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DIE FEHLER DER US-REGIERUNG

aus Harvard Business manager Edition 4/2011

Als die US-amerikanische Regierung unter Präsident George W. Bush im Oktober 2008 das "Troubled Asset Relief Program" (TARP Hilfsprogramm für notleidende Vermögenswerte) ins Leben rief, erwog sie zunächst, die "toxischen" Papiere der in Schwierigkeiten geratenen Banken im Rahmen von umgekehrten Auktionen aufzukaufen.

UNERWARTETE HÜRDEN

Dabei sollte das Finanzministerium festlegen, welche bestimmten Klassen von Wertpapieren es aufkaufen wollte. Anschließend sollten die Geldinstitute der Regierung diese Klassen von entsprechenden Wertpapieren aus ihrem Besitz zum Kauf anbieten. Bei der Auktion sollten im Sinne des optimalen Einsatzes von US-amerikanischen Steuergeldern die niedrigsten Gebote den Zuschlag erhalten.

ZÄHE VERHANDLUNGEN

Der Plan stieß auf eine Reihe von Problemen. Zum einen gab es mindestens 100 000 verschiedene Arten von Hypothekenpapieren mit unterschiedlichen Laufzeiten, Fälligkeiten und Zinssätzen. Darüber hinaus waren auch regionale Unterschiede sowie das bisherige Zahlungsverhalten und die Kreditwürdigkeit (FICO-Score, benannt nach dem Schöpfer der Bewertungsskala, der Fair Isaac Corporation) der betreffenden Banken zu beachten. Selbst wenn die Washingtoner Regierung bei jeder Auktion nur die wichtigsten elementaren Kriterien festgelegt hätte, wäre es sehr schwierig gewesen, einen sinnvollen Mittelweg zwischen präzisen Angaben und einer vernünftigen Zahl von Bietern zu finden. Unter anderem aus diesem Grund wurde der Plan gut vier Wochen nach der Einführung des TARP verworfen.

ALTERNATIVEN PRÜFEN

Im Lauf der folgenden neun Monate zahlten mehrere Kreditinstitute ihre TARP-Mittel zurück. Damit waren sie berechtigt, die Garantien, die sie der Regierung im Gegenzug zu den staatlichen Finanzspritzen hatten ausstellen müssen, zu einem "fairen Marktpreis" zurückzukaufen. Nunmehr stellte sich die Frage, wie angesichts der Tatsache, dass für die Garantien überhaupt kein Markt existierte, ein fairer Marktwert ermittelt werden sollte. Goldman Sachs, Morgan Stanley und andere Banken verhandelten folglich direkt mit dem Finanzministerium. Dies schürte wiederum in der Öffentlichkeit Misstrauen. Das Publikum befürchtete, auf dem Rücken der Steuerzahler würden dubiose Absprachen getroffen. Jamie Dimon, der CEO von J. P Morgan Chase, trat der Kritik entgegen und ersuchte das Finanzministerium, es möge die TARP-Garantien der Bank versteigern lassen. Anders als die toxischen Papiere waren die Garantiescheine von J. P Morgan Chase vollkommen gleichartig und somit für eine Auktion geeignet. Mehr noch: Durch eine transparente Auktion hätten sich auch Bedenken in Bezug auf mögliche Kungelrunden ausräumen lassen.

Folglich schlug die US-Regierung im Oktober 2008 Auktionen vor, die den fraglichen Objekten nicht angemessen waren, während sie im Jahr 2009 Verhandlungen führte, obwohl in diesem Fall eine Auktion durchaus sinnvoll gewesen wäre. Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, die alternativen Wege zur Herbeiführung eines Geschäftsabschlusses sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

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