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Diversity Hören Sie auf, sich zu rechtfertigen

Sollten Unternehmen darauf hinweisen, dass eine diverse Belegschaft auch wirtschaftlichen Nutzen bringt? Besser nicht, warnt eine neue Studie.
aus Harvard Business manager 10/2022
Foto: designer491 / Getty Images/iStockphoto

Bemühen sich Unternehmen um eine diversere Belegschaft, erklären sie typischerweise auf ihrer Website, auf Karriereseiten oder Blogs, warum das wichtig ist. Doch eine Studienreihe mit Tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigt: Mit solchen Rechtfertigungen schaden sich Unternehmen selbst.

Für ihre Studie  analysierten zwei Forscherinnen zunächst die Diversity Statements der 500 umsatzstärksten US-Unternehmen. Die große Mehrheit – rund 80 Prozent – betonte den betriebswirtschaftlichen Nutzen personeller Vielfalt oder deren potenzielle Vorteile für die Unternehmensleistung. 1 bis 5 Prozent nannten Fairness als Grund für ihre Bemühungen; der Rest bot keine Erklärung an. In fünf Folgeexperimenten sollten Probanden verschiedene Versionen eines fiktiven Diversity Statements lesen. Anschließend mussten sie angeben, wie sehr sie sich diesem Unternehmen voraussichtlich zugehörig fühlen würden und wie groß ihr Wunsch sei, dort zu arbeiten.

Dabei zeigte sich ein Muster bei allen unterrepräsentierten Gruppen – bei queeren Menschen, Schwarzen und Frauen in MINT-Berufen: Sobald sie etwas über den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Diversity gelesen hatten, sank ihr erwartetes Zugehörigkeitsgefühl, ebenso wie ihr Interesse für das Unternehmen zu arbeiten. Weitere Experimente deckten den Grund dafür auf: Probandinnen und Probanden fürchteten, nur durch die Brille ihrer sozialen Identität beurteilt zu werden. Überraschenderweise löste auch die Fairness-Begründung ähnliche Reaktionen aus, wenn auch in viel geringerem Ausmaß.

"Damit wirkt die am häufigsten verwendete Rechtfertigung für mehr Diversität den erklärten Vielfaltszielen der Unternehmen entgegen", schreiben die Wissenschaftlerinnen, "indem sie paradoxerweise genau jene Gruppen abschreckt, die sie anziehen müssten, um diverser zu werden." Ihre Empfehlung: Unternehmen sollten ihr Engagement für mehr Vielfalt als Selbstverständlichkeit darstellen – "als etwas, das keiner Rechtfertigung bedarf und einfach Teil des unternehmerischen Kernziels ist".

Quelle: Oriane Georgeac, Aneeta Rattan: "The Business Case for Diversity Backfires: Detrimental Effects of Organizations' Instrumental Diversity Rhetoric for Underrepresented Group Members' Sense of Belonging", Journal of Personality and Social Psychology, im Druck

Ausgabe Oktober 2022

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