Zur Ausgabe
Artikel 14 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Der beste Rat, den ich je bekommen habe "Akzeptiert werden nur Konzepte mit Visionen"

Nehmen Chefinnen und Chefs selbst Ratschläge an? Und was macht einen guten Rat eigentlich aus? Wir haben uns in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft umgehört. Unternehmensberater Martin Eisenhut sagt, dass ein guter Ratschlag wie ein Coaching ist.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2022
Foto: Marina Weigl für manager magazin

Harvard Business manager: Herr Eisenhut, ist das Beraten von Unternehmen und deren Führungskräften eine schwierige Aufgabe?

Martin Eisenhut: Wie man es nimmt und je nachdem, welches Talent die Beraterinnen und Berater mitbringen, wie viel Energie sie einsetzen. Es kommt darauf an, dass man immer etwas mehr liefert, als der Klient erwartet. Dabei gilt die 80:20-Regel: Die ersten 80 Prozent eines Auftrags lassen sich mit üblichem Aufwand erledigen. Die restlichen 2o Prozent machen den Unterschied aus. Hierfür muss man seine zusätzlichen Ressourcen und Reserven einbringen. Wichtig ist, dass man auch in dieser Phase immer gut aussieht. Ausgeschlafen, unangestrengt. So, als könnte man noch mehr leisten.

Fordern Sie damit nicht etwas Unmögliches von Ihrem Team?

Nein, das gemeinsame Entwickeln von Problemlösungen, das Bewältigen von Herausforderungen kann auch Spaß machen und Kräfte freisetzen! Wenn es gut läuft, ist es eine kollektive Entdeckungsreise.

Wie schafft man als Berater Akzeptanz für die gegebenen Ratschläge?

Konzepte werden akzeptiert, wenn sie eine Vision enthalten. Als Beraterin und Berater muss man genau zuhören, um diese Vision zu entwickeln. Sie sollte auf den Stärken des Kunden aufsetzen, originell sein und seinen Anforderungen entsprechen, nicht nur seinen Erwartungen. Es reicht definitiv nicht, nach dem größten gemeinsamen Nenner zu suchen.

Gibt es ein Rezept für den idealen Rat?

Die ideale Beratung funktioniert wie ein Coaching: Sie bietet eine Lösung an, die der Empfänger des Ratschlags schon im Kopf hatte, aber noch nicht klar sah oder bei der er sich nicht an die Umsetzung wagte. Geht es um komplexe Konzepte, kann es hilfreich sein, zunächst Elemente auszublenden, um durch Fokussierung auf bessere Ansätze zu kommen. Die originellsten Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn auch Raum für das Wunschbild des Beratungsteams entsteht, etwa für ein komplett neues Produkt. Oder wenn sie eine Markteinführung erst einmal ganz ohne Rücksichten aufs Budget ausmalen dürfen.

In welchen Momenten scheitern Ratgeberinnen und Ratgeber?

Ein Rat verpufft, wenn er sein Ziel verfehlt. In eine Alltagssituation übersetzt heißt das zum Beispiel: Fragt ein Freund, ob er sich ein blaues Auto kaufen soll, nutzt es ihm nichts, wenn er nur Ratschläge für rote oder weiße Autos erhält. © HBm 2022

Spezial Leadership

Führen wie ein Coach

Wie Sie das Beste aus sich und Ihrem Team herausholen

Zur Ausgabe Jetzt abonnieren

Dieser Artikel erschien im Spezial 2022 des Harvard Business managers.

Zur Ausgabe
Artikel 14 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel