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Marketing Der neue Konsum

Immer mehr Menschen wollen Produkte lieber mit anderen teilen, statt sie allein zu besitzen. Das Internet hilft, diese Verbraucher zusammenzubringen. Manager sollten den Trend im Auge behalten und entsprechende Angebote entwickeln. Von Rachel Botsman und Roo Rogers
Von Rachel Botsman und Roo Rogers
aus Harvard Business manager 3/2011

Die Online-Videothek Netflix und der Carsharing-Anbieter Zipcar sind mehr als zehn Jahre alt. Beide sind heute etablierte Unternehmen - und Vorbilder für eine Wirtschaftsform und eine kulturelle Haltung, die wir "gemeinsamer Konsum" nennen (auf Englisch: collaborative consumption). Wir verstehen darunter ein System des Teilens, Tauschens, Leihens, Handelns, Vermietens und Schenkens. Gemeinsamer Konsum verbindet den Vorteil, etwas zu besitzen, mit niedrigen Kosten und einer geringeren Belastung der Umwelt. Wir haben Tausende von Beispielen in drei Bereichen zusammengefasst:

Produkte als Service

Hier geht es darum, Dinge nicht zu verkaufen, sondern als Dienstleistung anzubieten. Produkte, die jemand privat besitzt, teilt er mit anderen oder vermietet sie. Dieses Prinzip spricht eine wachsende Zahl von Menschen an, für die Benutzen wichtiger ist als Besitzen. Sie wollen die Vorteile eines Produkts genießen, ohne Eigentum zu erwerben.

Umverteilung per Internet

Gebrauchte Dinge wandern von jemandem, der sie nicht mehr nutzt, zu jemandem, der sie benötigt. In einigen Fällen sind die Produkte kostenlos wie bei den Internetplattformen Freecycle und Kashless (mittlerweile eingestellt - Anm. d. Red.); bei anderen werden Dinge getauscht, wie Kinderkleidung bei ThredUP und Bücher, CDs, DVDs sowie Computerspiele bei Swap. Und über Börsen wie Ebay und Craigslist, eine Kleinanzeigenplattform, verkaufen Konsumenten Gebrauchtes.

Teilen als Lebensstil

Bei dieser Konsumform schließen sich Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen und Interessen zusammen, um Zeit, Raum und Fähigkeiten, aber auch Geld zu teilen oder zu tauschen. Dies findet meist auf lokaler oder nachbarschaftlicher Ebene statt, etwa wenn Menschen Arbeitsräume gemeinsam nutzen (beispielsweise bei Bürogemeinschaften wie Citizen Space oder Hub Culture, einem virtuellen Netzwerk mit Niederlassungen in Metropolen weltweit), Gärten (wie SharedEarth in den USA und Landshare in Großbritannien) oder Parkplätze (ParkatmyHouse). Doch es gibt diesen Lebensstil auch auf globaler Ebene, bei (Mikro-)Krediten unter Privatleuten über Plattformen wie Zopa und Lending Club oder bei der Vermittlung von Urlaubsunterkünften (Airbnb, Roomorama).

Gemeinsamer Konsum ist kein Randgruppenphänomen und auch keine Reaktion auf die Wirtschaftskrise. Es ist ein mächtiger sozioökonomischer Trend, der Manager dazu bringen wird, über die Bedürfnisse der Kunden und die Nutzenversprechen ihrer Unternehmen nachzudenken.

Service

Literatur

Rachel Botsman, Roo Rogers: What's Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption, Harper Collins 2010.

Internet

Website der Autoren zum Thema: www.collaborativeconsumption.com

Nachdruck

Nummer 201103012, siehe Seite 116 oder www.harvardbusinessmanager.de © 2010 Harvard Business Publishing

Rachel Botsman

(rachel@rachelbotsman.com) ist Buchautorin und Beraterin rund um das Thema gemeinsamer Konsum. Zuvor war sie Direktorin der William Clinton Foundation.

Roo Rogers

ist Unternehmer und derzeit President des Wagniskapitalgebers Redscout Venture.

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