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Außenansichten

aus Harvard Business manager 2/2002

Vom Systemtheoretiker Jay W. Forrester stammt das Wort, der Mensch sei nicht dazu begabt, komplexe Systeme zu verstehen. Zum Glück gibt es Dinge, die vielleicht niemand bis ins Letzte zu verstehen braucht - zum Beispiel die Systemtheorie. Aber leider ist es schon so: Etwas zu begreifen, das unseren alltäg-lichen Horizont überschreitet, ob eine Struktur, einen Ablauf oder ein Gedankengebäude, scheint tatsächlich schwerer zu fallen, als wir selbst glauben mögen. Bei anderen ist der mangelnde Blick für das Ganze merkwürdigerweise immer viel offensichtlicher. Dies gilt auch für die hier nicht zum ersten Mal erhobene Forderung, Manager müssten über den Tellerrand blicken, um zu mehr Kooperation und Effizienz zu finden.

Kluge Führungskräfte waren freilich schon immer in der Lage, das eigene Unternehmen aus einiger Distanz zu betrachten. Reengineering-Papst Michael Hammer zufolge muss grenzüberschreitendes Denken zu einer Daueraufgabe werden (siehe Seite 40). Vor allem die Mauern zwischen den Unternehmen einzureißen verschaffe ungeahnte Vorteile. Soweit intern bereits alle Abläufe optimiert seien, gelte es in Zukunft, ein noch bedeutenderes wirtschaftliches Potenzial zu erschließen, indem unternehmensübergreifend zusammengehörige Wertschöpfungsprozesse aufeinander abgestimmt werden. Firmen müssen nicht einfach nur gut zusammenarbeiten im Sinne des vermeintlichen Eigeninteresses. Nötig ist eine kooperative Kultur auf beiden Seiten, und es braucht eine exzellente Führung. Denn stellen sich nicht schon früh Erfolge ein, werden solche losen Verbindungen leicht brüchig. Hammer zeigt in seinem Beitrag, welche enormen Vorteile sich mit firmenübergreifenden Geschäftsprozessen realisieren lassen.

Außerdem geht es in diesem Heft um den zukünftigen Erfolg im Marketing. Der eine Autor fordert mehr Einfluss für die Marketer, um das Unternehmen besser am Kunden ausrichten zu können (siehe von der Oelsnitz, Seite 54). Der andere entwickelt dagegen die provokante These: Die Kundenorientierung sei zu weit getrieben worden, und es sei die Zeit gekommen für Marketing nach "guter alter Manier" - vom Kunden nicht verlangt, übertrieben und mit ein wenig Trickserei (siehe Brown, Seite 64).

Cornelia Hegele

© 2002 Harvard Businessmanager

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