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Visualisierung die Macht der Bilder

Werden Studienergebnisse nur in Form von Zahlen präsentiert, haben viele Menschen Probleme, den Inhalt zu verstehen. Setzen Sie daher verstärkt auf Grafiken und Simulationen.
aus Harvard Business manager 8/2013

Seit den 60er Jahren untersuchen Forscher, warum Menschen so große Probleme damit haben, Wahrscheinlichkeiten zu verstehen. Neue Studien zeigen: Es spielt eine große Rolle, wie Daten dargestellt werden. Als besonders hilfreich für das Verständnis erweisen sich Grafiken und Computersimulationen.

In einem Experiment haben wir 257 Ökonomen eine Regressionsanalyse vorgelegt. Wir fragten sie nach den Wahrscheinlichkeiten verschiedener Ergebnisse. Einige erhielten die Daten in der Form, die in wissenschaftlichen Zeitschriften üblich ist - etwa der arithmetische Mittelwert und die Standardabweichung. Die meisten ihrer Antworten waren falsch. Andere bekamen von uns ein Streudiagramm, ohne Analyse. Obwohl einige von ihnen sich darüber beschwerten, nicht genügend Informationen zur Verfügung zu haben, waren ihre Aussagen weitaus zutreffender.

Bei komplexen Problemen sind Grafiken keine Option, dafür aber Computersimulationen. Sie machen Wahrscheinlichkeiten erfahrbar. Die Programme rechnen mehrere Versionen eines statistischen Prozesses durch und zeigen den Teilnehmern die Resultate. Ein einfaches Beispiel für eine Simulation ist mehrmals eine Münze zu werfen.

Bei der Wahrscheinlichkeitsrechnung handelt es sich um eine relativ junge Erfindung. Doch Menschen haben schon immer Häufigkeitsinformationen entziffert und interpretiert, wenn sie aufeinanderfolgende Ereignisse beobachteten. Unser Gehirn hat also einige Erfahrungen mit Wahrscheinlichkeiten gesammelt, die es in dieser Form vorgesetzt bekommt. Unsere Forschung unterstützt diese Annahme. Wir haben Statistikaufgaben an 62 Studenten im Grundstudium verteilt, die zuvor Statistikkurse besucht hatten, und an 20 Erwachsene, die weniger statistisches Wissen mitbrachten. Für beide Gruppen galt: Diejenigen Teilnehmer, die an Simulationen teilnahmen, gaben häufiger richtige Antworten.

Wir glauben, dass diese Ergebnisse große Auswirkungen haben können. Sie zeigen, wie wir in Unternehmen, Regierungen und anderen Organisationen ein größeres Verständnis für Statistiken erreichen können. Das können Betriebe sein, die über Investitionen entscheiden, oder Arbeitnehmer, die Anlagemodelle auswählen, wenn sie Geld für die Rente zurücklegen wollen. All das beinhaltet erhebliche Risiken und Unsicherheiten.

Statistische Analysen können Risiken bewerten und bei Entscheidungen helfen - allerdings haben die meisten von uns Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Grafiken und Simulationen machen mögliche Ergebnisse sichtbar und Risiken erfahrbar. Dadurch werden sie zu einer wertvollen Entscheidungshilfe.

Service

Literatur
Dawn Griffiths: Statistik von Kopf bis Fuß, O'Reilly 2009.

Walter Krämer: Statistik verstehen. Eine Gebrauchsanleitung, Piper 2001.

Kontakt
robin.hogarth@upf.edu emre.soyer@ozyegin.edu.tr

Nachdruck
Nummer 201308018, siehe Seite 74 oder www.harvardbusinessmanager.de © 2013 Harvard Business Publishing

Robin Hogarth, Emre Soyer
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