Dienstag, 22. Oktober 2019

Wissenstransfer Wie Porsche von Studenten profitiert

2. Teil: Beteiligt in allen Entwicklungsstadien

Obwohl die Praktikanten bei Porsche hauptsächlich in der Grundlagenforschung und -entwicklung arbeiten, werden sie in allen Stadien der Produktentwicklung beteiligt. (Sicherheit und Qualität bleiben größtenteils in den Händen von Porsche-Mitarbeitern und strategischen Zulieferern.)

Peter Lorange ist Präsident der Business School IMD International in Lausanne und Inhaber des dortigen Nestlé-Lehrstuhls für Strategie
Die Studenten werden auch dabei eingebunden, Vermarktungsstrategien für ihre Arbeit zu entwickeln, was in der herkömmlichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten nicht der Fall ist. So helfen manche Praktikanten Porsche beispielsweise dabei, neue Lieferanten für die Technologien zu finden, die sie entwickeln. Oder sie arbeiten an Produktionsverfahren, wobei sie die aktuellsten Forschungsergebnisse ihrer Universitäten mit den praktischen Erfahrungen der Lieferanten verbinden.

Die Praktikumsplätze bei Porsche stehen Studenten aus der ganzen Welt offen, aber die meisten kommen von nahe gelegenen Universitäten, da Porsche verlangt, dass sie vor Ort im Unternehmen arbeiten. Die Arbeit ist zeitintensiv - manchmal bis zu 60 Stunden pro Woche -, und die Studenten werden vollständig in die Tätigkeit der Porsche-Mitarbeiter eingebunden.

 Sigvald Harryson ist Direktor des Programms "Wachstum durch Innovation" an der Baltic Business School der Uni Kalmar in Schweden
Euroforum/ H.-R. Schulz
Sigvald Harryson ist Direktor des Programms "Wachstum durch Innovation" an der Baltic Business School der Uni Kalmar in Schweden
Porsche wählt seine Praktikanten aus den 2000 Studenten, die sich jährlich bewerben, sehr sorgfältig aus. Besonderer Wert wird auf Begeisterungsfähigkeit und Kreativität gelegt sowie auf die strategische Relevanz der Diplomarbeitsthemen für praktische Forschungs- und Entwicklungsprobleme des Unternehmens. Die erste Bewertung der Bewerber erfolgt durch die Personalabteilung, eine zweite durch die Mitarbeiter der Bereiche, in denen die Studenten arbeiten werden.

Indem Porsche externe Fachkompetenz in das Unternehmen holt, sichert sich der Sportwagenhersteller zugleich exzellente Nachwuchskräfte. Das Unternehmen bietet seinen besten Praktikanten - das sind weniger als 10 Prozent - Vollzeitjobs an. Die Möglichkeit, eine dieser begehrten Stellen zu bekommen, motiviert die Studenten.

Diejenigen, denen keine Stelle angeboten wird, werden in das Alumni-Netzwerk eingebunden, das Beratung in Entwicklungs- und Technologiefragen bietet. Die Alumni treffen sich meist mehrmals im Jahr. Manchmal für ein Wochenende auf einem Schloss in Süddeutschland oder in Österreich. Dort genießen die Teilnehmer erstklassiges Essen und erste Probefahrten mit den neuesten Modellen des Unternehmens.

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© Harvard Businessmanager 3/2006
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