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Bücher Fast ein Krimi

aus Harvard Business manager 3/2011

Loren Steffy

Drowning in Oil

McGraw Hill 2010

256 Seiten

21,99 Euro

Eine Ölplattform im Golf von Mexiko kurz vor der Explosion. Die Luft knistert schon, die letzten Verrichtungen der Protagonisten werden so detailreich beschrieben wie in einem Krimi. Aber es handelt sich nicht um Fiktion, die Rede ist nicht vom neuesten Werk von Frank Schätzing. Thema des Buches ist die Realität: Eine immens aufwendig recherchierte und dennoch keinesfalls langatmige Beschreibung der Zustände beim Ölmulti BP. Der Autor, Loren Steffy, ist Wirtschaftskolumnist beim "Houston Chronicle". Seine Arbeit ist preis-gekrönt, unter anderem von der Society of American Business Editors.

Und so sind natürlich nicht nur persönliche Schicksale Thema dieser lesenswerten Dokumentation. Steffy hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Rolle das Management im Vorfeld dieser Katastrophe gespielt hat. Was er aufdeckt, ist eine lange Geschichte der Skrupellosig-keit. Sie reicht zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als BP noch Anglo-Persian Oil Company hieß. Über ein Jahrhundert war BP eng mit den Interessen der britischen Regierung verbandelt. Das ging so weit, dass die erste demokratisch gewählte Regierung des Iran auf Druck der Briten wieder durch den Schah abgelöst wurde, weil dieser ihnen weiterhin das Recht zur Rohölgewinnung zugestand.

Diese Episode ist für Steffy der Ausgangspunkt, der veranschaulicht, nach welchen Maximen bei BP von jeher Geschäfte gemacht werden. Auch der Managementstil von Tim Browne, dem Vorgänger des damaligen BP-Chefs Tony Hayward, erfährt eine ausführliche Würdigung. Er habe sich immer einen Stamm an ehrgeizigen High-Potentials gehalten, die nach einem Rotationsprinzip ihre Aufgaben zugeteilt bekamen. Ergebnis: Ein Manager war nie so lange mit einer Sache befasst, dass er sich richtig verantwortlich fühlen musste. Browne wird als extrem zahlenorientiert beschrieben. Die Mitarbeiter des Unternehmens mussten ständig Sparprogramme ertragen. Es entstanden Sicherheitslücken an vitalen Stellen des Konzerns.

Auch die Serie von Pannen, die das nach sich zog, dokumentiert Steffy minutiös. Er schildert unter anderem die Explosion in einer der größten BP-Raffinerien in Texas City im Jahr 2004. Sie glich einem Erdbeben. Diese Katastrophe forderte mehr Tote als die Explosion auf der "Deepwater Horizon".

Was können Manager lernen? An einem Worst-Practice-Beispiel zeigt sich, dass ein solcher Vorfall immer eine Geschichte hat. Ist das Ignorieren von Risiken tief in der Kultur eines Unternehmens verwurzelt, bedarf es eines massiven Kraftakts, die Sicherheit ganz oben auf die Agenda zu setzen. Bleibt zu hoffen, dass man den Turnaround irgendwann auch von BP lernen kann.

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