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Krisenbewältigung Heilende Emotionen

Die Corona-Krise ist ein Schock, der das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflusst hat. Viele empfinden Trauer - selbst nach ihrer Rückkehr ins Büro. Führungskräfte müssen dies anerkennen und ihren Mitarbeitern helfen, der Krise eine Bedeutung zu geben.
aus Harvard Business manager 8/2020
Foto: Margeaux Walter / The New York Times / Redux / laif

Als ich vor einiger Zeit abends in einem Kino in Los Angeles saß, erlebte ich ein Erdbeben hautnah mit. Es war ein ziemlich langes Beben, mit mehreren Nachbeben. Die Besucher im Kino reagierten auf unterschiedliche Art und Weise; man kann sie in drei Gruppen einteilen: Einige gerieten in Panik und bewegten sich chaotisch – sie waren unsicher, was sie tun und wohin sie gehen sollten. Andere wiederum blieben ruhig und gingen zu den Notausgängen, genauso wie es die Information vor der Kinovorführung empfohlen hatte. Die dritte Gruppe bewegte sich kaum. Diese Menschen flehten stattdessen andere Besucher an, sich zu beruhigen und sich wieder den Film anzusehen.

Ich denke seit Beginn der Coronavirus-Pandemie über diese Nacht nach. Diese Krise ist natürlich ein anderer Schock als ein Erdbeben, aber sie ist ein Schock . Bei meinen Freunden, Familienmitgliedern und Mitarbeitern in den Unternehmen, die ich berate, habe ich ähnliche Reaktionen wie im Kinosaal beobachten können. Einige Menschen hatten mit der Krise zu kämpfen. Andere haben das gemacht, was ihnen geraten wurde. Und eine dritte Gruppe wollte, dass die anderen sich beruhigen und wieder zum Business as usual zurückkehren.

Unternehmen, die derzeit eine langsame Rückkehr zu normalen Lebens- und Arbeitsroutinen bewältigen, müssen auch verstehen und anerkennen, dass ihre Mitarbeiter unterschiedliche Arten von Unterstützung  benötigen. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um das Richtlinienhandbuch zu überprüfen oder alle mit Botschaften und Gebeten zu fluten. Es ist eine Zeit, in der jeder Einzelne in seiner besonderen Trauer unterstützt werden sollte. Diese Trauer zu benennen ist ein wirksames Mittel, besorgten Kollegen wieder in die Normalität zurückzuhelfen.

Ein Thema der Corona-Zeit

Als die Lage in den Vereinigten Staaten Ende März rasch eskalierte, wurde ich von der Harvard Business Review zum Thema Trauer und Pandemie befragt. Wir sprachen über die kollektive Angst vor dem Kontrollverlust, den radikalen Wandel in unserer Lebensweise, die vorweggenommene Trauer, die wir empfanden, wenn wir uns den künftigen Verlust von Arbeitsplätzen und möglicherweise den Tod von geliebten Menschen vorstellten. Das Interview traf einen Nerv, es ging auf der ganzen Welt viral. Es löste unzählige Dankesworte von Ärzten, Krankenschwestern und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten aus. Diese Reaktion erinnert daran, dass Menschen zur Bewältigung eines Traumas zunächst ihre Gefühle ausdrücken müssen.

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Es gibt Wege, mit Trauer umzugehen, das Phänomen ist gut erforscht. Die fünf Phasen der Trauer bauen auf der Arbeit der Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross auf, die 2004 verstarb. Sie sind an ihr bahnbrechendes Werk aus den späten 1960er Jahren über die fünf Phasen des Sterbens angelehnt: Leugnen, Wut, Verhandeln, Trauer und Akzeptanz.

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