Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Der Unterschied zwischen Teekochen und empathischer Führung

Empathische Führung bedeutet mehr als ansprechbar zu sein und sich die Sorgen der Mitarbeiter anzuhören. Erfolgreiche Führungskräfte gehen weiter - und verwechseln Empathie nicht mit Mitleid.

"Meine Mitarbeiter haben gesagt, ein Führungsseminar würde mir guttun." Diesen Satz habe ich so oder so ähnlich häufig in Vorstellungsrunden gehört, als ich in meiner Rolle als Coach noch Seminare für Führungskräfte leitete. Ich fand das bemerkenswert. Die Menschen schienen zunehmend zu erwarten, dass ihr Chef oder ihre Chefin ordentliches Feedback gibt, ihnen zuhört und sie menschlich führt – und sie trauten sich sogar, das offen anzusprechen. Vor 20 Jahren ziemlich unvorstellbar, oder?

Empathie gilt als neue Schlüsselkompetenz und Goldstandard für Führungskräfte. Experten empfehlen in der Krise empathische Führung. Tech-Unternehmen wie Google oder Microsoft haben Empathie in Verhaltensregeln aufgenommen. Selbst in klassischen Konzernen wie Daimler ist plötzlich davon die Rede. 

Wo früher graue Herren saßen, in den immer gleichen Anzügen, glatt und professionell, ihre Kinder maximal als gerahmtes Foto auf dem Schreibtisch präsent, sind plötzlich Menschen gefragt. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Monaten der Krise nochmal beschleunigt.

Aber was genau ist eigentlich gemeint mit empathischer Führung?

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Sie kennen bestimmt auch einen Kollegen, der anderen beim ersten Halskratzen einen Thymiantee kocht und sich dann ausführlich anhört, was sein Gegenüber belastet. Ich hatte mal eine Führungskraft im Seminar, die war für 400 Mitarbeiter verantwortlich und hatte den Anspruch, immer für alle eine offene Tür zu haben. Sie können sich vielleicht ausmalen, wie erschöpft dieser Mann war. 

Für unseren Podcast Team A habe ich mit Waldemar Pelz gesprochen, der zu dem Thema forscht und 20.000 Menschen befragt hat. Er hat drei Formen der Empathie identifiziert, die er im Podcast genauer erläutert.

Team A - Der ehrliche Führungspodcast

Astrid (Maier, Xing-Chefredakteurin) und Antonia (Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business manager) - deshalb Team A - leiten seit Jahren Teams. Sie sprechen alle zwei Wochen mit Gästen aus Unternehmen und Universitäten offen über starke Führung und das, was Managerinnen und Manager umtreibt.

Alle Folgen

Für den Erfolg von Führungskräften waren demnach besonders zwei Faktoren entscheidend. Die Managerinnen und Manager verfügten über eine hohe sozialen Empathie. Das heißt, sie konnten sich nicht nur in andere Menschen hineinversetzen, sondern auch besonders gut antizipieren, wie sich eine Gruppe verhalten würde. "Stellen Sie sich vor, Sie kommen in eine Verhandlung und haben kein Gespür dafür, dass sich alle anderen hinter ihrem Rücken abgesprochen haben", sagt Pelz. "Das wird Sie behindern". 

Hinzu kam noch ein weiterer Punkt: Erfolgreiche Chefs und Chefinnen gingen einen Schritt weiter als einfach nur Tee zu kochen oder die Seelsorge zu übernehmen. Sie verfügten über eine hohe Lösungsorientierung und waren bereit, emotionale Probleme anzusprechen und anzugehen. "Empathie und Mitleid sind zwei ganz unterschiedliche Dinge", sagt Pelz. Empathisch zu führen, kann auch bedeuten, einem Menschen im richtigen Moment einen kräftigen Schubs zu geben.

Im Podcast erläutert Waldemar Pelz die drei Arten der Empathie. Daneben haben wir mit der deutschen Microsoft-Personalvorständin Claudia Hartwich darüber gesprochen, wie der Techkonzern versucht, Empathie messbar zu machen.

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