: Kaum etwas ist nerviger als die Zusammenarbeit mit einer Helikopter-Chefin. Doch ins andere Extrem zu verfallen, ist Arbeitsverweigerung.

Wie sollten wir Ressourcen planen, faire Entscheidungen treffen und Ansprechpartner sein, wenn wir nicht wissen, welche Aufgaben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Zettel haben – und wie viel Zeit diese beanspruchen? Verantwortung aktiv zu delegieren und die eigene Verantwortung zu ignorieren, dazwischen liegt ein himmelweiter Unterschied.

Ich bin überzeugt, die meisten Führungskräfte ignorieren die Aufgaben ihrer Teams nicht absichtlich (den 4-Prozent-Chef vielleicht einmal ausgenommen). Doch sich wirklich auf den Bürostuhl eines anderen zu setzen, kostet Zeit, die im Alltag so oft fehlt.

Gelegentlich mal den Bürostuhl wechseln

Obwohl ich mich bemühe und für mich den Anspruch formulieren würde, die meisten Aufgaben meiner Teammitglieder zu kennen und einschätzen zu können, spüre ich noch nach zwei Jahren als Chefredakteurin meines Teams, dass ich nach wie vor Wissenslücken habe. Durch die Pandemie und Arbeit im Homeoffice war und ist es manchmal schwierig nachzuvollziehen, welche Detailaufgaben Zeitfresser sind.

Ich war zum Beispiel ziemlich überrascht, als ich feststellte, wie aufwendig es für meine Kollegin ist, neue Texte in unserem Redaktionssystem anzulegen. Und erst nach dem zweiten Gespräch im Jour fixe verstand ich, warum unser alter Prozess, eingereichte Texte zu bewerten, zu viele Schleifen nach sich zog.

Mich hat die Studie jedenfalls daran erinnert, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen häufiger fragen sollte: Wie sieht dein Alltag aus? Welche Aufgaben kosten Zeit? Wie genau funktioniert dieser Prozess?

Einladung: Diskutieren mit Franzi von Kempis über kluges Projektmanagement. Die Daimler-Managerin hat ein Sabbatical genommen, um in Berlin ein Impfzentrum der Malteser mit aufzubauen. Hinzu stößt Yvonne Schoper, die als Professorin für Internationales Management erforscht, wie Projektmanagerin gelingt - und wie Frauen Projekte steuern. Unser Community-Talk Open House findet am Dienstag, 8. Februar statt um 18.30. Zur kostenfreien Anmeldung geht es hier.