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Ex-Adidas CEO Herbert Hainer "Die Menschen werden mir fehlen"

Kein anderer Chef eines Dax-Konzerns war so lange Vorstandsvorsitzender: Herbert Hainer führte 15 Jahre lang den Sportartikelhersteller Adidas. Ende September übergab er das Amt an seinen Nachfolger Kasper Rorsted.
Das Interview führte Gesine Braun
aus Harvard Business manager 11/2016
Herbert Hainer

Herbert Hainer

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Daniel Karmann / dpa / picture alliance

Harvard Business manger: Herr Hainer, herzlichen Glückwunsch! Die Harvard Business Review hat Sie zum viertbesten CEO der Welt gekürt. Wie fühlen Sie sich?

Herbert Hainer: Es fühlt sich natürlich immer großartig an, wenn man Anerkennung für seine Arbeit erfährt, deswegen freue ich mich sehr. Ich möchte aber hinzufügen, dass man als CEO stell- vertretend für das Unternehmen ausgezeichnet wird. Erfolg ist – insbesondere bei einem Sportunternehmen wie Adidas – immer eine Mannschaftsleistung.

Sie haben Adidas Ende September verlassen – nach mehr als 15 Jahren an der Spitze. Wie schafft man es, so lange im Amt zu bleiben?

Ganz einfach: Man muss so lange erfolgreich sein! (lacht) Aber im Ernst: Ohne Erfolg geht es in der Tat nicht. Man muss das Unternehmen zum Wohle aller Stakeholder führen, dadurch gewinnt man das Vertrauen des Aufsichtsrats, der Kunden und der Mitarbeiter.

Auch Ihr Nachfolger Kasper Rorsted hatte es im vergangenen Jahr im CEO-Ranking unter die ersten 20 geschafft. Welche anderen Gemeinsamkeiten haben Sie?

Kasper ist ein erfolgreicher CEO mit großer internationaler Erfahrung. Er hat wie ich eine große Leidenschaft für den Sport. Daher bin ich überzeugt, dass Adidas bei ihm in besten Händen sein wird.

Was werden Sie vermissen?

Die Begegnungen mit den Menschen werden mir fehlen. Als Adidas-Chef hatte ich den Luxus, sehr viele interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Ich denke da nur an den Moment, in dem ich Muhammad Ali getroffen habe. Ali, für dessen Kämpfe ich als kleiner Junge nachts aufgestanden bin! Das war sehr bewegend. Aber es sind nicht nur die Begegnungen mit Sportstars, sondern auch mit meinen engsten Mitarbeitern, die ich aus meiner Zeit mitnehmen werde und an die ich mich gern erinnere.

Zwei der Top-Ten-CEOs sind Deutsche. Worin sind deutsche Spitzenmanager Ihrer Meinung nach besonders stark?

Deutsche CEOs sind zum einen sehr organisiert, gut strukturiert und fleißig. Kein Wunder, dass die deutsche Ingenieurskunst weltweit als einzigartig gilt. Zum anderen haben es deutsche CEOs aber in den vergangenen Jahren auch sehr gut geschafft, sich international besser aufzustellen und offen Veränderungsprozesse in ihren Unternehmen anzustoßen.

Was werden Sie nun tun?

Ich möchte vor allem mehr Zeit für meine Familie und mich haben. Zudem habe ich ein paar eigene Investments, um die ich mich intensiver kümmern werde. Und dann möchte ich auch neue Dinge lernen. So habe ich mir vorgenommen, Italienisch zu lernen, weil ich die Melodie der Sprache sehr schön finde.

Dieser Artikel erschien erstmals in der November-Ausgabe 2016 des Harvard Business managers.

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