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Reshoring Die Globalisierung verliert ihren Reiz

Lieferkettenprobleme, geopolitische Unsicherheit – für europäische Unternehmen ist es oft nicht mehr attraktiv, im fernen Ausland zu produzieren. Die Frage ist: wo dann?
aus Harvard Business manager 12/2022
Zu Hause ist es doch am schönsten: Europäische Unternehmen wollen näher an ihren Absatzmärkten produzieren.

Zu Hause ist es doch am schönsten: Europäische Unternehmen wollen näher an ihren Absatzmärkten produzieren.

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Karen Moskowitz / Getty Images

Die Zeiten ungebremster Globalisierung scheinen – zumindest für Europa – vorerst vorbei zu sein. Stattdessen plant ein Großteil der international tätigen Unternehmen, ihre Strukturen von Produktion bis Vertrieb stärker in den jeweiligen Absatzmärkten zu bündeln ("local for local"). So gewinnt Europa als Beschaffungs- und Produktionsmarkt in vielen Branchen wieder an Bedeutung, etwa bei der Herstellung von Batteriezellen für den lokalen Absatzmarkt von E-Fahrzeugen.

Das hat eine Studie  der Managementberatung Horváth zu Deglobalisierungstendenzen europäischer Unternehmen ans Licht gebracht. Für die Studie befragten die Forschenden im August 150 Topmanagerinnen und -manager (darunter 100 Deutsche) aus Unternehmen mit mindestens 200 Millionen Euro Jahresumsatz.

Grund für den Kurswechsel sind vor allem die stark wachsende geopolitische Unsicherheit und ein sehr hoher Aufwand für die Einhaltung lokaler regulatorischer Anforderungen und Nachhaltigkeitsvorgaben in ausländischen Märkten. "Die europäische Wirtschaft reagiert mit einer Anpassung ihrer Strukturen", erläutert Helmut Ahr, Vorstandssprecher von Horváth. Vor allem Geschäftsaktivitäten in China  und den USA  stünden dabei auf dem Prüfstand.

Bei der Frage nach Alternativen zu China als Produktionsstandort in Asien zeige sich jedoch keine klare Dominanz eines bestimmten Landes. Am ehesten können nach Meinung der Befragten Indien  und Japan  zu Ersatzstandorten werden, gefolgt von Singapur, Südkorea, Taiwan und Indonesien. "Für eine resiliente Aufstellung ist es ohnehin ratsam, künftig nicht alles auf eine Karte zu setzen und stattdessen eine Diversifikation vorzunehmen", sagt Ahr. Vor einer langfristigen und vollständigen Abkehr von China warnten zudem auch Topökonomen.

Quelle: "Deglobalization Tendencies. Strategies of European Companies to Ensure Resilience", Horváth, August 2022

Ausgabe Dezember 2022

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