Zur Ausgabe
Artikel 14 / 17
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Bücher Fast ein Zaubertrank

Eine Organisation voller Dschingis Khans wäre ein unerträglicher Ort - ein praxisnahes und unterhaltsames Buch über Führung.
aus Harvard Business manager 12/2006

Nicht wenige Führungsbücher erwecken den Eindruck, ein guter Leader müsse eine Mischung aus Dschingis Khan, Nelson Mandela, Machiavelli und Gandhi sein. Führung ist aber keineswegs etwas Mysteriöses, meint Jo Owen. Der Brite verfügt laut Klappentext über 25 Jahre Berufserfahrung mit den 70 besten (und einem der schlechtesten) Unternehmen der Welt und hat für dieses Buch rund 700 Arbeitnehmer und 30 CEOs interviewt. Der Autor will nicht weniger, als das Konzept der Führung, das von bedeutungsschweren Wörtern wie "Vision", "Werte" und "Integrität" durchdrungen ist, entzaubern und dem Leser zeigen, wie man auf jeder Ebene einer Organisation effektiv führt - und zwar nicht nur die eigenen Untergebenen, sondern etwa auch den eigenen Chef.

Das "Modell" von Owen besteht aus den drei und einem halben "P": Personal, positive Einstellung und Professionalität. Das halbe "P" steht für Performance. Halb deshalb, weil von den meisten Führungskräften in der Befragung die Leistung nicht als zentraler Punkt gesehen wurde. Sei es, weil Leistung selbstverständlich ist oder weil Führungsqualitäten wie Ehrlichkeit, Visionen oder Motivationsfähigkeit nicht mit klassischen Leistungskriterien zu fassen sind.

Zwar lassen die Gliederungspunkte des Buches an sich nicht unbedingt Innovatives erwarten. Es finden sich alle wichtigen Themen wie Motivation, Krisenmanagement, Zusammenstellung von Teams, Kommunikation und so fort. Den Zaubertrank für erfolgreiche Führung gibt es laut Owen nicht. Und doch ist es ihm gelungen, etwas zusammenzubrauen, das dem ziemlich nahekommt - mit britischem Humor, Klugheit, Bescheidenheit und dem klaren Blick auf die Praxis. Viel mehr oder Bedeutsameres lässt sich über Führung vielleicht gar nicht sagen. Das Buch ist weise, aber nicht belehrend. Es kann Wirtschaftsstudenten über Führung vermitteln, was sie im Studium nicht lernen, aber auch Topmanagern Denkanstöße geben.

Damit diese Rezension nicht zu unkritisch gerät, dürfen zwei Punkte nicht fehlen. Erstens: Wie in den meisten Führungsbüchern "gutmenschelt" es ziemlich - was aber zu dem Genre gehört wie Linsen zu Spätzle und hier sympathisch augenzwinkernd geschieht. Zweitens: Das Buch strotzt vor Binsenweisheiten - was verzeihlich ist, weil sie irgendwie trotzdem nicht langweilen. Lassen Sie zum Beispiel folgenden Satz auf sich wirken: "Werte - ebenso wie Hunde - sind nicht nur etwas für Weihnachten." Sie sehen, in diesem Buch erwartet Sie keine trockene Empirie, sondern wirklich lebensnahe, aber auch hintersinnige Prosa.

Zur Ausgabe
Artikel 14 / 17
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.