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Arbeitszeit Mehr Umsatz und Produktivität durch Viertagewoche

Unternehmen in mehreren Ländern haben in einem großen Pilotprojekt ihren Beschäftigten einen Tag pro Woche freigegeben. Die Ergebnisse sind überwältigend positiv: Fast niemand will zurück zum alten Modell – auch nicht die Arbeitgeber.
aus Harvard Business manager 2/2023
Mehr Freizeit, gleiches Gehalt: Ein Großexperiment liefert den Befürwortern der Viertagewoche neue Argumente

Mehr Freizeit, gleiches Gehalt: Ein Großexperiment liefert den Befürwortern der Viertagewoche neue Argumente

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grinvalds / iStockphoto / Getty Images

Es ist ein einzigartiges Experiment in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Im Februar 2022 startete die Non-Profit-Initiative 4 Day Week Global  ein internationales Pilotprojekt. Ihr Ziel: Herauszufinden, welche Auswirkungen die Einführung einer Viertagewoche auf Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Klimaschutz hat. Dabei erklärten sich in den ersten beiden Studienphasen 33 Unternehmen und knapp 1000 Angestellte aus den USA, Australien, Irland, Großbritannien, Neuseeland und Kanada bereit, sechs Monate lang die Viertagewoche (32 Stunden/Woche) ohne Einkommensverlust auszuprobieren.

Nun liegen die ersten Ergebnisse vor – und sie fallen überwältigend positiv aus: Umsätze und Produktivität sind deutlich gewachsen, während die Zahl der Krankheitstage und die Angstgefühle der Mitarbeitenden sanken. Sie empfanden weniger Stress, litten seltener unter Burn-out und berichteten von größerer Lebensfreude. Zudem profitierte die Umwelt von den reduzierten Fahrten zur Arbeit.

Die beteiligten Unternehmen und Angestellten sind mit dem Pilotprojekt so zufrieden, dass fast alle die Viertagewoche beibehalten möchten. Zwei Drittel der Firmen haben das bereits beschlossen; der Rest plant aktuell den dauerhaften Umstieg. Allerdings beschäftigt die überwiegende Zahl der Studienunternehmen weniger als 50 Mitarbeitende – Konzerne waren nicht involviert.

Dem Experiment vorangestellt war eine zweimonatige Vorbereitungsphase mit Workshops, Coaching und Mentoring. Dies habe sich ausgezahlt, sagt die leitende Wissenschaftlerin Juliet Schor vom Boston College: "Erfreulicherweise berichteten die Probanden nicht von einem Anstieg der Arbeitsintensität. Das deutet darauf hin, dass die Strategie einer Neuorganisation der Arbeit erfolgreich war und die Leistung nicht auf ein erhöhtes Tempo zurückgeht – denn das wäre weder nachhaltig noch wünschenswert."

Die Berechnungen seien ein deutliches Signal an Arbeitgeber, heißt es in der Studie: "Es ist an der Zeit, die fast 100 Jahre alte Tradition der Fünf-Tage- und 40-Stunden-Woche aufzugeben und eine Vier-Tage- und 32-Stunden-Woche einzuführen."

In den kommenden Monaten soll das Pilotprojekt auf weitere Länder ausgedehnt werden, unter anderem Europa und Südafrika.

Quelle: Juliet B. Schor et al.: "The Four Day Week: Assessing Global Trials of Reduced Work Time with No Reduction in Pay", Four Day Week Global, November 2022

Ausgabe Februar 2023

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