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Sexuelle Diskriminierung am Arbeitsplatz Der aufhaltsame Aufstieg der Ruth L.

Überall wollen die Frauen heute Karriere machen, aber oft stoßen sie dabei auf altbekannte Barrieren. Immer wieder finden sich Arbeitnehmerinnen wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Viele Frauen werden Tag für Tag zu Opfern mehr oder weniger ernst zu nehmender sexistischer Attacken am Arbeitsplatz. Die Autorin schildert mit großer Anschaulichkeit den Fall der Ruth Linsky. Sie hatte sich für den Posten des Marketingleiters beworben und geglaubt, gute Chancen zu haben. Aber ein männlicher Kollege wurde ihr vorgezogen. Erregt stürmte sie in das Büro der Personalchefin Barbara Smith, um der ihren ganzen Frust vor die Füße zu kippen. Und nachdem Ruth auch noch eine Menge älterer Kränkungen aufgezählt hatte, äußerte sie die bittere Erkenntnis, anscheinend nie eine gleichberechtigte Kollegin unter Kollegen gewesen zu sein. Zu manchen dieser Vorwürfe hatten, so schien es Barbara, wohl tatsächlich männliche Vorurteile den Anlaß geliefert, andere zeugten eher für Vorfälle, bei denen Gedankenlosigkeit oder ganz normales menschliches Verhalten im Spiel waren. Gleich wohl war für Ruth das Faß nun übergelaufen, und entschlossen kündigte sie daher eine Klage wegen Verstoßes gegen die gesetzlichen Gleichbehandlungsgrundsätze an. Die Personalchef in ihrerseits sah sich vor das Problem gestellt, ob und wie eine solche imageschädliche Klage gegen ihr Unternehmen vielleicht doch noch ein vernehmlich abgewendet werden könnte. Wo würde das Gesetz einhaken können? Und der für sie selbst heikelste Punkt von allen: Wurden in der Personalpolitik des Hauses wirklich - und wenn auch nur unbeabsichtigt - die Männer bevorzugt? Woran lag es dann, daß die bestehenden Richtlinien zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht in die Tat umgesetzt wurden?
aus Harvard Business manager 2/1988
Sally Seymour
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