Sportwagen in Kleinserie Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen

Zwei Jahrzehnte lang baute der Autohersteller Wiesmann exklusive Sportwagen in Kleinserie. Mitte 2013 kam die Insolvenz, dann die Pleite. Jetzt soll die Manufaktur wiederauferstehen - mit Geld von britischen Investoren. Andere deutsche Kleinserienhersteller hatten weniger Glück. Ein Überblick über Deutschlands unabhängige Auto-Manufakturen und ihre finanziellen Schwierigkeiten.
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Exklusive Roadster, hergestellt in Handarbeit in Deutschland - das war der Traum der Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann. Das ging zwei Jahrzehnte lang gut, doch 2014 steuerte das Unternehmen in die Pleite. Nun hat die Manufaktur beste Chancen auf eine Wiederbelebung - nach einem Wettbieten zwischen britischen und chinesischen Investoren haben die Gläubiger nun den Briten grünes Licht für ihre Pläne gegeben.

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Die britischen Brüder Sahir und Roheen Berry haben bereits Anfang November Kaufverträge für Wiesmann unterschrieben - die Gläubigerversammlung hat sich nun zum größten Teil für die Briten entschieden. Sie wollen nach Informationen von manager-magazin.de 5,8 Millionen Euro bezahlen.

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Ende November hatte sich die chinesische Sinfonia-Gruppe bei den Wiesmann-Gläubigern gemeldet - sie wollte acht Millionen Euro bezahlen und 30 Millionen Euro investieren. Die Chinesen hätten aber nur Chancen gehabt, wenn die Gläubigerversammlung das Gebot der Berry-Brüder abgelehnt hätten. Das ist nun nicht passiert. Ein Gläubiger widersprach dem Verkauf an die Berry-Brüder allerdings, den Widerspruch muss nun ein Gericht prüfen.

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Lange Jahre galt die Wiesmann-Manufaktur als Vorzeigeunternehmen unter Deutschlands Kleinserienherstellern. 2003 stellte Wiesmann auf dem Genfer Autosalon erstmals ein geschlossenes Coupé, den GT MF4. (im Bild in der Mitte zu sehen). Fünf Jahre später ...

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... brachte Wiesmann den GT MF5 auf den Markt - ein Coupé mit 507 PS und einem Motor, der aus der M-Serie von BMW stammte. Doch unternehmerische Fehlentscheidungen manövrierten Wiesmann ins Abseits - Mitte 2013 musste der Sportwagenhersteller Insolvenz beantragen, Anfang 2014 verwehrten Gläubiger den ersten Neustart-Versuch.

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Wie Wiesmann (im Bild die "Gecko"-Manufaktur des Unternehmens) vor die Wand fuhr, hat manager magazin ausführlich beschrieben (zur Story). Ob die Wiederbelebung klappt, ist noch nicht ausgemacht. Denn mehrere deutsche Kleinstserien-Konkurrenten hatten in den vergangenen Jahren mit kräftigen Finanzproblemen und wechselnden Investoren zu kämpfen.

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Nichts weniger als einen Porsche-Konkurrenten wollte Artega auf die Räder stellen. Gegründet wurde das Unternehmen Ende 2006 von Klaus Dieter Frers, Chef des Elektronikzulieferers Paragon und selbst Hobby-Rennfahrer. Bereits 2007 stellte Artega seinen GT auf dem Genfer Autosalon vor.

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Das schnittige Design des 88.500 Euro teuren Zweisitzers stammt von Henrik Fisker, der den BMW Z8 und einige Sportwagen für Aston Martin entworfen hatte, die Motoren bezog Artega von VW. Als Berater engagierte Frers den früheren BMW-Motorsportchef Karl-Heinz Kalbfell. Artega investierte 15 Millionen Euro in ein Werk im nordrhein-westfälischen Delbrück ...

