Zur Ausgabe
Artikel 6 / 14
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Eine gute Lösung gelingt selten

aus Harvard Business manager 2/1980

Energieeinsparung ist eine plausible Forderung, als pauschale Empfehlung ein schneller und billiger Rat; die Umsetzung in die wirtschaftliche Praxis ist mühsamer und teurer. Der Bericht der vier Autoren gibt pauschale Überlegungen und einige konkrete Ansätze aus amerikanischer Sicht. Im Grundsatz sind sie auch für die deutsche Industrie wichtig. An Unterschieden ist zu beachten, daß in Deutschland schon immer bei Energiekosten schärfer kalkuliert werden mußte. Die ungemein üppige und billige Energieversorgung der US-Industrie hat es bei uns nur in den wenigen Jahren des billigen Öls gegeben. Die Autoren unterschätzen vielleicht zwei Schwierigkeiten. Die eine liegt in den betrieblichen Notwendigkeiten. Das erste Erfordernis in der Industrie ist: Energie in der erforderlichen Qualität am richtigen Ort zur richtigen Zeit mit großer Zuverlässigkeit einsetzen können. Damit werden die möglichen Optionen schon ganz erheblich eingeengt. Dazu kommen weitere Sachzwänge von Umweltschutz und Arbeitsplatz. Nur unter Beachtung all dieser Bedingungen kann man Kalküle über Investitions- und Energiekosten anstellen. Diese Kalküle in die Zukunft der nächsten zehn Jahre hinein sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Dies gilt besonders, wenn die Öffentliche Hand schematisch und auf öffentlichen Beifall bedacht immer neue Stolperdrähte legt und Auflagen macht, die jede Planung zu einem jahrelangen, zermürbenden Kleinkrieg mit der Bürokratie und mit Querulanten in der Nachbarschaft machen. Der andere Punkt hat mit der Eigentümlichkeit des Erzeugnisses Energie zu tun, das keine Ware wie andere ist. Soweit Energie über den Eigenbedarf hinaus im Betrieb entsteht, muß sie anderweitig prompt genutzt werden können. Man kann Strom und Wärmeenergie nicht einlagern, bis sich ein Abnehmer an anderem Ort zu anderer Zeit findet. Die industrielle Stromerzeugung wird von den öffentlichen Unternehmen (EVU) nur als Lückenbüßer abgenommen; und die EVU lassen sich ihre Wegerechte teuer bezahlen. Erst recht schwierig ist es mit der ungenützten Abhitze oder Abwärme. Besonders im Sommer gibt es dafür praktisch keine Interessenten; auch wohlgemeinte Vorschläge zur Heiznutzung im Winter sind nur selten wirtschaftlich realisierbar. Das schwierige Problem, Zeit und Standort der Erzeugung mit Zeit und Standort des Energiebedarfs abzustimmen, muß in jedem Einzelfall gelöst werden. Das ist mühsame Kleinarbeit mit unsicherem Erfolg; denn eine gute Lösung gelingt durchaus nicht immer. Dr. ULRICH JETTER ist beratender Ingenieur und Marktforscher, er lebt in Kelkheim/Taunus.

Ulrich Jetter
Zur Ausgabe
Artikel 6 / 14
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel