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Chancen, Risiken und Vorgehensweisen bei der Akquisition von Elektronikunternehmen Diversifikation: Vieles glänzt, wenig paßt

Viele Unternehmen mit Schwerpunkten in älteren Industrien zielen mit ihren Diversifikationsstrategien auf die Übernahme von Elektronikunternehmen. Mangelnde Kenntnis der Spielregeln dieser speziell für Branchenfremde oft unüberschaubaren Industrie ist die Hauptursache für Fehlgriffe. Der Aufbau einer Electronic Division ist für Konzerne, die mit älteren Produkten in stagnierenden Märkten tätig sind, der Inbegriff einer besseren Zukunft. Branchenfremde, aber auch Brancheninsider komplettieren ihre Portfolios durch Unternehmenszukäufe oder versuchen ihr Glück mit eigenen "Startups". Die Shoppingliste ist bereits ansehnlich: Krupp kauft den Leiterplattenhersteller Melchert, Hoesch den Schalter- und Baugruppenhersteller Rafi, Deckel den Steuerungshersteller RWT, Mannesmann die Rechnerhersteller Kienzle, PCS sowie die Alfa System Partner GmbH, und Rheinmetall steigt mit Pierburg in die Motorelektronik ein. BASF engagiert sich in einem Joint Venture mit Siemens (Comparex) im Computergeschäft, Ciba- Geigy baut seine Anteile bei dem Laserhersteller Spectra Physics aus. Das Nonplusultra bleibt jedoch die Übernahme der Firmen AEG und Dornier durch Daimler. Stets sondieren beiden Akquisitionen die Konzernstäbe und beauftragten Unternehmensmakler das unsichere Terrain und handeln diskret lange Wunschlisten. Kommt es dann zur heißen Phase, den ersten Verhandlungen oder sogar zum Kaufabschluß, ist die Euphorie meist schnell verflogen und Ernüchterung macht sich breit. Die scheinbaren Perlen der Industrie wechseln in der Regel überteuert den Besitzer, denn die Nachfrage ist größer als das Angebot, und die Kauflust macht mitunter blind.
aus Harvard Business manager 3/1988
Rainer G. Nehls
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