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Forum Chancen für den Internen

Zur Fallstudie "Wer ist der beste Bewerber?" von Andreas Krause, September 2011
aus Harvard Business manager 11/2011

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Zwei vielversprechende Kandidaten für die Position des Einkaufsleiters stellen den Vorstandsvorsitzenden eines Elektronikherstellers vor eine schwierige Wahl: Soll er die Schlüsselstelle intern oder extern besetzen?

Natürlich sollte man guten Leuten aus dem eigenen Unternehmen eine Chance geben. Es sprechen aber auch einige Punkte gegen den internen Kandidaten Christoph Matthes: Seine derzeitige Führungskraft traut ihm diese Position nicht zu. Er wird als Mitarbeiter beschrieben, dem Konsens sehr wichtig ist. Unter Umständen hat er nicht genügend Biss, schwierige Entscheidungen durchzusetzen. Matthes hat selbst sehr lange mit seiner Bewerbung gewartet. Das könnte ein Zeichen sein, dass er selbst sich diese Position nicht zutraut.

Vorstand Lothar Sellmann sollte mit Matthes ein zweites Gespräch führen und ihm noch einmal klarmachen, dass er als Leiter Einkauf wesentlich mehr Verantwortung haben wird und es auch mit Situationen zu tun bekommt, die nicht immer im Konsens zu lösen sind. Sollte Matthes diese Stelle trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten übernehmen wollen, sollte Sellmann ihm die Chance geben. Da der bisherige Einkaufsleiter Baum in wenigen Monaten in den Ruhestand geht, gibt es durchaus noch die Möglichkeit eines intensiven Coachings für den internen Kandidaten.

Das Thema der Unzufriedenheit der Mitarbeiter mit Entwicklungschancen im Unternehmen ist mit dieser einen internen Stellenbesetzung aber nicht gelöst, sondern muss trotzdem angegangen werden, um gute Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.

Peggy Ziegler, via HBM Online

Der Fallstudie fehlen wesentliche Informationen, um die Frage kompetent zu entscheiden. Zum Beispiel, ob die 70-prozentige Unzufriedenheit der Mitarbeiter sich bereits in einer höheren Fluktuation bemerkbar macht und ob diese entweder positiv (neue, bessere Mitarbeiter sind womöglich billiger) oder negativ (hohe Einarbeitungskosten, Know-how-Verlust) wirkt.

Über die externe Kandidatin Albrecht wissen wir ebenfalls wenig. Aber bereits ein wichtiger Punkt spricht gegen sie: Ihre Gehaltsvorstellung gilt als leicht überhöht, jedoch nicht verhandelbar. Obwohl sie keinerlei Erfahrung im Einkauf hat. Damit ist sie keine ideale Bewerberin und auch keinen Aufpreis wert. Sie hat jedoch sicherlich Potenzial und würde frischen Wind ins Unternehmen bringen.

Matthes - und auch der Belegschaft - könnte eine Absage mit dem Argument erklärt werden, dass er sich erst beworben hat, als die Stelle bereits vergeben war - er jedoch sonst gern genommen worden wäre. Man hätte sich dann nur fragen lassen müssen, warum man nicht selbst auf ihn zugegangen ist.

Jedoch ist dies gar nicht nötig. Denn ich halte Herrn Matthes für die bessere Wahl. Selbst dann noch, wenn er die gleiche Gehaltsvorstellung wie Albrecht hätte und diese realisieren könnte.

Es mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber es würde auch Zusammenhalt in schlechten Zeiten demonstrieren und die Motivation der Belegschaft verbessern. Außerdem müsste die alte Stelle von Matthes ebenfalls neu besetzt werden, sodass gegebenenfalls noch ein Interner aufsteigen kann. Zwei zum Preis von einem sozusagen.

Mario Liedtke, via HBM Online

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