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... für die laufenden Kosten war aber dann offenbar zu wenig Geld vorhanden. Die Produktion kam laut Insidern immer wieder ins Stocken, weil Teile fehlten. Auch der Einstieg eines mexikanischen Privatinvestors und ein neuer Geschäftsführer halfen nicht. Zwischen 2009 und 2012 stellte Artega 130 Sportwagen her, im August 2012 stellte Artega Insolvenzantrag. Die Paragon AG übernahm das zahlungsunfähige Unternehmen - die Produktion ruht seither. Auf der IAA 2015 stellte Artega den Elektro-Sportwagen Scalo vor - von dem 12 Stück gebaut werden sollen.

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Eigene Rennwagen mit Straßenzulassung zu bauen - das ist das Ziel des in Thüringen ansässigen Sportwagenherstellers Gumpert. Doch auf die Überholspur kam der ehemalige Audi-Motorsportchef Roland Gumpert mit seiner Idee bislang nicht. Nach jahrelangem Tauziehen mit Investoren lief 2005 lief die Produktion des Apollo an, eines brachialen Straßenfegers mit bis zu 780 PS und einem Verkaufspreis von 200.000 Euro. Gumpert stärkte sein Image mit Rekordfahrten, doch finanziell hatte die kleine Manufaktur jahrelang schwer zu kämpfen.

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Mitte 2012 meldete Gumpert Insolvenz an, allerdings fand sich Anfang 2013 ein neuer Investor. Im Juni des vergangenen Jahres musste Gumpert die Produktion jedoch komplett einstellen. Im März 2014 meldete sich Gumpert auf dem Genfer Autosalon mit einem neuen Modell, dem Explosion (im Bild), zurück. Kurz darauf wurde das Unternehmen an einen neuen Investor verkauft, der Unternehmensgründer ging von Bord. Dennoch soll der Explosion unter einem leicht veränderten Namen produziert werden - nicht mehr in Thüringen, sondern in Niederbayern.

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Leichtbau, Flügeltüren, Kleinserie: Mit diesen Vorzeichen versuchten sich Sepp und Peter Melkus an der Wiederbelebung einer DDR-Legende, des auf Basis eines Wartburgs gebauten ostdeutschen Rennwagens Melkus RS 1000. Im Jahr 2006 brachten sie den Melkus RS 2000 in Kleinserie auf den Markt - mit einem Chassis von Lotus und wahlweise Motoren von Toyota oder Audi mit bis zu 400 PS.

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Gerade mal 1000 Kilogram wog der neue Melkus, der wie sein Vorgänger mit Flügeltüren versehen war. Als Billig-Sportwagen ging er mit seinen 115.000 Euro Listenpreis aber nicht durch. Das Aus für den Flitzer kam im August 2012, als das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen musste. Ein baldiger Vertriebserfolg sei mit den geplanten Stückzahlen nicht erreichbar, hieß es damals.

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Doch es gibt auch deutsche Kleinserienhersteller, die sich in der Spur halten. Etwa den Sportwagenhersteller Roding, der nach einer oberpfälzischen Stadt benannt ist. Der mittelständische Autozulieferer Stangl & Co, der sich auf Präzisionsteile spezialisiert hat, gründete 2008 gemeinsam mit vier TU München-Absolventen die Roding Automobile GmbH. Drei Viertel der Roding-Umsätze entfallen auf die Technologiesparte, die sich auf Leichtbauteile für die Automobilindustrie spezialisiert hat.

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Der Sportwagenbau läuft quasi nebenher mit, die Autos dienen laut Aussagen von Roding vor allem als Werbe- und Technologieträger. Etwas mehr als ein Dutzend Sportwagen hat Roding seit 2008 produziert, zum Stückpreis von 190.000 Euro. Die Oberpfälzer arbeiten eng mit BMW und Siemens zusammen. Beim Bau des Autos liefert Roding das Leichtbauchassis und die Endmontage - ein Großteil der restlichen Teile stammt von Zulieferern.

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