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Forum Dünne Luft

Image: Neue Väter braucht das Land (HBm Januar 2006)
aus Harvard Business manager 6/2006

Wenn man als Gesellschafter eines 3000 Mann starken Handwerksbetriebs die Ergebnisse zu verantworten hat und deshalb nach Neuem in Sachen Management sucht, wird die Luft in den berufseigenen Fachzeitschriften sehr schnell sehr dünn. Praxis, auch auf noch so schönem Hochglanzpapier beschrieben, bleibt halt ohne theoretischen Überbau weitgehend blind. Wenn man dann noch hintergründig schmunzelnd die Führungserfahrung einblendet, dass Handwerker eigentlich "nicht lesen und noch weniger schreiben", ist die wissenschaftliche Tour d'Horizon schon abgeradelt. In den Publikationen des Bauhandwerks und der Bauindustrie sieht man eine Menge Gebäude und Fassaden, Außenanlagen und Innenräume, Keller und Dachböden. Doch nach Porträts von Machern sucht man vergeblich. Die hat der atomistische Markt bereits vorher ertränkt.

Folgende Frage sei erlaubt: Könnte es nicht sein, dass man sich mit diesem Ansatz im verkehrten Lager bewegt, weil man ganz einfach dem klassischen Vater(Chef)-Mutter(Firma)-Bild verhaftet ist? Wäre das Modell "Verein" vielleicht nicht das bessere?

Ruft man sich zum Beispiel die Balltreter von Bayern München oder den VfB Stuttgart vors innere Auge, denkt man nicht an Arenen, Torgehäuse oder Fußbälle, sondern man erlebt gewonnene oder verlorene Zweikämpfe, sieht die Mannschaft mit ihren Stars, den Wasserträgern, Trainern und auch den Vereinsoberen und erlebt das Ganze als mehr oder weniger starke Einheit, bei deren Aktionen mitgefiebert oder mitgeflucht wird. So gesehen müsste die Griessche Forderung eigentlich heißen: Neue Gruppen braucht das Land. Der Vater-Mutter-Konflikt wäre überwunden. Und der Markt hat schon immer die Leistung der Familie diszipliniert. Adieu, Anonymität, adieu Cocooning, adieu überzogene Selbstdarstellung.

Herzlichen Dank, Rainer Gries. Ihre Gedanken haben einen Handwerker weitergebracht.

Dr. Carl-Heiner Schmid, Malerwerkstätten Heinrich Schmid, Reutlingen

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