Die 20 besten Ideen Fünf Tipps für kritisches Lesen

Bei der Flut an Büchern, Artikeln und selbst ernannten Gurus kann manche Führungskraft den Überblick über relevante Managementideen verlieren. Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen - bis auf diesen Text.

Führungskräfte werden mit guten Ratschlägen überschüttet. Es gibt bereits mehr als 30.000 Fachbücher, und jährlich werden 3500 neue Titel veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es unzählige Artikel, Newsletter und Internetseiten zum Thema Management.

Und natürlich handelt es sich nicht um 3500 gute neue Managementideen - oder wenigstens um alte Managementkonzepte, die es wert wären, auf 300 Seiten erläutert zu werden. Viele dieser Ratschläge sind bestenfalls reine Zeitverschwendung. Schlimmstenfalls verursacht das Befolgen dieser Ratschläge mehr neue Probleme, als es bestehende löst.

Reengineering-Projekte haben eine Misserfolgsquote von 70 Prozent (die Zahl stammt von den Reengineering-Experten Michael Hammer und James Champy). Und welchen Wert haben heute noch die vielen Bücher und Artikel, die Enrons innovatives Geschäftsmodell und seinen Umgang mit den Mitarbeitern priesen?

Auch Unternehmensberater können dazu beitragen, dass sich die Situation verschlechtert. Blake Nordstrom, Geschäftsführer der gleichnamigen Kaufhauskette, erzählte mir, sein Vorgänger habe jährlich ungefähr 60 Millionen Dollar für knapp 50 Unternehmensberater und Beratungsfirmen ausgegeben.

Das Unternehmensergebnis verschlechterte sich jedoch weiter. Die Situation verschlimmerte sich, da widersprüchliche Konzepte das Unternehmen lahm legten.

Das Management der Kaufhauskette schaffte die Kehrtwende, als es sich wieder auf Kundenservice und die grundlegenden Prinzipien des Einzelhandels konzentrierte - eine Strategie, zu der das Unternehmen ganz allein (zurück)fand.

Was kann eine arme Führungskraft also tun? Hier ein paar einfache, dem gesunden Menschenverstand entsprechende Richtlinien, wie Sie gute Managementkonzepte von schlechten unterscheiden können:

Hüten Sie sich vor allem "Neuen"

Hüten Sie sich vor allem, was als "neu" angepriesen wird

In Medizin und Physik basieren Entdeckungen und die Anerkennung ihrer geistigen Väter ausnahmslos auf der Arbeit anderer. Innovation bedeutet laut der Produktentwicklungsabteilung des amerikanischen Innovationsdienstleisters Ideo, vorhandene Ideen auf neue Art und Weise zu verknüpfen oder neue Anwendungsgebiete für vorhandene Technologien zu finden (Viagra war ursprünglich ein Medikament gegen Bluthochdruck).

Anstatt nach "Neuem" zu suchen, sollten sie lieber auf das achten, was "richtig" ist.

Die Ford Motor Company schlug sich mit profanen Details eines umfassenden Qualitätsmanagements herum, experimentierte mit IT-Innovationen und dem Internet und verlor dabei die Entwicklung und Produktion von hochwertigen Autos aus den Augen.

Unterdessen konzentrierte sich Toyota darauf, bereits bestehende Abläufe immer weiter zu verbessern. Die aktuellen Gewinne von Toyota  sind höher als die von Ford  und General Motors  zusammen.

Skepsis bei anekdotischen Beweisen

Seien Sie skeptisch gegenüber anekdotischen Beweisen

Geschichten helfen, Ideen zu veranschaulichen und sie in die Realität einzubetten, aber eine farbenfrohe Ausschmückung kann schwarz auf weiß vorliegende Beweise, ob eine Methode tatsächlich funktioniert, überdecken.

Die McKinsey-Studie "The War for Talent" von 1997 zum Beispiel war voll von fesselnden Geschichten. Aber die Managementmethoden, die angeblich für die Finanzleistung des Unternehmens verantwortlich waren, wurden erst erfasst, nachdem die Leistung selbst bewertet worden war. Eine zeitliche Reihenfolge (Ursache vor Wirkung) ist jedoch eine notwendige, wenn auch unzureichende Bedingung, um festzulegen, dass eine Sache eine andere zur Folge hat.

Außerdem wird in Geschichten gern das entscheidende Detail zu Gunsten eines lebendigen Erzählstils geopfert. Aber gerade die Dinge, die zu schwer zu erklären sind, zeigen - jedenfalls manchem Leser - einen Sachverhalt oft in einem ganz anderen Licht.

Aufgepasst bei Halbwahrheiten

Seien Sie auf der Hut vor Halbwahrheiten

Darunter verstehen mein Kollege Bob Sutton und ich Ideen, die teilweise oder manchmal richtig sind, demnach aber eben auch teilweise oder manchmal falsch.

In diese Kategorie fallen viele Ideen, so auch die der Wichtigkeit finanzieller Leistungsanreize und die Ansicht, Arbeit unterscheide sich so sehr vom Rest des Lebens, dass Menschen in ihrem Beruf gar nicht sie selbst sein können.

Ein Ratschlag ist wahrscheinlich dann gut, wenn seine Schwachstellen sichtbar sind und Alternativen angeboten werden. Ein Risiko mag es wert und ein Managementansatz mag hilfreich sein, aber um entscheiden zu können, müssen Sie die ganze Geschichte kennen.

Meiden Sie die falschen Gurus

Meiden Sie selbst ernannte Gurus

Wer auch immer als Erster die Bezeichnung "Guru" für Managementdenker verwendete, er meinte es vermutlich gut: Das Wort stammt aus der indischen Sprache Sanskrit und bedeutet schlicht "ehrwürdiger Lehrer".

Aber im Laufe der Jahre wurde diese Bezeichnung immer häufiger mit Bestsellern und astronomisch hohen Rednergagen in Verbindung gebracht anstatt mit kreativem Denken und seriöser Forschung.

Kognitive Befangenheit erkennen

Erkennen Sie kognitive Befangenheit

Damit meine ich nicht die Art von Vorlieben, die in der verhaltens- psychologischen Entscheidungstheorie beschrieben werden, sondern noch tückischere. Dazu zählt der Wunsch, lieber gute Nachrichten zu hören (und zu überbringen), und die Neigung, Ideen und Menschen zu bevorzugen, die mit uns einer Meinung sind.

Beide Neigungen spielen eine Rolle, wenn wir mit Beratern zusammenarbeiten. Charlie Bresler vom amerikanischen Herrenausstatter Men's Wearhouse betont deshalb, dass Menschen am meisten von konstruktiver Kritik profitieren, die ihnen tatsächlich zeigt, wie sie etwas besser machen können.

Der beste Managementratschlag muss nicht zwingend weh tun. Aber wie es bei Diäten so schön heißt: Wenn es nicht wenigstens ein bisschen unangenehm ist, dürfte die Wirkung gering bleiben.

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