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Kommunikation Die Lust am Lästern

John Legere, exzentrischer CEO von T-Mobile US, setzt auf eine ungewöhnliche Strategie: Er beschimpft die Konkurrenz, wann immer sich ihm die Gelegenheit bietet. Kunden und Mitarbeiter lieben ihn dafür.
aus Harvard Business manager 3/2017
John Legere

John Legere

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Andy Reynolds

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Für mich war 2011 ein ganz spezielles Jahr: Ich verkaufte das Telekommunikationsunternehmen Global Crossing, dessen CEO ich zehn Jahre lang gewesen war, und räumte meinen Chefposten. Zum ersten Mal in meinem Leben arbeitete ich nicht mehr rund um die Uhr. Noch im selben Monat ließen meine damalige Frau und ich uns scheiden.

Es war eine Phase des Umbruchs. Ich verbrachte meine Zeit damit, herumzusitzen und Eckhart Tolles spirituellen Bestseller "The Power of Now" zu lesen. Und darüber nachzudenken, was ich wirklich vom Leben wollte. Ich begriff schnell, dass ich ohne Arbeit nicht glücklich würde. Als mich ein Headhunter anrief und mir ein Vorstellungsgespräch für den Topjob bei T-Mobile US anbot, stürzte ich mich sofort in die Recherche. Wenig später sagte ich den Termin zu.

T-Mobile war damals noch nicht an der Börse – Eigentümerin war die Deutsche Telekom , die das Unternehmen auch kontrollierte. Eigentlich hatte der Telekomriese AT&T die Firma kaufen wollen, aber das US-Justizministerium und die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission stellten sich gegen die Übernahme. Bei der Deutschen Telekom war man ratlos; die Angestellten von T-Mobile waren mehr oder weniger sich selbst überlassen und machten sich Sorgen um ihre Zukunft.

CEOs sind zu diplomatisch

Das erste Treffen mit dem Telekom-Chef verlief ungewöhnlich für ein Jobinterview: In einer Art Mutmachrede erklärte ich ihm, warum die Situation von T-Mobile nicht so aussichtslos war, wie er offenbar meinte. Der Mann war offen und neugierig und interessierte sich für neue Ideen und Ansätze. So wie ich die Sache sah, hatte T-Mobile in den USA  eine ganze Menge Stärken – unter anderem einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Außerdem verfügte das Unternehmen nach meiner Ansicht noch über großen Handlungsspielraum. Wenn es den geschickt nutzte, konnte es die Situation erheblich verbessern, glaubte ich.

Profil

Das Unternehmen

T-Mobile US ist der drittgrößte Mobilfunkanbieter der USA, nach AT&T und Verizon. Das Unternehmen gehört zu zwei Dritteln der Deutschen Telekom und ist an der US-Börse Nasdaq notiert. 2011 scheiterte eine geplante Übernahme durch AT&T am Widerstand der US-Kartellbehörde.

Der Manager

John Legere, 58, ist seit 2012 CEO von T-Mobile US. Zuvor hatte er den Glasfaseranbieter Global Crossing geleitet und vor dem Konkurs bewahrt. Das imponierte dem damaligen Telekom-Chef René Obermann so sehr, dass er Legere zum CEO der angeschlagenen Tochter T-Mobile US machte. Es gehört zu Legeres erklärter Strategie, öffentlich über den Wettbewerb herzuziehen - allen voran über AT&T, wo er zu Beginn seiner Karriere fast 20 Jahre lang gearbeitet hatte. Legere studierte Wirtschaftswissenschaften – unter anderem an der MIT Sloan School of Management.

Ich skizzierte sechs oder sieben strategische Optionen, die dem Mobilfunkanbieter aus dem Dilemma helfen würden. Ich sagte während des Treffens aber auch, dass T-Mobile scheitern würde, falls das Unternehmen so weitermachte wie bisher. Wenn die Deutsche Telekom das Ruder bei T-Mobile herumreißen wollte, müsste sie kämpfen – und zwar viel härter als bislang. Dazu gehörte für mich, die Großen der Branche aggressiv anzugehen, allen voran Verizon und AT&T. CEOs großer Konzerne sind meist sehr diplomatisch. Sie äußern sich in der Öffentlichkeit niemals negativ über ihre Wettbewerber, und viele sprechen nicht einmal deren Namen aus. Das ist ein altmodischer Ansatz; ich bin da ganz anders. Als ich jung war, betrieb ich Leistungssport. Ich war Läufer und liebte den Wettkampf, das macht mich auch heute noch aus. Ich liebe den Sieg – besonders wenn andere dabei als Verlierer dastehen.

Das ist mehr als nur Gerede, ich meine es ernst, denn ich habe viel Erfahrung mit strategischen Entscheidungen. Ich denke ständig darüber nach, wie unser Unternehmen in den nächsten paar Jahren aufgestellt sein muss – und wie ich die Mitarbeiter entsprechend einsetzen und davon überzeugen kann, mitzuziehen. Der Mobilfunkmarkt ist gesättigt. Wachstum funktioniert nur auf Kosten der Konkurrenz. Deshalb konzentriere ich mich darauf, die Schwächen unserer Wettbewerber aufzudecken und auszunutzen.

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