Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Wie mein Cousin im Pub seinen Traumjob bekam

Erfolgreiche Menschen unterscheiden sich vor allem in einem Punkt von anderen: Sie nutzen Zufälle.

Mein Cousin begann seine Karriere als Geschäftsführer in einem Pub in Irland. Dort lernte er an der Bar einen Mann kennen, der einen Nachfolger für seinen Führungsjob in einer Messerfabrik suchte. Matthias hatte sich vorher noch nie mit Messern beschäftigt, aber aus diesem neugierigen, offenen Gespräch ergab sich eine große Chance – und viele weitere folgten. Er bekam den Job, wenige Jahre später ging er als Geschäftsführer in die USA, verhandelte Geschäfte mit China. Seine internationale Karriere begann mit einem frisch gezapften Guinness.

Nun sagen Sie vielleicht: Warum passiert mir nie so etwas? Oder: Pures Glück, solche Begegnungen lassen sich nicht gezielt herbeiführen. Christian Busch, Professor an der New York University, ist anderer Meinung, wie er uns im Podcast Team A genauer erklärt hat. Er untersucht glückliche Zufälle (sogenannte Serendipität) und sieht in ihnen einen aktiven Prozess, den wir sehr wohl beeinflussen können.

Drei Tipps für glückliche Zufälle

"Wir haben in unserer Forschung festgestellt, dass Menschen, die sehr erfolgreich sind, sich vor allem in einem Punkt von anderen unterscheiden", sagt Busch. "Sie machen etwas aus dem Zufall."

Menschen, die viele glückliche Zufälle erlebten, seien vor allem gut darin, Chancen zu ergreifen und aus Rückschlägen etwas Neues zu machen. So gibt es Kartoffelchips angeblich nur, weil sich jemand über zu dicke Bratkartoffelscheiben beschwerte. Millionen Menschen wären und sind darüber hinweggegangen, einer kreierte ein neues Gericht (wahrscheinlich waren es mehrere, wie bei der Currywurst gibt es mehrere Geburtsgeschichten rund um dieses Gericht).

Mit folgenden drei Tipps können Sie ihrem beruflichen Glück auf die Sprünge helfen:

1. Offenheit kultivieren: Chancen zu ergreifen bedeutet nicht, jedem Menschen, den man trifft, ein Gespräch über die eigene Karriere aufzudrücken. Ich denke da sofort an diese eine Kollegin, die sich immer nur bei mir meldet, wenn sie etwas von mir will. So erwächst eher Misstrauen als ein glücklicher Zufall. Was Busch beschreibt, verstehe ich anders: Das Geheimnis eines glücklichen Zufalls ist, offen und neugierig auf unerwartete Begegnungen und Situationen zu reagieren, ohne Agenda. So kann etwas Neues, Unerwartetes entstehen, sei es ein Karriereschritt, eine gemeinsame Geschäftsidee oder sogar ein neues Produkt.

2. Anker auswerfen: Menschen, die viele glückliche Zufälle erlebten, schaffen immer wieder Anknüpfungspunkte, ob im Büro oder an der Bar. Stellen Sie sich vor, Sie treffen eine Managerin, die sich nicht nur mit ihrer Funktion vorstellt, sondern sagt: "Ich bin Geschäftsführerin einer Krankenkasse. Heute Morgen habe ich eine wunderbare Runde mit meinen zwei Collies gedreht. Und wissen Sie, was ich schon immer mal lernen wollte: Ukulele spielen. Ich habe mir gerade eine gekauft." Als Gesprächspartnerin oder -partner hätten Sie drei Möglichkeiten, einzuhaken – und Bezüge zu entdecken, zum Beispiel: "Oh, als Kind wollte ich immer einen Collie."

3. Andere Fragen stellen: Auf Veranstaltungen stellen und beantworten wir die immer gleiche Frage: "Und was machst Du?" Das verführt einerseits zu Schubladendenken (ach, ein Ingenieur, bestimmt gut in Mathe) und es kommt auch meist kein interessantes Gespräch in Gang. Wenn wir uns für ein gutes Gespräch positionieren wollen, ist es viel klüger, offenere Fragen zu stellen, wie: "Was führt Dich hierher?"; "Was war dein bestes Erlebnis diese Woche?" oder "Was treibt Sie gerade um?"

Haben Sie auch schon glückliche Zufälle erlebt? Und – mich würde interessieren - hatten Sie rückblickend bewusst oder unbewusst Anteil daran?

Ich bin gespannt und freue mich über jede Rückmeldung.

Weitere Tipps und den Podcast mit Christian Busch können Sie übrigens bei uns auf der Website hören, oder auch bei Spotify  und Apple Podcast.