Zur Ausgabe
Artikel 5 / 19
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Teams Bindung macht blind

Outdoor-Aktivitäten und ähnliche Veranstaltungen sollen Gruppen enger zusammenschweißen. Doch Vorsicht: Zu enge Freundschaften innerhalb eines Teams können dessen Leistung verschlechtern.
aus Harvard Business manager 5/2005

Gemeinsam mit meinen Kollegen Hongseok Oh von der Yonsei University und Myung-Ho Chung von der Hansung University habe ich kürzlich 60 Teams aus elf unterschiedlichen Branchen näher untersucht.

In den effizientesten Teams stand sich etwa die Hälfte der Teammitglieder so nahe, dass wir sie als Freunde bezeichnen konnten. Bei den Teams, in denen die Quote der Freundschaften nahe 100 Prozent lag, war hingegen ein dramatischer Leistungsabfall zu verzeichnen. Diese Gruppen sind weniger effizient, weil sie isoliert, unzugänglich für Einflüsse von außen und auf eine ungesunde Weise eigenständig sind.

Manchmal können diese Probleme gemeinsam bewältigt werden oder indem die Gruppe ein Teammitglied bestimmt, das die Rolle des Advocatus Diaboli übernimmt. Wenn jedoch sehr enge Bindungen bestehen, sind auch diese Maßnahmen nicht geeignet, unterschiedliche Perspektiven zu fördern.

Die Freundschaften, von denen Teams am meisten profitieren, sind solche außerhalb der Gruppe.

Beziehungen, die innerhalb des Unternehmens zu Kollegen aus anderen Geschäftsbereichen gepflegt werden, sind wichtig, um die für einen reibungslosen Arbeitsablauf notwendigen Informationen auszutauschen.

Noch bedeutsamer aber sind Verbindungen, die sich auch auf das private soziale Umfeld erstrecken - auf Mittag- und Abendessen und den Drink nach Feierabend. Dies sind besonders fruchtbare Quellen sozialen Kapitals.

Teammitglieder, die derartige soziale Kontakte pflegen, vor allem zu Spitzenmanagern und zu Leitern anderer Teams, bringen auf diese Weise strategische Informationen, aufgabenbezogene Ratschläge, politische und soziale Unterstützung in ihre Gruppe hinein.

Spitzenmanager können von ihren Angestellten nicht verlangen, sich mit Kollegen aus anderen Geschäftsbereichen anzufreunden, aber sie können solche Verbindungen fördern.

Teamleiter sollten wissen, dass der Aufbau eines breiten sozialen Netzwerks Teil ihrer Aufgabe ist. Manager sollten Gelder für bereichsübergreifende soziale Aktivitäten bereitstellen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich bei gemeinsamen Hobbys oder Aktivitäten anzufreunden.

Bei der Zusammenstellung von Teams sollten Gruppenleiter nicht nur berücksichtigen, was potenzielle Mitglieder wissen, sondern auch, welche Personen sie kennen.

Und Mentorenprogramme sollten zum Ziel haben, dass Neulinge von langjährigen Mitarbeitern aus anderen Abteilungen unter die Fittiche genommen werden und nicht von jenen Kollegen, mit denen sie Tag für Tag zusammenarbeiten.

Meine Kollegen und ich haben nichts gegen gemeinsame Outdoor-Veranstaltungen einzuwenden. Aber anstatt die Wildnis draußen zu bezwingen, täten Teams oft besser daran, auszuziehen, um die entlegenen Ecken ihrer eigenen Organisation zu erkunden. n

Joe Labianca
Zur Ausgabe
Artikel 5 / 19
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.