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Fünf Minuten mit ... Francis F. Coppola

aus Harvard Business manager 11/2011

Herr Coppola, Sie haben sowohl bei Blockbustern als auch bei kleinen Independent-Filmen Regie geführt. Worin unterscheidet sich die Arbeit?

COPPOLA Je kleiner das Budget, desto größer sind häufig die Ideen dahinter; und je größer das Budget, desto kleiner die Ideen und der Abenteuergeist. Ich habe mein ganzes Leben versucht, große Dinge zu wuppen und viel Geld zu machen - um anschließend genügend Mittel zu haben, um die Filme zu drehen, die mir wirklich wichtig waren. So bin ich vor 16 Jahren eher zufällig ins Weingeschäft geraten: Heute verdiene ich damit so viel Geld, dass ich mein eigener Herr sein kann.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich gefragt, warum ich nicht einen Ratschlag meiner Tochter Sofia annehme und noch einmal so tue, als sei ich ein 21-jähriger Filmstudent, der ganz am Anfang seiner Karriere steht. Wäre das der Fall, würde ich mich mit einem Minibudget auf nach Rumänien machen - ohne die Unterstützung all meiner etablierten Freunde. Und wissen Sie was? Genau das habe ich getan.

Sie haben mit den großen Hollywood-Produzenten zusammengearbeitet. Wie ist es Ihnen gelungen, diese von Ihren Ideen zu überzeugen, die ja mitunter gegen alle filmischen Konventionen verstießen?

COPPOLA Wenn einem der Instinkt sagt, dass man die eingetretenen Pfade verlassen sollte, muss man diesem folgen. Nehmen Sie mein Casting für "Der Pate": Das Studio war damals gegen den vor mir favorisierten Besetzungsvorschlag Marlon Brando. Also bin ich einfach mit einer Ladung kleiner italienischer Würstchen und Zigarren zu Brando nach Hause gefahren. Er hat sein Haar nach hinten gegelt und anschließend begonnen, vor meiner Kamera zu improvisieren. Dieses Video habe ich dann direkt zur Filmproduktion gebracht - und zwar nicht zu irgendwem, sondern direkt zum Boss. Dieser hätte mich am liebsten sofort rausgeschmissen: "Keine Chance, Herr Coppola". Aber dann sah er, wie Brando sich veränderte, und war sofort überzeugt. Die Eigenschaften, für die Sie gefeuert werden, wenn Sie jung sind, sind in der Regel dieselben, für die Sie im Alter gefeiert werden.

Sie gelten als Familienmensch. Wie bekommen Sie die Balance zwischen Privat- und Berufsleben hin?

COPPOLA Mir begegnen immer wieder 45-Jährige, die sagen, dass sie Kinder erst dann haben wollen, wenn sie erfolgreich sind. Ich sage: Hab Kinder, dann wirst du erfolgreich. Die Tatsache, dass ich mit 22 geheiratet habe und sofort Vater wurde, hat mich schneller erwachsen werden lassen - schlichtweg weil ich diese kleine Familie über die Runden bringen musste. Ich habe von meinen Kindern und meiner Frau mindestens genauso viel gelernt wie sie von mir.

Sie haben 72 Filme produziert und bei 33 Regie geführt. Wie gehen Sie mit kreativen Krisen um?

COPPOLA Wenn mir meine Intuition keine Antwort gibt, zwinge ich mich dazu, die Dinge radikal herunterzubrechen: Was war das Hauptthema von "Der Dialog"? Abgrenzung. Und wie lautete es bei "Der Pate"? Die Nachfolge. Ich empfehle diese Methode auch meinen Kindern. In Pattsituationen ist es hilfreich, sich zu fragen, was das Hauptthema ist. Häufig zeigt einem die Antwort, wohin die Reise gehen sollte.

Mit Francis Ford Coppola sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".

Nachdruck

Nummer 201111106, siehe Seite 100 oder www.harvardbusinessmanager.de © 2011 Harvard Business Publishing

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