Zur Ausgabe
Artikel 17 / 25
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Start-ups Die Rache der Gründer

Über Jahrzehnte hinweg war es im Silicon Valley üblich, dass Start-ups irgendwann ihre Schöpfer schassten. Vor einigen Jahren verkehrte sich das Verhältnis ins andere Extrem. Heute dominieren die Unternehmer – mit negativen Folgen für Mitarbeiter, Kunden und Investoren. Ein Insider verrät, wie sich ein Gleichgewicht der Kräfte herstellen lässt.
aus Harvard Business manager 8/2018
Foto:

Illustration: Andrew Archer

Als die Boardmitglieder des Fahrdienstes Uber im Juni 2017 beschlossen, CEO und Mitgründer Travis Kalanick vor die Tür zu setzen, war dieser Schritt des obersten Führungsgremiums – paradoxerweise – so überfällig wie überraschend. Über Monate hatten Kalanick und der amerikanische Konzern eine ganze Serie von Skandalen erlebt. Jeder einzelne davon hätte einen typischen Unternehmenschef den Job kosten können.

Eine Softwareentwicklerin hatte sich mit einem langen Bericht an die Öffentlichkeit gewandt, in dem sie wiederholte sexuelle Belästigungen sowie eine Kultur männlicher Kumpanei anprangerte und beklagte, Ubers Personalabteilung habe beides beharrlich ignoriert. Es war ans Licht gekommen, dass das Unternehmen beim Wettbewerber Lyft regelmäßig Fahrten bestellt hatte, nur um sie anschließend wieder zu stornieren. Außerdem hatte Uber Fahrer bei Lyft abgeworben und Software eingesetzt, um eigene Kunden heimlich zu verfolgen – selbst dann, wenn diese Ubers App geschlossen hatten.

Zudem kam heraus, dass der Konzern, der sich jahrelang mit Zulassungsbehörden weltweit um die Rechtmäßigkeit seines Chauffeurdienstes gestritten hatte, ein Tool namens Greyball nutzte. Dieses verschleierte den Standort der eingesetzten Fahrer und präsentierte Stadtbehörden eine falsche Version der App. Und schließlich war Kalanick selbst dabei gefilmt worden, wie er einen Uber-Fahrer, der über sinkende Beförderungshonorare klagte, hochmütig abkanzelte.

Kompakt

Das Problem

Einst wurden Start-up Gründer regelmäßig von Wagniskapitalgebern geschasst, sobald das Unternehmen aus eigener Kraft wuchs. Inzwischen hat ihre Macht enorm zugenommen. Manche Gründer, so wie Ex-UberCEO Travis Kalanick, verleitet das zum Machtmissbrauch.

Die Vorgeschichte

Start-ups gehen seltener an die Börse, Führungsreferenzen spielen eine geringere Rolle. Dadurch sinkt scheinbar die Notwendigkeit einer unabhängigen Kontrolle im obersten Führungsgremium. Zugleich schätzen Wagniskapitalgeber die Fähigkeit der Gründer, eine innovative Firmenkultur zu erhalten.

Die Lösung

Gründer brauchen erfahrene COOs an ihrer Seite und im Board Menschen, die wissen, wie man ein börsennotiertes Unternehmen leitet. Wagniskapitalgeber sollten ihre Investments in Firmen begrenzen, deren Gründer eine Stimmrechtsmehrheit besitzen.

Fast im Wochentakt folgte ein Skandal auf den nächsten. Kunden drohten mit Boykott, und der Ruf nach Kalanicks Rücktritt wurde lauter. Dennoch schien der damals 40-jährige Unternehmensgründer unantastbar, zumindest eine Zeit lang. Damals legte der ehemalige US-Justizminister Eric Holder, den der Board mit einer internen Untersuchung beauftragt hatte, einen vernichtenden Bericht über die Zustände im Unternehmen vor. Trotzdem beschlossen Kalanick und seine Kollegen zunächst, dass vage Versprechungen, Coachings in Anspruch zu nehmen und einen neuen Geschäftsführer zu berufen, sowie eine mit erhobenem Zeigefinger ausgesprochene "Beurlaubung" des CEOs genug der Abhilfe seien. Das änderte sich erst, als einige der Hauptaktionäre auf die Barrikaden gingen. Warum hatte Ubers Board sich gegenüber Travis Kalanick derart unterwürfig verhalten?

Um es mit einem Wort zu sagen: Macht. Kalanick hielt (zum damaligen Zeitpunkt – Anm. der Red.) einen großen Teil der stimmberechtigten Aktien an Uber und konnte bis vor Kurzem eine Mehrheit der Sitze im Board nach Gutdünken besetzen. Er gehört zu einer Generation von Unternehmensgründern, der es gelungen ist, bis weit über den Zeitpunkt hinaus am Steuer zu bleiben, zu dem Risikokapitalgeber üblicherweise einen "professionellen" CEO im Start-up installieren.

Der Skandal bei Uber mag in seiner konkreten Ausprägung einzigartig gewesen sein, doch die Führungsprobleme, mit denen das Unternehmen zu kämpfen hatte, sind es nicht. Die Softwarefirma Zenefits, der Nahrungsmittelproduzent Hampton Creek (der inzwischen unter dem Namen Just firmiert – Anm. der Red.), der IT-Sicherheitsanbieter Tanium, die Kreditplattform Lending Club oder das Bluttestunternehmen Theranos: All diese Start-ups sind durch Skandale und das Fehlverhalten ihrer Gründer aufgefallen. Dennoch haben diese in einigen Fällen immer noch das Sagen. Uber ist also kein Sonderfall, sondern vielmehr ein gutes Beispiel für ein bemerkenswertes und bislang wenig verstandenes Phänomen: Mit wachsendem Erfolg ihres Unternehmens werden Gründer heute nicht mehr systematisch beiseitegeschoben, sondern nehmen die Führungsetage zunehmend unter ihre Knute. Ich nenne diesen Trend "Die Rache der Gründer".

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte

Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, teilt Wissen aus den besten Managementhochschulen der Welt und ihre eigenen Erfahrungen mit Ihnen. Einmal die Woche direkt in Ihr E-Mail-Postfach. 

Jetzt bestellen

In diesem Beitrag skizziere ich die Kräfte, die es Unternehmensgründern ermöglicht haben, solche Macht zu erlangen. Ich werde die These vertreten, dass dieser Trend zu einem Machtungleichgewicht geführt hat, das für Mitarbeiter, Kunden und Investoren negative Folgen haben kann. Um dem abzuhelfen, werde ich Vorschläge machen, die mehr Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit in der Führung von Start-ups gewährleisten sollen.

Harvard Business manager plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Zur Ausgabe
Artikel 17 / 25
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.