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Forum Ausgrenzungsspiel

Change-Management / Selbstführung (HBm Juni 2008)
aus Harvard Business manager 8/2008

Leader = Führer, keine Publikation traut sich bisher, dieses deutsche Wort für fähige Führungskräfte zu verwenden.

Wir wissen alle, warum. Weil Adolf Hitler sich Führer nennen ließ und das deutsche Volk, fanatisch und verblendet, wie es war, ihm folgte. In Wirklichkeit war er ein Massenmörder, Kriegsstifter und Demagoge. Es war geschickt von ihm, sich Führer zu nennen; das diskreditiert den Begriff aber nicht.

Führer hat es immer gegeben. Und es gibt keinen Grund, aus totaler Verklemmtheit einen Bill Gates, Steve Jobs oder Jürgen Klinsmann nicht als erfolgreichen Führer zu bezeichnen. Sprache schafft Bewusstsein! Ein Leader gehört nicht zu uns, ein Führer schon; genau dieses Ausgrenzungsspiel haben Beckenbauer und die Presse mit dem vermeintlichen Amerikaner Klinsmann, seiner amerikanischen Frau, seinem amerikanischen Wohnsitz, seinem amerikanischen Mitarbeiter und so weiter gespielt. "Er gehört nicht zu uns!", lautete die Botschaft.

Ähnlich wie dem Begriff "Führer" erging es der "Leistung", die nur noch "Performance" genannt wird. Es ist Ihr Verdienst, dass Sie sein begriff-liches Umfeld eindeutschten: Höchstleister statt Top-Performer; Höchstleistung statt Top-Performance; Spitzenleistung statt Peak Performance; leistungsstark statt high Performance; Spitzenleistung statt Excellence.

Wir können es uns nicht performen, ähm, ich wollte sagen leisten, auf unsere deutsche Sprache zu verzichten. In diesem Sinne wünsche ich uns Deutschen möglichst wenige Versprecher und Ihnen weiterhin einen aufrechten Gang durch die Presselandschaft.

Dr. Yann Seyrer, per E-Mail

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