Donnerstag, 21. November 2019

Fehlerkultur Kurswechsel ohne schlechtes Gewissen

3. Teil: Meinungsänderung ist keine Sünde

Im vergangenen Herbst wurde Scott McNealy, dem CEO von Sun Microsystems Börsen-Chart zeigen, von mehreren Seiten Flatterhaftigkeit vorgeworfen, weil er in einer Grundsatzrede zunächst proklamierte hatte, Sun würde Linux unterstützen, und dann zwei Tage später bei einer Pressekonferenz von sich gegeben hatte, das Betriebssystem sei eher für Computerfreaks als für Unternehmen geeignet.

Da Führungskräfte immer die Möglichkeit haben müssen, ihre Entscheidung zu überdenken, sollten sie im Voraus den Boden für einen eventuellen Widerruf bereiten. Das heißt, sie müssen sich ein Polster an Glaubwürdigkeit schaffen.

Und es bedeutet auch, den Mitarbeitern, Aktionären und Kunden deutlich zu verstehen zu geben, dass die Unternehmensführung sich nicht scheut, ihre Meinung zu ändern - sofern es im Interesse der Beteiligten ist.

Menschen in leitenden Positionen - und die Öffentlichkeit - müssen einsehen, dass es kein Zeichen von Führungsschwäche ist, eine Ansicht zu revidieren. Stattdessen wird damit Lernfähigkeit signalisiert.

George Bush senior wurde einmal vom früheren Senator George McGovern dafür gelobt, seine Haltung zur staatlichen Krankenversicherung radikal geändert zu haben.

Als junger Kongressabgeordneter hatte sich Bush ursprünglich gegen diese ausgesprochen. "Es ist keine Sünde, seine Meinung zu ändern", so McGovern über diesen Sinneswandel. "Sie zeigen auf diese Weise nur, dass Sie heute klüger sind als gestern."

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© Harvard Businessmanager 2/2005
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