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Kommunikation Auf ein Wort

Manager sollten noch aktiver das Gespräch mit ihren Mitarbeitern suchen. Neuesten Studien zufolge zahlt sich eine offene und ehrliche Kommunikation für Unternehmen deutlich aus.
aus Harvard Business manager 3/2016

Kunstwerk: "Diaspora" von Paul Villinski, 2010, Vinyl-LPs, Plattencover und Edelstahldraht

Es ist gut möglich, dass Ihre Mitarbeiter Ihnen wichtige Informationen vorenthalten. Beispielsweise über ein Projekt, das zu scheitern droht, oder über einen Manager, der völlig aus der Rolle fällt. Vielleicht verschweigen sie Ihnen auch ihre Ideen, wie das Unternehmen den Umsatz steigern oder Prozesse vereinfachen könnte. Ganz gleich, wie offen Sie sich als Manager geben, unsere Studien zeigen, dass viele Mitarbeiter sich gegenüber Führungskräften eher bedeckt halten, als dass sie deren Initiativen hinterfragen oder eigene Vorschläge machen würden.

Dies passiert selbst dann, wenn Sie wie die meisten eine Politik der offenen Tür befürworten. (Wir haben in all den Jahren, in denen wir die Meinung der Mitarbeiter erforschen und Unternehmen zu diesem Thema beraten, noch nie jemanden erlebt, der sagte: "Ich vertrete eine Politik der geschlossenen Tür.") Fragen Sie sich einmal selbst: Wie häufig kommen Ihre Mitarbeiter zu Ihnen, in Ihr Büro, um Ihnen die ungeschönte Wahrheit zu sagen, nur weil Sie sie dazu ermutigt haben? Die Wahrheit ist, dass Ihre Mitarbeiter – zu Recht oder zu Unrecht – befürchten, Sie könnten ihre Kritik persönlich nehmen. Oder sie fürchten, als despektierliche Besserwisser dazustehen.

Führungskräfte nutzen verschiedene Instrumente, wie Umfragen zum Unternehmensklima oder Feedbackrunden vor versammelter Mannschaft, um eine Kultur der offenen Kommunikation zu fördern. Viele dieser Bemühungen sollen insbesondere die Kommunikation zwischen den Hierarchieebenen erleichtern.

So gut gemeint sie auch sein mögen, sie verfehlen allesamt ihr Ziel – und zwar aus zwei zentralen Gründen: Es gibt eine Angst vor Konsequenzen (in Verlegenheit zu geraten, sich zu isolieren, eine schlechte Leistungsbewertung zu erhalten, sich die Beförderung zu verspielen oder gar gefeuert zu werden) und ein Gefühl der Vergeblichkeit (die Überzeugung, dass – auch wenn ich mich äußere – sich ohnehin nichts ändern wird). In diesem Beitrag untersuchen wir das Scheitern von Führungskräften bei dem Versuch, die Ehrlichkeit und Offenheit in der Kommunikation zu verbessern. Meist scheitern sie, weil sie die beiden genannten Befürchtungen der Mitarbeiter nicht aus dem Weg räumen oder manchmal sogar schüren. Außerdem stellen wir Strategien vor, die viel effektiver ans Ziel führen.

Kompakt

Das Problem

Führungskräfte wollen Mitarbeiter ermutigen, ihre Vorschläge und Bedenken zu äußern - erreichen in der Regel aber genau das Gegenteil, weil sie zwei zentrale Hindernisse nicht aus dem Weg räumen: die Angst, für Ehrlichkeit bestraft zu werden, und das Gefühl der Vergeblichkeit. Diese Hindernisse sind von zentraler Bedeutung für Unternehmen. Denn können sich Mitarbeiter frei äußern, sinkt deren Fluktuation und die Erträge steigen. Halten sie sich dagegen mit Äußerungen zurück, sind Fehler und falsche Entscheidungen an der Tagesordnung und viele kluge Ideen werden niemals realisiert.

Die Lösung

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, eine aktivere Gesprächskultur zu schaffen. Fragen Sie beispielsweise regelmäßig nach Feedback, um Hemmschwellen abzubauen, benennen Sie konkret, welchen Input Sie sich vorstellen, gehen Sie auf Mitarbeiter direkt zu, meiden Sie Dominanzverhalten, richten Sie formale Nachfassverfahren ein, und seien Sie selbst ein Vorbild.

Wie wir in einer Reihe von Studien zeigen konnten, verbessern sich Mitarbeiterbindung und Unternehmensergebnisse, wenn Mitarbeiter ihre Sorgen frei äußern können. Bei verschiedenen Finanzdienstleistern erzielten beispielsweise diejenigen Geschäftseinheiten deutlich bessere finanzielle und operative Ergebnisse, deren Mitarbeiter angaben, sich häufiger kritisch zu äußern. Bei einer US-amerikanischen Restaurantkette konnten Manager die Geschäftsführung von Maßnahmen überzeugen, die die Mitarbeiterfluktuation um 32 Prozent reduzierten und die Betriebskosten um jährlich mindestens 1,6 Millionen Dollar senkten.

Für eine offene und ehrliche Kommunikation zu sorgen zahlt sich also aus – nicht nur für den einzelnen Mitarbeiter, der seinen Beitrag leisten möchte, sondern auch für das Unternehmen als Ganzes.

Der Faktor Angst

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