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HBM Online Firma oder Familie - was ist wichtiger?

HBM ONLINE: Unsere Leser kommentierten das Management-dilemma aus dem Juli-Heft. Der Chef des Fahrradherstellers DMBC will das soziale Engagement des Unternehmens auf die Suche nach einem Heilmittel für die Krankheit seiner Tochter konzentrieren. Handelt er im Sinne der Firma?
aus Harvard Business manager 9/2010

VON BERNHARD LANG

In der Sache ist das Vorhaben von Firmenchef Gino Duncan, einen hohen Gewinn für Mitarbeiterboni und für die Bekämpfung der Krankheit seiner Tochter zu verwenden, absolut vertretbar. Es geht hier nicht um Firma oder Familie, sondern um Firma und Familie.

In der Tat ist seine Tochter Nicole als Werbeträgerin eine in der Öffentlichkeit sichtbare Mitarbeiterin der Firma. Die Marketingabteilung sollte ein Konzept erarbeiten, wie die bisherigen sozialen Aktivitäten und die Bekämpfung der Krankheit VSS finanziert und weitergeführt werden können. Beispielsweise könnte man mithilfe einer gemeinnützigen VSS-Stiftung auch externe Unterstützer finden.

Beides zählt

Große Probleme bereitet die seit 23 Jahren unveränderte Führungsstruktur und -kultur des Topmanagements. Die Gründer Duncan und Miniter nehmen die Schlüsselpositionen CEO und CFO ein. Miniter ist dennoch nicht in der Lage, sich in vollem Umfang in das Unternehmen einzubringen. Er vermeidet es, kritische Punkte bei Duncan anzusprechen. Personalchefin Carolyn Bridges ist genauso wenig dazu bereit. Unter Duncans patriarchalischer Führung ist aus DMBC eine erfolgreiche Firma geworden. Ein temporäres Zurückziehen seines Engagements für DMBC erfordert einen kooperativeren Führungsstil, der die Kollegen im Management stärker in die Verantwortung nimmt. Ein Vorschlag mit einem starken COO, der es Duncan ermöglicht, sich vorübergehend um Firma und Familie zu kümmern, sollte bei ihm auf Gegenliebe stoßen.

VON KLAUS DITTSCHLAG

Alles weitergeben

Der Chef handelt absolut richtig. Der Unternehmenssinn ist es letztlich, lange bestehen zu bleiben. Und nicht, den schnellen Dollar zu verdienen. Es gibt nichts Sinnvolleres, als das verdiente Geld dafür einzusetzen, der Gesellschaft etwas wiederzugeben. Sei es eine medizinische Innovation, ein höherer Umweltschutz oder was auch immer die Menschheit weiterbringt. Wer, wenn nicht erfolgreiche Unternehmen, sollte wichtige Projekte finanziell unterstützen? Der marode Staat? Ich wäre stolz, wenn ich in einem Unternehmen meinen Beitrag dazu leisten könnte, Kindern ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Den raffgierigen Mitarbeitern sei ein guter Rat mitgegeben: Stellt euch die Frage, wie viel euer Geld wert ist, wenn ihr euch dafür keine Gesundheit kaufen könnt. Noch etwas: Love it, change it or leave it. In diesem Zusammenhang über den Inhalt des eigenen Portemonnaies zu jammern - getreu dem Motto "Was habe ich damit zu tun" - ist einfach nur zynisch und zeugt von geringster Intelligenz.

VON VERONIKA FISCHER

Mehr Initiativen

Aus meiner Sicht ist das Handeln von Duncan ethisch nicht vertretbar: In seinen Kampf gegen die Krankheit seiner Tochter darf er kein Firmengeld investieren, weil der eventuelle Nutzen einer solchen Spende aufgrund mangelnder strategischer Passform kaum dem Unternehmen zugute kommen wird.

Personalchefin Bridges muss intervenieren, notfalls mit Verweis auf den Verhaltenskodex der Firma, auf Interessenkonflikte und auf das schlechte Vorbild, das die Mitarbeiter zu mangelnder Leistung und Illoyalität anhalten könnte. Sie könnte einen Kompromiss vorschlagen: Die Boni werden in vollem Umfang gezahlt, auch das bisherige Sponsoring wird weitergeführt. Die Mitarbeiter schlagen unterstützenswerte Initiativen vor, zu denen auch Duncans Stiftung gehören kann. Dann wird abgestimmt, welche der Initiativen "offiziell" (durch Firmensponsoring) oder "inoffiziell" (durch freiwillige Beiträge) gefördert werden soll. Nur so ist sichergestellt, dass die Mitarbeiter sich als gleichberechtigt begreifen - und das wohltätige Engagement mittragen.

Wir freuen uns über Kommentare zu unseren Fallstudien. Weitere Beiträge aus dieser Rubrik finden Sie unter www.harvardbusinessmanager.de/ Fallstudie oder in der Xing-Gruppe www.xing.com/net/ harvardbusinessmanager

Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften zu kürzen.

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