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Friedliches Miteinander

Mediation kann helfen, Konflikte in Wirtschaft und Politik auf zivilem Wege zu lösen.
aus Harvard Business manager 6/2003

In der Öffentlichkeit ist Mediation - zu Deutsch: Vermittlung - am ehesten bekannt als Streitschlichtung bei Scheidungen, wodurch teure Gerichtskosten und Eskalationen zwischen den Partnern bereits im Vorfeld vermieden werden sollen. Gelegentlich war aus den Medien auch schon über Mediation im Rahmen von Konflikten in Familienunternehmen etwas zu erfahren.

Wer das Mediationsbuch über "Neue Wege des Konfliktmanagements in größeren Systemen" zur Hand nimmt, wird erstaunt feststellen, dass die Gemeinde aus bestellten und selbst ernannten Mediatoren ihr Betätigungsfeld ungemein ausgeweitet hat. Das Gemeinsame an den verschiedenen Formen der Mediation - sei es zwischen Unternehmen und Anspruchsgruppen, zwischen Politik und Bürgern, zwischen verschiedenen Interessengruppen oder gar zwischen Staaten - ist wohl darin zu sehen, dass es sich um rein zivile Konfliktlösungsmechanismen handelt. Das heißt, derartige Verhandlungen bewegen sich außerhalb der gewohnten Bahnen gerichtlicher, diplomatischer oder institutioneller Verfahren.

Das ist sicherlich der besondere Vorteil dieser Konfliktlösungsart, weil sie von "neutralen" Schlichtungsinstanzen geführt wird. Auf der anderen Seite bleibt Mediation aus demselben Grund oft wirkungslos: Die tatsächlichen Entscheidungsträger brauchen sich häufig nicht um die Ergebnisse solcher partizipatorischer Verfahren zu scheren, und auch der Zwang zur Einigung ist bei den Beteiligten oft nicht sehr stark.

Beiträge mit zahlreichen internationalen Beispielen für Mediationsanstrengungen im wirtschaftlichen und politischen Bereich zeigen aber, dass der Wissensstand und die Praxis hier zu Lande anscheinend nicht so weit gediehen sind wie andernorts. Insofern ist dem Buch Aufmerksamkeit zu wünschen. Wie bei allen Readern sind die Beiträge von unterschiedlichem Niveau und behandeln recht verschiedene Themenbereiche. Doch viele sind ausgesprochen interessant, gut lesbar, reflektiert und problemorientiert.

Den Titel des Buches ziert eine weiße Taube. Nach dem Irak-Krieg scheinen die Falken sich ins Recht gesetzt zu haben. Doch wenn es um die Gestaltung bürgerlich-ziviler Gesellschaften geht und um die Rolle von Wirtschaftsunternehmen als "gute Bürger", kann professionelle Mediation sicher einiges leisten. Angesichts der zunehmend handlungsunfähigen staatlichen Institutionen muss sie das wohl auch, soll ein lebendiges, liberales und friedliches Zusammenleben verschiedener Gruppen von Menschen ermöglicht werden.

Cornelia Hegele-Raih

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Mehta, Gerda; Rückert, Klaus (Hrsg.)

Mediation und Demokratie

Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 2003, 398 Seiten, 49 Euro

© 2003 Harvard Businessmanager

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