Lukas Schürmann

Newsletter Lead Forward Energiemanagement: Wenn die Ampel auf Rot steht

Auf plötzliche Krisen reagieren viele Menschen mit erhöhter Härte gegen sich selbst. Das geht selten lange gut. Drei Tipps für ein nachhaltiges Energiemanagement.

In den vergangenen Wochen habe ich mich immer wieder intensiv mit rund einem Dutzend Führungskräften ausgetauscht, die an einem unserer Kurse teilgenommen hatten. Dreimal haben wir uns digital mit Coach Christine Moscho getroffen, um über Fragen erfolgreicher, moderner Teamführung zu diskutieren: über das Warum, das uns antreibt und das wir an Mitarbeiter weitergeben, über Probleme auf dem Weg von der Kollegin zur Chefin, über hybride Meetings und den beschwerlichen Weg ins New Normal.

Eine Begebenheit ist mir aus diesen bereichernden Runden besonders im Gedächtnis geblieben: Ein Teilnehmer erzählte, dass er in seinem Team regelmäßig mit einer Ampel-Skala abfrage, wie es den Teammitgliedern gehe, um bei gelb- oder rotgefärbten Antworten gemeinsam mögliche Anpassungen zu entwickeln. Als sich die Runde wenig später Tipps für das persönliche Energiemanagement erbat, antwortete Christine Moscho prägnant: Viele hätten sich vielleicht spontan vorgenommen, die Ampel-Abfrage in ihre Teams mitzunehmen. "Aber wie oft macht ihr die Ampel dann für euch selbst?"

Neue Formen der Zusammenarbeit, unklare wirtschaftliche Perspektiven, generelle Pandemie-Müdigkeit – die Herausforderungen, mit denen sich Teams dieser Tage konfrontiert sehen, sind vielfältig. Viele Führungskräfte bemühen sich dabei nach Kräften um ihre Mitarbeiter:innen – allerdings ist es ebenso wichtig, auch die eigenen Energiereserven im Fokus zu behalten. Weil ich mir vorstellen kann, dass es einigen von Ihnen gerade geht wie den Führungskräften aus unserer Runde, möchte ich einige kompakte Tipps aus unserem Kursarchiv mit Ihnen teilen:

  • Eine nützliche Grundannahme ist es, nicht die eigene Zeit, sondern die eigene Energie zu managen. Heißt konkret: Haben Sie ein Auge darauf, welche Aktivitäten zu welchen Zeiten des Tages besonders leicht von der Hand gehen – und vergeuden Sie etwa besonders kreative Zeiten am Morgen nicht mit dem Beantworten von E-Mails oder organisatorischen Aufgaben. Entsprechende Blocker, zum Beispiel für kreatives Arbeiten, können Ihren Biorhythmus auch direkt im Kalender verankern.

  • Beim Priorisieren von Aufgaben kann es hilfreich sein, neben den Dimensionen "dringlich" und "wichtig" noch eine dritte, vielleicht etwas kontraintuitive Dimension zu beachten: Macht es Spaß? Vor allem in Zeiten erhöhter Anspannung gehen Dinge, die uns Freude bereiten, am Ende doch etwas leichter von der Hand.

  • Und drittens: Definieren Sie Non-Negotiables, nicht verhandelbare Tätigkeiten, die Ihre Energie konservieren oder wieder aufladen. Das kann Familienzeit an bestimmten Abenden in der Woche sein, regelmäßiger Sport, ein ungestörter Kaffee am Morgen – oder vielleicht auch ein Mittagsschlaf.

Ein letzter Gedanke: Vor allem in Krisenzeiten ist bei vielen von uns der erste Impuls, erhöhten Anforderungen mit erhöhter Härte gegen uns selbst zu begegnen. Resilienz, sagt Coach Karsten Drath, von dem diese Tipps stammen, ist aber keineswegs nur Selbststeuerung – Resilienz ist auch Selbstwahrnehmung. Fehlt eine dieser Dimensionen, sind wir entweder zu hart (ohne Selbstwahrnehmung) oder aber ambivalent (ohne Selbststeuerung) unterwegs. Beides können sich Führungskräfte nicht leisten.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Teams in diesen herausfordernden Zeiten alles Gute!

PS: Sollten Sie sich in den kommenden Tagen intensiver mit Energie und Widerstandskraft beschäftigen wollen: Bei manage > forward finden Sie einen kostenlosen E-Mail-Kurs zum Thema Resilienz.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.