Neue Formensprache dank Elektroantrieb Warum Autodesigner Zagato Elektroautos konventionell gestaltet

Kein Getriebe, kein Motorblock: Elektroautos erlauben Autodesignern eine radikal andere Formensprache. Doch die bisherigen E-Autos sehen äußerlich nicht gerade futuristisch aus. Warum das so ist, verrät der berühmte italienische Autodesigner Andrea Zagato.
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Andrea Zagato kennt die Kniffe des Autodesigns buchstäblich von Kindesbeinen an. Der 55-jährige Italiener leitet das gleichnamige italienische Design- und Entwicklungsbüro in dritter Generation - gemeinsam mit seiner Frau Marella Rivolta-Zagato. Mit Elektroautos ist Zagato seit frühester Jugend an vertraut. Denn er war wohl ...

Foto: Zagato Design
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... einer der allerersten Fahrer eines Elektroautos. "Als ich zehn Jahre alt war, stellte meine Familie die weltweit ersten in Serie gefertigten Elektroautos her," sagt Zagato im Interview mit manager-magazin.de (das komplette Interview lesen Sie hier). Anfang der 1970er-Jahre wurden mehr als 1000 Stück des Elcar Zele gebaut ...

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... das nicht mal zwei Meter lange Elektro-Wägelchen fuhr Zagato Junior damals auf einem abgeriegelten Gelände herum. Doch die italienischen Stromer setzen sich nicht durch. "Zwei Ölschocks waren nicht genug, um die Autobranche davon zu überzeugen", scherzt Zagato heute. Doch nun sei die Situation eine andere.

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"Die jungen Leute von heute wollen keine Umweltverschmutzung und keinen Lärm mehr", meint Zagato. "Die Performance von Autos ist ihnen egal." Elektroautos brauchen keine großen Motoren oder voluminöse Getriebe mehr. Damit ist mehr Platz im Auto. Doch man könne den Autofahrern nicht zu viele Änderungen auf einmal zumuten, meint Zagato (Details dazu hier) ...

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... und künftig werden Autos gemietet statt gekauft. Deshalb werden die Fahrzeuge für eine bestimmten Zweck gestaltet sein, meint Zagato - wie etwa sein Mini-Stadtmobil Volpe, ein Elektro-Zweisitzer, der nur 2,20 Meter lang ist und so in jede kleine Parklücke passt. Auch dieses Fahrzeug sieht vergleichsweise konventionell aus ...

Foto: Zagato Design
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... wie auch Zagatos jüngster Elektroauto-Designauftrag, eine Konzeptlimousine für das chinesische Elektroauto-Startup Thunder Power. "Wenn der ganz andere Antrieb die Neuerung ist, halte ich das Design erst mal so konservativ wie möglich", sagt Zagato über seine Designphilosophie. Man müsse die Käufer erstmal an die Innovation heranführen. "Ich erfreue den Elektroauto-Interessenten mit einer Form, die er bereits kennt".

Foto: Zagato Design
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"Die Menschen haben Angst vor zu viel Veränderung, vor allem, wenn sie in der zweiten Hälfte ihres Lebens sind", sagt Zagato. "Sie wachsen mit bestimmten Idealen und Ikonen auf." Und diese wollen sie nicht aufgeben, also versuchen sie mit den vertrauten konservativen Ideen weiterzuleben (mehr dazu hier). Deshalb, so meint er, werden auch einige berühmte Karosserieformen aus den 1950er-Jahren in neuer Form weiterleben etwa jene des Fiat 500, des Mini, des VW Käfers oder des Porsche 911.

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Auf manche Traditions-Bauteile verzichtet aber auch Zagato gerne. Etwa auf das klassische Armaturenbrett. Das sei in Elektroautos unnötig, weil ja ohnedies alles elektronisch sei. Und deshalb ...

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... fällt wohl auch die Innenraumgestaltung der Thunder Power-Limousine, die auf der IAA im September 2015 präsentiert wurde, durchaus futuristisch aus.

Foto: Zagato Design
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Für klassische Autodesign-Büros wie Zagato bringe der branchenweite Fokus auf Elektroautos eine Menge Gelegenheiten, sagt Zagato. So habe sein Unternehmen für Thunder Power "wirklich alles gestaltet: Das Logo, den Messestand, die Website, das Image und das Auto". So eine Möglichkeit habe sich einem Autodesignbüro vorher so noch nie geboten. Aber auch ...

Foto: HGEsch / Hennef
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... bei selbstfahrenden Vehikeln tut sich für Autodesignbüros wie Zagato ein neues Betätigungsfeld auf: In der arabischen Öko-Vorzeigestadt etwa Masdar fahren von Zagato designte Personenbeförderungskabinen fahrerlos durch die Stadt, deren Innenraum ...

Foto: Zagato Design
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... nicht ganz zufällig an ein deutlich älteres Transportmittel erinnern: Die Kutschen, die Zagatos Vorfahren vor gut 100 Jahren gestalteten. "Um den Innenraum zu maximieren, müssten Elektroautos wie Pferdekutschen aussehen", meint Zagato. Äußerlich sehen die Personenkabinen jedoch eher wie ...

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... eine Mischung zwischen einem Smart und einem Alien aus. Weshalb? In den 1950er und 60er-Jahren, meint Zagato, war Geschwindigkeit das Basisthema der Designer. Heute sei das in Städten nicht mehr erstrebenswert. Hauptthema sei nun die Maximierung des Innenraums. "Deshalb arbeiten Designer an den Materialien, am Raumgefühl im Inneren, an der Ergonomie", sagt Zagato. "Das ist eben nicht so emotional, so physisch wie früher."

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Dass die italienischen Designer ihre Lust am kraftvollen Außendesign nicht verloren haben, zeigen etwa Zagato-Konzepte wie der Alfa Romeo TZ3 Corsa, den das Unternehmen als Unikat für den deutschen Sammler Martin Kapp designte. Mit dem Wagen, der den Concorso d'Eleganza Villa d'Este im Jahr 2010 gewann, nahm Zagato jüngst außer Konkurrenz auf der Oldtimer-Veranstaltung Schloss Bensberg Classics teil.

Foto: H. Mutschler / Schloss Bensberg