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Chancen und Risiken der Securitization für das Kreditgewerbe Die Zeitbombe im amerikanischen Finanzsystem

Droht das Finanzsystem der Vereinigten Staaten zusammenzubrechen? Zahllose unterkapitalisierte Geldinstitute haben sich mit großzügigen Darlehen an Kunden schlechter Bonität übernommen. Nur Buchhaltungstricks, die die wahre Ertrags- und Kapitallage verschleiern, haben bislang verhindert, daß Hunderte von Sparkassen und Regionalbanken die Zahlungsunfähigkeit erklären mußten. Gleichzeitig werden risikoarme Kredite - das profitable Geschäft - zunehmend von einer neuen Finanzierungstechnik abgelöst, die den traditionellen Geldverleihern aus rechtlichen Gründen kaum offensteht: Immer mehr Betriebe beschaffen sich ihr Geld mit Securitization, der Umwandlung klassischer Bankdarlehen in handelbare Wertpapiere. Der Vorteil: Diese sogenannten verbrieften Kredite sind liquide und haben einen funktionierenden Sekundärmarkt, herkömmliche Kredite nicht. Bislang wird allerdings das gesamte Geschäft von einigen wenigen Investmentbanken abgewickelt, die jede nur denkbare Form von Finanzierungsinstrumenten mit Wertpapieren unterlegen - Hypotheken, Privatdarlehen, Kreditkarten, Leasingverträge. Sollen auch Geschäftsbanken an der Securitization teilnehmen, dann muß das Bankenrecht von Grund auf geändert werden. Bisher haben Politiker und Behörden vor diesem Problem jedoch die Augen geschlossen. Doch die Securitization enthält gewaltigen Sprengstoff: Bereits Mitte der 90er Jahre könnten 80 Prozent der Neu verschuldung der US- Wirtschaft in verbrieften Krediten bestehen. Geschäftsbanken und Sparkassen wären dann nahezu zur Bedeutungslosigkeit verurteilt; Tausende weiterer Geldinstitute müßten Konkurs anmelden; und die Emissionshäuser bekämen eine beispiellose wirtschaftliche Macht.
aus Harvard Business manager 3/1987
Lowell L. Bryan
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