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Außerordentlich anregend

Die St. Gallener Wissenschaftler Heike Bruch und Bernd Vogel erklären, wie man Energie in Organisationen erzeugen und messen kann.
aus Harvard Business manager 7/2005

Es gibt ihn, jenen kaum fassbaren Zustand in Unternehmen, der dennoch fast physisch spürbar ist für jeden, der mit ihm zu tun hat - die Energie, die in Organisationen steckt. Heike Bruch, Professorin und Direktorin des Instituts für Führungs- und Personalmanagement an der Universität St. Gallen, und Bernd Vogel, Projektleiter am dortigen Institut, haben sich daran gemacht, diesen Zustand genau zu analysieren. Das mehrjährige Forschungsprojekt namens "Organizational Energy Program" basiert auf Untersuchungen, die Heike Bruch in einem früheren Projekt gemeinsam mit dem 2004 verstorbenen Professor Sumantra Ghoshal von der London Business School bei der Lufthansa durchführte. Die Autoren versuchen in ihrem Buch, typische Energiezustände zu beschreiben und Wege, wie Unternehmen ihre Energie messen, nutzen und weiterentwickeln können.

Organisationen mit einem hohen Maß an Energie sind in der Lage, Ziele erheblich schneller und besser zu erreichen als andere Unternehmen. Außerdem sind sie eher in der Lage, Krisen zu bewältigen.

Bruch und Vogel identifizieren vier typische Energiezustände. Der erste ist die "angenehme Trägheit", die man auch mit Selbstzufriedenheit umschreiben könnte. In Unternehmen, in denen "resignative Trägheit" herrscht, sind die Mitarbeiter lethargisch und demotiviert. Der dritte Zustand, die "korrosive Energie", entsteht durch negative Emotionen und ist gekennzeichnet durch einen mitunter raschen Verfall der Werte und der Unternehmenskultur, in dessen Folge eine wirtschaftliche Schieflage entsteht.

Der im Grunde einzige erfolgreiche Zustand ist der vierte: Die Firma verfügt über "produktive Energie". Das Unternehmen hat dabei ein hohes Maß an Organisationskompetenz und ist in der Lage, die Anforderungen der Umwelt zu erfüllen und hoch gesteckte Ziele zu erreichen.

Was nötig ist, um diesen erstrebenswerten Zustand herbeizuführen, ist zumindest nicht ganz unbekannt: Mobilisierung von Energie durch Bedrohungen, durch Zukunftschancen (mit anderen Worten: eine Vision), durch die Fokussierung von organisationaler Energie, das Vermeiden destruktiver Energie oder negativer Emotionen und so fort.

Das Buch dürfte für Unternehmensführer außerordentlich anregend sein und liest sich trotz mitunter umständlicher Formulierungen und wissenschaftsüblicher Struktur (vierstufige Gliederung!) erfreulich. Dies ist vor allem den interessanten Beispielen zu verdanken, wobei das Beispiel der erfolgreichen Krisenbewältigung bei der Lufthansa etwas Übergewicht hat.

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