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Forum Ende der Hierarchie

Zum Blog "Übung macht den Manager" von Lutz Becker
aus Harvard Business manager 7/2011

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Viele Führungskräfte unterschätzen, wie wichtig Intuition und ein breites Repertoire an Fähigkeiten sind, um ein Unternehmen erfolgreich zu steuern. Doch diese Kompetenzen entwickeln sich nicht von selbst, was eine neue Generation von Managern erkannt hat.

Ich bin mir sicher, dass es aufgrund der immer stärker zunehmenden Komplexität und der Menge an notwendigem Wissen nicht mehr den einzelnen Experten gibt, der allein entscheiden wird. Der Manager wird sein Team moderieren und gemeinsam mit den Teammitgliedern an den Entscheidungen arbeiten. Das Expertenwissen wird verteilt sein und der Manager quasi auf Augenhöhe nach Lösungen suchen.

Ganz besonders ist das schon dort zu beobachten, wo kreativ gearbeitet wird. Die Schwarmintelligenz wird immer wichtiger. Nicht nur in den Firmen, sondern auch in der Gesellschaft.

Martin Bartonitz, Bergheim

Antwort von Lutz Becker

In wissensbasierten Umgebungen werden wir uns von Hierarchien verabschieden und in Richtung auf (flexible) Rollenmodelle bewegen müssen (man denke an das Modell der "Project-based Enterprise" oder "Projektfirma"). Dazu müssen aber unterschiedlich hohe kulturelle Hürden überwunden werden. Diese Hürden sind etwa in norwegischen Unternehmen aufgrund der Gesellschaftsstruktur eher gering. In anderen Gesellschaften, ich denke etwa an Frankreich, Italien oder China, ist das deutlich schwieriger (siehe dazu auch die etwas in die Jahre gekommene Arbeit von Geert Hofstede). Der mögliche Abschied von der Hierarchie ist übrigens nicht mit dem Abschied von Macht und Machtspielen gleichzusetzen. Die Frage der Macht unterscheidet uns von Schwärmen im Tierreich. Es ist nicht nur, dass uns ein Äquivalent zum Seitenorgan fehlt, wir haben aus unserer Forschung auch gewisse Hinweise, dass sich Macht und das, was wir gemeinhin als Schwarmintelligenz bezeichnen, de facto konterkarieren.

Kein Zweifel: Intuition als heuristisches Instrument des Managements ist vielerorts noch nicht einmal ansatzweise implementiert. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Intuition als emotionale Eigenschaft/Fähigkeit betrachtet wird.

Ich verstehe Intuition als implizites Handlungswissen, das sich in vier Phasen aktiviert - der bewussten Auseinandersetzung mit einem Thema (Präparation), einer zum Teil bewussten, einer zum Teil unbewussten Verarbeitung der Situation (Inkubation), dem Einfall (Illumination) und dem Lösungs-Check (Verifikation). Dieser Ansatz ist zumindest ein wesentlicher Baustein in meinem Coachingmodell. Das Thema Intuition wird damit aus kognitiver Perspektive "barrierefrei". Vorteil: Auch rational geprägtere Persönlichkeiten können dann ausgezeichnet an ihrer Intuition arbeiten, weil der Begriff das sogenannte "Bauchgefühl" entmystifiziert.

Ralf Georgi, Solingen

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