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Omas Porzellan neben dem Drucker

Thomas Dienes, Mitglied der Geschäftsleitung beim Möbelhersteller USM, forschte früher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.
aus Harvard Business manager 9/2020
Foto: Robert Rieger

Wenn mehr Menschen zu Hause arbeiten: Was heißt das für die Sinnhaftigkeit der Arbeit, Wohnungen, Stadtplanung, Möbel, Innovation und Mieten? In unserem Schwerpunkt "Das Büro der Zukunft" antworten Expertinnen und Experten auf diese Fragen.

Für das konzentrierte Arbeiten kann das Homeoffice gute Voraussetzungen bieten, zumindest solange genug Raum vorhanden ist. Die Kommunikation im Team, die für die Effizienz und die Kreativität von Schreibtischarbeit genauso wichtig ist, lässt sich jedoch am besten zentralisiert in Bürogebäuden organisieren. Eine wichtige These lautet deshalb: Das Office der Zukunft  wird zu einem sozialen Treffpunkt werden.

Architektonisch wird sich hierfür, so meine Prognose, eine Mischung etablieren aus Gruppenbüros für unterschiedliche Teamgrößen, wie wir sie aus den vergangenen Jahren kennen. Hinzu kommen Rückzugszonen für konzentriertes Arbeiten und abgeschlossene Räume für vertrauliche Gespräche, die jedoch nicht persönlich zugeordnet sind.

Die Aufteilung in Homeoffice und Büroarbeit hat natürlich Konsequenzen für das Möblierungskonzept. Ein Sekretär muss künftig nicht mehr allein als Schreibtisch und Aufbewahrungsort für Schreibutensilien funktionieren, er sollte sich mühelos als Wohnzimmerschrank umnutzen lassen, in dem zum Beispiel der Drucker sein Fach hat, ansonsten aber das gute Porzellan lagert. Ein Sideboard sollte zusätzlich eine ebenso bequeme wie solide Sitzgelegenheit abgeben. Tragende Elemente der einzelnen Möbel können so gestaltet werden, dass im Innern Stromversorgungen oder Computernetzanschlüsse verlegt werden wie in einem Kabelkanal.

Vom Arbeitsplatz verschwinden werden Aktenschränke und andere Lagerungsstätten für Papierdokumente. Diese werden künftig allenfalls in Archivräumen aufbewahrt, die sich nicht anderweitig nutzen lasen. Auch wird der Prestigewert eines großen Schreibtisches oder ähnlicher Repräsentationsobjekte schwinden. Prestige wird sich im Büro künftig vor allem durch eine angenehme Atmosphäre der praktischen Nutzbarkeit für das dort arbeitende Team einstellen, als Ausdruck für die Wertschätzung der Mitarbeitenden und ihres Engagements.

Protokoll: Michael O. R. Kröher

Dieser Artikel erschien in der September-Ausgabe 2020 des Harvard Business manager.

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