Zur Ausgabe
Artikel 7 / 10
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Krisenmanagement Führen in der Dauerkrise

Auch wenn die Rezession vorüber ist, müssen Unternehmen immer wieder mit Umbrüchen und Katastrophen rechnen. Zum Glück können Manager ihre Organisation so anpassungsfähig machen, dass sie alle zukünftigen Stürme überlebt.

Ein Klassiker-Text aus unserem Archiv von Ronald Heifetz, Marty Linsky und Alexander Grashow
aus Harvard Business manager Edition 1/2020
Foto: All Canada Photos/ imago images

Es wäre sehr beruhigend, wenn wir die aktuelle Wirtschaftskrise einfach als ein weiteres Sturmtief ansehen könnten, das irgendwann wieder abzieht. Doch leider wird die momentane Kombination aus akutem Handlungsbedarf, hohen Risiken und Unsicherheit auch dann der Normalfall bleiben, wenn die derzeitige Rezession vorüber ist.

Eine Volkswirtschaft kann sich nicht gegen immer stärkeren globalen Wettbewerb, begrenzte Energieressourcen, Klimawandel und politische Instabilität schützen. Die aktuelle Krise werden wir in den Griff bekommen – dafür haben die Politiker angemessene Gegenmaßnahmen parat. Aber sie ist nur der Auftakt zu einer langen oder sogar dauerhaften Krise mit ernsthaften und ungewohnten Problemen.

Die Autoren

Ronald Heifetz

ist einer der einflussreichsten Führungsexperten der Welt. Er hat das Center for Public Leadership an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University mitgegründet und arbeitet dort als Senior Lecturer. Außerdem ist er Mitgründer der Unternehmensberatung Cambridge Leadership Associates, die sich auf Führungskräfteentwicklung spezialisiert hat.

Marty Linsky

ist Mitgründer der Beratungsfirma Leadership Associates und Adjunct Lecturer an der Kennedy School of Government.

Alexander Grashow

ist Senior Advisor bei der Cambridge Leadership Associates. Früher war er CEO der Beratungsfirma.

Die Situation lässt sich mit einem Herzinfarkt vergleichen, den ein Mensch mitten in der Nacht erleidet. Rettungssanitäter bringen den Patienten eilends ins Krankenhaus, wo sich das Notfallteam um ihn kümmert – mit bewährten Methoden, weil fürs Ausprobieren und Improvisieren wenig Zeit bleibt. Die Ärzte stabilisieren den Patienten und setzen ihm einen Stent ein (Gefäßstütze, die einen erneuten Verschluss der Blutgefäße verhindern soll – Anm. d. Red.). Damit ist der unmittelbare Notfall überstanden, aber die Probleme bestehen weiter, auch wenn sie nicht mehr so akut wie zuvor sein mögen.

Wie kann der Patient nach seiner Genesung einen weiteren Infarkt vermeiden? Er hat überlebt, aber wie passt er sich den Unwägbarkeiten seines neuen Lebens an, damit er gesund bleibt? Für ihn ist die Krise noch lange nicht vorüber. Ähnlich heikel ist die Aufgabe, ein Unternehmen durch eine lang anhaltende Krise zu führen – egal ob Sie der CEO eines großen Konzerns sind oder ein Manager, der eine kurzfristig anberaumte Initiative leitet.

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte

Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, teilt Wissen aus den besten Managementhochschulen der Welt und ihre eigenen Erfahrungen mit Ihnen. Einmal die Woche direkt in Ihr E-Mail-Postfach. 

Jetzt bestellen

Führung in der Krise ist in zwei verschiedene Phasen unterteilt: Als Erstes kommt die Notfallphase, in der Sie die Situation stabilisieren und Zeit gewinnen müssen. Darauf folgt die Phase der Anpassung; in dieser nehmen Sie sich jene Faktoren vor, die der Krise zugrunde liegen, und entwickeln die Fähigkeit, auch unter den neuen Umständen erfolgreich zu sein.

Die Anpassungsphase ist besonders problematisch: Ihre Leute üben enormen Druck auf Sie aus und erwarten, dass Sie auf ihre Ängste mit verlässlicher Bestimmtheit reagieren – selbst wenn Sie dafür Ihren Wissensstand übertreiben und Ihre Ahnungslosigkeit verbergen müssen. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern daraufhin notwendige, aber unangenehme Änderungen ihres Verhaltens oder ihrer Arbeitsweise abverlangen, werden diese womöglich versuchen, Sie abzuschießen. Ihre Mitarbeiter fordern lautstark Orientierung ein; Sie aber können momentan ja noch gar nicht genau wissen, wie der Weg in Zukunft aussehen wird. Irrungen und Wirrungen sind das Einzige, was wirklich sicher ist. Trotzdem müssen Sie Führungsstärke zeigen.

Alte Rezepte gelten nicht mehr

Harvard Business manager plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Zur Ausgabe
Artikel 7 / 10
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.