Zur Ausgabe
Artikel 15 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Der beste Rat, den ich je bekommen habe "Sprich offen über deine Vision fürs Unternehmen"

Nehmen Chefinnen und Chefs selbst Ratschläge an? Und was macht einen guten Rat eigentlich aus? Wir haben uns in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft umgehört. Vaude-Chefin Antje von Dewitz hat gelernt, mutig ihre Ideen für das Unternehmen und ihre Führungsphilosophie zu teilen.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2022
Foto:

Philip Frowein

Der beste Rat meines Lebens war quasi ein Wunsch, der an mich herangetragen wurde: Als ich im Jahr 2008 den Kreis der Geschäftsleitung von Vaude neu konstituieren und aufbauen sollte, bat mich unser damaliger Produktleiter, zum Auftakt der geplanten Klausursitzung allen Teilnehmern zunächst meine Vision zu schildern. So könne man sich am besten ein Bild davon machen, welchen Weg das Unternehmen einschlage und was auf diesen Führungskreis zukomme.

Zwar bin ich mir sicher, dass ich auch ohne diesen Wunsch für meine Werte und Überzeugungen eingetreten wäre, doch brachte mich diese dezidierte Bitte dazu, mich intensiv damit auseinanderzusetzen. Am Ende konnte ich klar formulieren: Es geht darum, Vaude zu einem durch und durch nachhaltigen Unternehmen zu machen!

Etwas Ähnliches passierte wenige Monate später noch einmal, als ich die Geschäftsführung übernahm und mich der damalige Personalleiter bat, meine Vorstellung von Personalführung zu präsentieren. Auch damit habe ich mich eingehend befasst, bin mir über mein Menschenbild und meine Glaubenssätze klar geworden und habe darauf meine ideale Führungsphilosophie aufgebaut.

In beiden Fällen hat mich nicht etwa ein Ratschlag weiter gebracht, sondern die Anfrage eines engen, verantwortungsbewussten Mitarbeiters. Der Unterschied ist: Ein Ratschlag hat im Hintergrund die Botschaft "Es wäre gut für dich, dieses und jenes zu tun." Die als Wunsch geäußerten Anfragen implizierten jedoch: "Es wäre gut für uns alle."

Es hat mich Mut gekostet, meine inneren Überzeugungen zu präsentieren, die mit einer großen Transformation und den entsprechenden Risiken verbunden waren. Anfangs hatte ich Störgefühle wie: "Wird hier eine Offenbarung von mir verlangt? Gebe ich zu viel Persönliches preis? Werde ich bloßgestellt?" Doch inzwischen würde ich jedem dazu raten, einem solchen Anliegen zuzustimmen.

Generell nehme ich heute Ratschläge am liebsten von engen Mitarbeitern an. Im privaten Umfeld sind mein Ehemann und meine Kinder wichtige Spiegel, oft auch enge Freundinnen. Auch wenn wir ein breites Netzwerk an Partnern haben und mit vielen Experten zusammenarbeiten, bin ich gegenüber externen Beratern zurückhaltend, wenn es um die generelle Ausrichtung von Vaude geht. Man braucht sehr viel Insiderwissen, um das oft recht komplexe Unternehmen Vaude in aller Breite und Tiefe zu verstehen, das findet sich nicht einfach so in der Werkzeugkiste professioneller Consultants.

Ich bin überzeugt: Die organische und erfolgreiche Weiterentwicklung von Vaude können wir am besten aus unserer Energie und Kraft heraus gestalten. © HBm 2022

Spezial Leadership

Führen wie ein Coach

Wie Sie das Beste aus sich und Ihrem Team herausholen

Zur Ausgabe Jetzt abonnieren

Dieser Artikel erschien im Spezial 2022 des Harvard Business managers.

Zur Ausgabe
Artikel 15 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.