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Beseeltes Kompendium

aus Harvard Business manager 1/2003

Über unpassend marktschreierische Titel von Managementbüchern, wie den Vorliegenden, wurde an dieser Stelle schon gelegentlich geklagt. Aber letztlich geht es ja stets um die Inhalte, und am unglücklich gewählten Titel trägt der Autor meistens keine Schuld. In Deutschland werden selten Führungsbücher geschrieben, die für den Manager unterhaltsam zu lesen und gut verdaulich sind. Die meisten sind in irgendeiner Form lehrbuchhaft, wissenschaftlich gegliedert und daher vielfach mühsam zu konsumieren. In den USA dagegen wird Führungslehre selten systematisch betrieben, sondern hat eher Unterhaltungscharakter. In der Regel besteht sie aus mehr oder weniger tiefgründigen Weisheiten, die auf den persönlichen Erfahrungen erwiesenermaßen erfolgreicher Manager beruhen. Der Autor dieses Buches, Steven B. Sample, Präsident der University of Southern California, wird im Vorwort von dem bekannten "Managementguru" Warren Bennis als außergewöhnliche Führungspersönlichkeit gelobt. Für hiesige Verhältnisse gilt der Präsident einer Universität zwar nicht gerade als prototypische Führungskraft, doch in den Vereinigten Staaten sind die großen wissenschaftlichen Institute oft riesige Wirtschaftsunternehmen und werden auch wie solche geführt. Den Präsidenten der erfolgreichsten Universitäten gilt dementsprechend durchaus ähnlicher Respekt wie den Bossen der großen Konzerne. Tatsächlich hat Sample mit einer Reihe von ungewöhnlichen Ansichten und Empfehlungen zum Thema Führen aufzuwarten. Diese können dem Leser nur ans Herz gelegt werden.

Die meisten sind pragmatisch, manche hochgradig philosophisch. Einige Führungsdevisen sind ganz gezielt gegen den Zeitgeist gerichtet ("Treffen Sie niemals heute eine Entscheidung, die Sie ebenso gut auch morgen treffen könnten."), mit anderen wiederum scheut sich der Autor nicht, ganz schlichten und bekannten Wahrheiten Nachdruck zu verleihen. Ein Führungskompendium, das so unbeschwert, fast schon rührend selbstbewusst und beseelt daherkommt, das kann wohl nur ein Amerikaner schreiben - im positiven wie im negativen Sinn. So ist es einerseits - ganz in angelsächsischer Tradition - eingängig und vergnüglich zu lesen. Auf der anderen Seite werden freilich so manche altbekannten Ratschläge ("Delegieren Sie Entscheidungen an ausgewählte Stellvertreter.") mit großen Worten als revolutionäre Führungsweisheiten verkauft. Und gelegentlich will auch ein hanebüchenes Westernklischee mit Humor ertragen werden: "Ein Mann muss sein Pferd immer selbst erschießen. Das ist er dem Pferd schuldig."

Cornelia Hegele-Raih

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Sample, Steven B.

Führen Sie, wie Sie wollen

Redline Wirtschaft, München 2002, 256 Seiten, 24,90 Euro

© 2003 Harvard Businessmanager

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