Am Ende des Tages Wie Martin Schulz die Wahl doch noch gewinnen kann

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Sicher, das Steuer- und Rentenkonzept der Sozialdemokraten ist ein guter Ansatz, aber wenig spektakulär. Da muss noch deutlich mehr kommen. Martin Schulz hat jetzt reagiert. Mit einem Sechs-Punkte-Programm für mehr soziale Gerechtigkeit auf politischen Feldern, die das Stimmvolk wirklich bewegen. Das wird den SPD-Parteitag am Sonntag rocken, da wird selbst Ozzy Osbourne blass.

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1. Sport: Frührente für den Fußballgott.
Malochervereine wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund bekommen ab der kommenden Saison 4 statt 3 Punkte pro Sieg. Die klerikale Ausgleichsinstanz hat sich nicht bewährt, der Fußballgott geht in den Vorruhestand. Für den Arbeiterclub 1860 München, schon seit längerem im gesellschaftlichen Abseits, wird das Hilfspaket allerdings nicht reichen. In diesem Fall wird über eine Härteklausel nachgedacht (10 Punkte pro Sieg).

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2. Medien: Beihilfen zur Hype-Wiederbelebung?
Der Hype, keine Frage, ist vergänglich, und ungleich verteilt in der deutschen Gesellschaft. Leute mit Bart, Brille und spärlichem Haupthaar sind gemeinhin bevorteilt. Andere hingegen, weibliche Hosenanzugsträgerinnen etwa, müssen weitgehend ohne journalistische Ekstase zurechtkommen. Die Sache bedarf noch einer genaueren Analyse. Zunächst soll eine Hochjubel-Statistik in allen deutschen Medien erhoben werden. Danach darf der Staat ran: Ob Hype-Reanimierungsbeihilfen oder Lobpreisungsbemessungsgrenzen die richtigen Maßnahmen sind, darüber grübeln die SPD-Sozial- und Steuerexperten noch.

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3. Innere Sicherheit und Justiz: mechanische Fußfesseln.
Das egoistische Vordrängeln, an Ticketschaltern, Regionalbahnstationen und Schlussverkaufswühltischen, das stets einer terroristischen Bedrohungslage gleichkommt, soll mit mechanischen Fußfesseln nicht unter 5 Kilogramm bestraft werden. Von den Brexit-Briten könne man sich nicht mehr viel abschauen, findet Schulz, das Schlangestehen mit der Tendenz zur fairen Wartezeitverteilung allerdings schon.

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4. Familie und Pflege: Dauerwelle für alle.
Im Zuge der Geschlechtergerechtigkeit knöpft sich Schulz die Friseurinnung vor. Wie kann es sein, dass Frauen fünf Mal soviel für gestyltes Haar bezahlen wie Männer? Und ungleich öfter derlei Räumlichkeiten aufsuchen? Auch hier dient Großbritannien als – diesmal abschreckendes – Beispiel. Die ehemalige Regierungschefin Margaret Thatcher war allein im Jahr 1984 118-mal beim Friseur, also im Schnitt alle drei Tage. Das haben Unterlagen des britischen Nationalarchivs, ganz ohne Leaks und internationalen Rechercheverbund, ergeben; die Daten wurden einfach so veröffentlicht. Ihr Ehemann Denis soll sich die Haare übrigens zu Hause selbst geschnitten haben. Ein erneuter Beweis, so Schulz, für Exzesse und Genderungerechtigkeit im angelsächsischen Turbo-Kapitalismus. Vorschlag der SPD: Angleichung, und zwar nach oben. Also: Dauerwellen-Pflicht für alle, über Subventionen könne man reden. Für Minipli und Vokuhila gilt Bestandsschutz.

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5. Verkehr: Oberklasse muss warten.
Es wird ja immer weniger gefahren und mehr geschlichen. Das Zähfließende und Stockende mit all seiner sozialen Ungerechtigkeit ist der Normalfall auf baustellenverseuchten deutschen Straßen. Schulz will das Reißverschlussverfahren reformieren, um PS-Abgehängte besonders zu fördern. Kleinwagen und Kompaktklasse haben bei der Verengung Vorrang, die Oberklasse muss solange warten, bis die Baumaßnahme beendet ist. Der Motor darf währenddessen abgestellt werden.

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6. Umwelt: Rettungsschirm für das Pflanzenprekariat.
Die Stadt Hamburg wurde bekanntlich dazu verdonnert, für den Schierlings-Wasserfenchel (im Bild) Ersatzflächen zu schaffen. Sonst wird es nix mit der Elbvertiefung. Das Sumpfgewächs ist vom Aussterben bedroht. Schulz will den so genannten Naturausgleich nun auch für das Pflanzenprekariat (Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen) vorschreiben. Die SPD besitzt auf diesem Feld beachtliches Knowhow. Sie hat ein ähnliches Verfahren schon für bedrohte Generalsekretärinnen erfolgreich angewendet: Eine Frau namens Fahimi wurde als Staatsekretärin ins Bundesarbeitsministerium umgesetzt, ihre Nachfolgerin Barley blüht neuerdings auf als Bundesfamilienministerin.

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