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Café statt Computer

aus Harvard Business manager 9/2021
Antonia Götsch, Chefredakteurin

Antonia Götsch, Chefredakteurin

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ALEXANDER HAGMANN

Meine ehemalige Kollegin verkauft jetzt Eis, Kaffee und Kuchen. Sie arbeitet die Hälfte ihrer Zeit als Journalistin, die andere Hälfte ist sie Chefin eines kleinen Cafés am See. "Ich kann mir kaum noch vorstellen, jeden Tag am Schreibtisch zu sitzen", sagt sie. Schon nach ihrer Ausbildung wollte Annika nur einen Vertrag über drei Tage die Woche unterschreiben. Ein Kollege sagte damals: "Beim ersten Job gleich Forderungen zu stellen, das hätte ich mich nicht getraut."

Auch ich habe Glaubenssätze im Kopf, die flüstern, warum etwas nicht geht. Auch ich habe mich vor 15 Jahren nicht getraut, eigene Wünsche anzumelden. Stets fleißig, unter persönlichen Entbehrungen die Karriereleiter nach oben zu klettern, hat Generationen beschäftigt. Solche Narrative lassen sich nicht einfach abstreifen. Doch wenn ich mich in den letzten Jahren den Wünschen meiner Teammitglieder geöffnet und Experimenten zugestimmt habe, war das jedes Mal ein Gewinn.

Die Kollegin, die nebenbei kellnerte, war einfach wunderbar im Umgang mit Leserinnen und Kollegen. Der Mitarbeiter, der seinen Aufenthalt in China verlängern wollte, kam motiviert und mit neuen Ideen zurück. In Träumen, Hobbys und Ehrenämtern stecken zudem verborgene Kompetenzen. Sogar die Leidenschaft für Heavy Metal lässt sich mit klassischen Managementaufgaben verbinden, wie Sie im Beitrag von Nico Rose  lesen.

Früher formten Unternehmen Talente zu den Mitarbeitern, die sie brauchten, schreibt meine Kollegin Christina Kestel in unserem Karriereschwerpunkt . Heute ist es andersherum: Die Menschen formen das Unternehmen. Eine gute Entwicklung, finde ich. Viel Spaß bei der Lektüre!

Alles Gute und einen tollen Start ins Berufsleben!

Unsere Kollegin Theresa Müller lassen wir ungern ziehen. Aber sie hat ihr Studium fast beendet und sucht nun nach ihrem ersten Job. Am liebsten möchte sie in der Personalentwicklung arbeiten. Sie wünscht sich einen Job, in dem sie sich weiterentwickeln kann – und Kollegen, von denen sie lernen kann. Und sie will eigene Ideen umsetzen. "Eine klassische Karriere, in der nur der Aufstieg als Erfolg gilt, schwebt mir nicht vor", sagt sie. Erfolg sei für sie, etwas Positives zu bewirken und anderen zu helfen, ihre Stärken zu entdecken und auszubauen. Damit liegt Theresa auf einer Linie mit den Managern und Managerinnen, die wir für unseren Schwerpunkt befragt haben. Wir vom HBm sind sicher: Du wirst deine Karriere so gestalten können, wie sie deinen Vorstellungen entspricht, Theresa!

Dieser Artikel erschien in der September-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

Ausgabe September 2021

Aufstieg um jeden Preis?

Karriere: Ein Blick in die Zukunft, die bereits begonnen hat.

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