Zweischneidige Rohstoffrente Kanadas Industrie ächzt unter der Rohstoff-Hausse

Kanadas Industrie trabt der in innovativeren Staaten oft müde hinterher. Jetzt debattiert Kanada erregt, ob ausgerechnet der eigene Rohstoffsegen das Land träge macht. Ein Überblick über die zweischneidigen Folgen der kanadischen Rohstoff-Hausse.
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Getrübte Bilanz: Kanadas Industrie trabt der in innovativeren Staaten oft müde hinterher. Jetzt debattiert Kanada erregt, ob ausgerechnet der eigene Rohstoffsegen das Land träge macht. Ein Überblick über die zweischneidigen Folgen der kanadischen Rohstoff-Hausse.

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Bedeutungsverlust: Obwohl Kanada (im Bild: Totonto) reich mit Rohstoffen gesegnet ist, konnte es vom Boom in den großen Schwellenmärkten China und Indien nur wenig profitieren. Im vergangenen Jahrzehnt gingen 500.000 Industriejobs verloren. Das war jeder fünfte Arbeitsplatz. Der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt sank seit den 60er Jahren von einstmals 24 Prozent auf heute 13 Prozent.

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Hoher Warenumschlag: Seit 1998 stieg der Anteil der Rohstoffe an Kanadas Exporten auf 26 Prozent, von ehemals 9 Prozent. Der Rohstoffanteil an Kanadas Ausfuhren (im Bild: Hafen Vancouver) hat mit 119 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr den höchsten Wert in vier Jahrzehnten erreicht. Genau spiegelbildlich entwickelt sich die übrige Industrie Kanadas: Der Exportanteil der Industrie sank seit 1998 von der Hälfte auf ein Drittel. Und während mit Rohstoffen ein Handelsüberschuss von 73 Milliarden Dollar erzielt wird, registriert das verarbeitende Gewerbe ein Defizit in Höhe von 100 Milliarden kanadischer Dollar.

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Gewendete Lage: Genau spiegelbildlich entwickelt sich die übrige Industrie Kanadas: Der Exportanteil der Industrie sank seit 1998 von der Hälfte auf ein Drittel. Und während mit Rohstoffen ein Handelsüberschuss von 73 Milliarden Dollar erzielt wird, registriert das verarbeitende Gewerbe ein Defizit in Höhe von 100 Milliarden kanadischer Dollar.

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Furcht vor Aufwertung: Nicht überall im Land löst der Rohstoffboom dann auch Euphorie und Expansionsgelüste aus. In den industrielastigen Provinzen Ontario und Quebec hat er durch die Aufwertung des rohstoffabhängigen Kanada-Dollars die Exporte verteuert und viele Arbeitsplätze gekostet.

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Neue Anfälligkeit: "Wir müssen unbedingt darüber diskutieren, wie diese holländische Krankheit unseren Lebensstandard verändert", verlangt unter anderem der Abgeordnete John Rafferty von der Neuen Demokratischen Partei (NDP).

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Turbo für die Währung: Think Tanks wie das Institute for Research in Public Policy und Experten der kanadischen Regierung von Stephen Harper (im Bild) veranschlagen den Anteil des Rohstoffbooms an der satten Aufwertung des Kanada-Dollars von 0,63 US-Cent auf Parität in nur wenigen Jahren mit 25 bis 40 Prozent. Genug, um aus der Zahl ein Politikum zu machen.

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Rückschlag für die Industrie: Der Chef der oppositionellen NDP im Parlament, Tom Mulcair (im Bild), macht Kanadas Ölsande für die schmerzhafte Aushöhlung der Industrie verantwortlich. Das ist ein kaum verdeckter Angriff auf den neuen wirtschaftlichen Motor Kanadas, den rohstoffreichen Westen, in dem die regierende konservative Partei von Harper ihre Machtbasis hat.

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Neue Ölbarone: Kanadas Premier Harper kündigte 2006, ein halbes Jahr nach seinem Regierungsantritt, bei einer Rede vor der kanadisch-britischen Handelskammer in London vollmundig an, Kanada steige zu einer "globalen Energiegroßmacht" auf. Das Land sei die Nummer drei bei der Gasproduktion und belege Rang sieben der führenden Ölförderer. "Und das ist nur der Anfang."

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Höhenflug: Eine ähnlich hohe Selbsteinschätzung macht sich dank des globalen Rohstoffbooms auch in anderen wichtigen Lieferländern breit. Auch Australiens Finanzminister Wayne Swan (im Bild) sieht den fünften Kontinent "in einer eigenen Liga" spielen.

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Basis für Jahrhunderte: Australien verfügt über die weltweit größten Vorkommen von Blei, Unranerz, Silber und Zink. Bei Kohle, Kobalt, Kupfer, Diamanten und Gold rangiert das Land "Down Under" unter den sechs führenden Lieferanten. Die Gasreserven reichen für 200 Jahre.

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Exportschlager Rohstoffe: Der Bergbau steuert 7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, aber 65 Prozent zu den Exporten. Doch auch in Australien geht der Rohstoffboom zu Lasten der Industrie. Ein Blogeintrag mit der Überschrift "warum Australien nicht kreativ sein kann", wirbelt seit Wochen viel Staub auf.

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