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Der Wert der digitalen Wirtschaft

Kostenlose digitale Produkte finden im Bruttoinlandsprodukt keine Berücksichtigung. Eine alternative Kennzahl misst den wahren Nutzen der Digitalwirtschaft und ermöglicht eine bessere Steuerung dieses Sektors.
aus Harvard Business manager 4/2020

Illustration: Nick Smith

Nehmen wir einmal an, wir geben Ihnen 10 Euro, wenn Sie einen Monat lang auf Google verzichten. Nein? Wie wäre es mit 100 Euro? Oder 1000 Euro? Wie viel müssten wir Ihnen zahlen, damit Sie auf Wikipedia verzichten? Ihre Antworten auf solche Fragen können helfen, den wahren Wert der Digitalwirtschaft zu verstehen.

Im Jahr 2018 nutzte der durchschnittliche US-Amerikaner jeden Tag 6,3 Stunden lang digitale Medien – nicht nur Google und Wikipedia, sondern auch soziale Netzwerke, Onlinekurse, Straßenkarten, Kurznachrichtendienste, Videokonferenzen, Musik, Smartphone-Apps und vieles mehr. Digitale Medien nehmen einen immer größeren Teil unseres Lebens ein. Dennoch klammern offizielle Konjunkturindikatoren wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Produktivität (also BIP pro Arbeitsstunde) diese Aktivitäten weitgehend aus. Wir hören mehr und bessere Musik, finden uns in unbekannten Gegenden mühelos zurecht, kommunizieren auf vielfältigen Wegen mit Kollegen und Freunden und genießen eine Unmenge anderer Vorteile, die wir uns vor 40 Jahren nicht hätten vorstellen können.

Doch bei einem Blick auf die Entwicklung des BIPs könnte man meinen, die digitale Revolution habe nie stattgefunden (siehe Kasten "Eine kurze Geschichte des BIPs"). Der Anteil des Informationssektors am BIP hat sich seit den 80er Jahren kaum verändert. Er schwankt zwischen 4 und 5 Prozent pro Jahr und erreichte 2018 ein Hoch von gerade einmal 5,5 Prozent. Um es frei nach dem Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow zu sagen: Das digitale Zeitalter zeigt sich überall, nur nicht in den Zahlen des BIPs.

Kompakt

Das Problem
Wir sind viele Stunden am Tag online, doch im Bruttoinlandsprodukt (BIP) spiegelt sich das nur unzureichend wider. Kostenlose digitale Güter und Dienstleistungen wie Google und Wikipedia kommen darin nicht vor; das BIP misst nur, was einen Marktpreis hat. Daher stützen sich Politik, Regulierungsbehörden und Unternehmen bei ihren Entscheidungen oft auf eine mangelhafte Grundlage.

Die Lösung
Das BIP-N ist eine alternative Kennzahl, die das traditionelle Bruttoinlandsprodukt ergänzt, indem es den Nutzen kostenloser Güter für das Wohlergehen der Verbraucher beziffert. Um es zu ermitteln, müssen Verbraucher in Auswahlexperimenten angeben, für welchen Geldbetrag sie bereit wären, für einen Monat auf das digitale Produkt zu verzichten. Daraus ergibt sich die Konsumentenrente, die ins BIP-N einfließt

Was ist der Grund dafür, dass der Wert digitaler Angebote so unterrepräsentiert ist? Ausschlaggebend für das BIP ist, was Menschen für Waren und Dienstleistungen bezahlen. Mit wenigen Ausnahmen gilt: Was nichts kostet, trägt auch nichts zum BIP bei. Dabei ziehen die meisten von uns einen größeren Mehrwert aus kostenlosen digitalen Gütern wie Wikipedia und Onlinekarten als aus ihren teureren Vorgängern auf Papier.

Die Politik verwendet die BIP-Zahlen als Grundlage für Investitionsentscheidungen in den unterschiedlichsten Bereichen – von Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung über Bildung bis hin zur Cyberabwehr. Regulierungsbehörden orientieren sich bei ihren Regeln für Technologieunternehmen und andere Organisationen am BIP. Und weil die Vorteile der Digitalisierung darin dramatisch unterschätzt werden, basieren ihre Entscheidungen und Regeln auf einem unzureichenden Verständnis der Realität.

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