Die reichsten Franzosen und die Wahl Diese Milliardäre setzen auf Macron

Die Präsidentschaftswahl stellt Frankreichs politische Welt auf den Kopf. Selbst die Geldelite des Landes verabschiedet sich vom konservativen Lager.
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Emmanuel Macron ist der Sieger der französischen Präsidentenwahl. Die Kampagne seiner neu gegründeten Bewegung "En Marche" präsentierte den 39-Jährigen als politischen Außenseiter, der das System reformieren will. Doch zu dem Ex-Wirtschaftsminister hält auch die Geldelite des Landes - nicht nur aus Angst vor der EU-Gegnerin Marine Le Pen. Schon vor Macrons Sieg im ersten Wahlgang hatten sich die reichsten Franzosen von ihrer uralten Allianz mit den Konservativen gelöst - mit wenigen Ausnahmen ...

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Marc Ladreit de Lacharrière, 3 Milliarden Euro Vermögen

Der treue Unterstützer war zugleich das große Problem für François Fillon (links): Der konservative Ex-Premier, im Januar noch führend in den Umfragen zur französischen Präsidentenwahl, scheidet als Drittplatzierter aus der Stichwahl aus. Staatsanwälte ermitteln wegen Scheinjobs für Fillons Ehefrau. In der Affäre spielt auch der Multiaufsichtsrat und Großaktionär der Ratingagentur Fitch eine Rolle. Ladreit de Lacharrière soll Fillon auch privat Geld geliehen haben, wurde umgekehrt mit dem Orden der Ehrenlegion bedacht.

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Martin und Olivier Bouygues, 3,75 Milliarden Euro Vermögen

Bau- und Telekommagnat Martin Bouygues, zu dessen Imperium auch der größte Fernsehsender TF1 gehört, ging einst im Präsidentenpalast Elysée ein und aus, war mit Nicolas Sarkozy befreundet.
Doch inzwischen hat er seinen Draht zu den Republikanern verloren. Er nimmt Fillon einen Coup von 2012 übel, als dieser eine Krankheit Sarkozys ausnutzte, um einen vierten Mobilfunkanbieter zuzulassen - was vor allem Bouygues' Interessen zuwiderlief. "Hat überhaupt jemand eine Marktanalyse gemacht?", mokierte sich der Unternehmer.

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Vincent Bolloré, 5 Milliarden Euro Vermögen

Der Firmenjäger und Bouygues-Rivale hatte einst zu viel Nähe zu Sarkozy gezeigt. Dessen Urlaube auf Bollorés Yacht wurden zur Affäre. Doch mit Sarkozys Parteifreund Fillon hat auch Bolloré nicht viel am Hut.
Ihm werden eher Sympathien zum liberalen Spitzenreiter Emmanuel Macron nachgesagt, der das Parteiensystem aufmischt und wie der junge Bolloré als Investmentbanker bei Rothschild Karriere machte. Sein Sohn Yannick Bolloré, der die Kommunikationsagentur Havas führt, trat als privater Freund zur Gründung von Macrons Bewegung "En Marche" auf. Offiziellen politischen Kontakten hat die Firma abgeschworen.

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Xavier Niel, 8,6 Milliarden Euro Vermögen

Der Digitalpionier, der schon im Internet Geschäfte machte, als es in Frankreich noch Minitel hieß, war der große Gewinner von Fillons Mobilfunkliberalisierung. Fillon brüstet sich jetzt damit, dass es seinetwegen den Preisbrecher Free gebe. Doch die Liebe wird nicht erwidert.
Im Gegenteil: Schon vor Macrons Kampagnenstart warb Xavier Niel öffentlich für den Newcomer. "Das liebe ich: ein Politiker, der keine Tabus kennt." Als Großaktionär der linksliberalen Zeitung "Le Monde" ist Niel auch an der Meinungsproduktion beteiligt. Und die befördert vor allem Macron, auch wenn der sich noch gegen die Nationalistin Marine Le Pen durchsetzen muss.

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Emmanuel Besnier, 11,3 Milliarden Euro Vermögen

Sein bekanntestes Produkt heißt zwar "Président". In die Politik zieht es den Miteigner des Molkereiriesen Lactalis aber nur, wenn Bauern mal wieder gegen seine Preispolitik protestieren - eine Wut, die auch den rechtsextremen Front National von Marine Le Pen nährt. Besnier selbst hält nichts davon, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Daher sind Fotos von ihm oder seinem Loire-Schloss Mangelware. Selbst innerhalb seiner Firma, die er zur globalen Nummer eins für Milchprodukte vor Nestlé machen will, ist Besnier kaum bekannt.
Zu seinen wenigen politischen Vertrauten zählt der lokale Europaabgeordnete Jean Arthuis von der Zentrumspartei UDI. Arthuis führt den für die Agrarwirtschaft wichtigen Haushaltsausschuss des Europaparlaments, tritt für die Vereinigten Staaten von Europa ein - und in Paris für den Kandidaten Macron.

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Gérard und Alain Wertheimer, je 11,7 Milliarden Euro Vermögen

Die Brüder, denen je zur Hälfte das Luxusunternehmen Chanel gehört, tauchen immerhin gelegentlich auf Modeschauen auf wie in dem Bild von 2008. Die französische Politik liegt ihnen aber ebenso fern. Alain lebt in Genf, Gérard in New York, ihre Holding sitzt steuergünstig in den Niederlanden. "Wir reden nie", ist das einzige Zitat, das die "New York Times" einmal Gérard Wertheimer entlockte. Chanels langjähriger Markenbotschafter Karl Lagerfeld allerdings "liebt" Emmanuel Macron und dessen "brillantissime" Frau Brigitte. Stolz ist Lagerfeld, mit Macron schon vor dessen Berufung zum Minister diniert zu haben.

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Patrick Drahi, 13,7 Milliarden Euro Vermögen

Der gebürtige Marokkaner Drahi beharrt, er habe auf französischen Reichstenlisten nichts zu suchen. Seine Holding Altice zog zum Börsengang von Luxemburg in die Niederlande um, er selbst residiert in der Schweiz und Israel, wo er zum Kauf eines Kabelnetzbetreibers auch die Staatsbürgerschaft annahm.
In Frankreich ist er trotzdem sehr präsent. Den Kauf des Mobilfunkanbieters SFR 2014 verdankt er Macron, der als Generalsekretär im Präsidentenpalast ein Veto aus Wettbewerbsgründen verhinderte, das der damalige linke Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg verlangte. Diese Episode wurde auch Thema der Fernsehdebatte vor der Stichwahl. Einige der Manager von Macrons Wahlkampf stammen aus Drahis Firmen. Drahi besitzt auch Anteile am linken Blatt "Libération" und Magazinen wie "L'Express" oder "L'Expansion".

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Serge Dassault, 17 Milliarden Euro Vermögen

Der Eigner des Rüstungs- und Softwarekonzerns Dassault ist selbst Politiker. Der 92-Jährige (der angenommene Familienname bedeutet "Kampfpanzer") amtiert als Senator für Fillons Republikaner. Dassault war es, der Fillon trotz Skandals zum Durchhalten aufforderte - "auch wenn gegen Sie ermittelt wird. Schauen Sie mich an: Ich pfeife drauf!"
Dassault selbst, dem nebenbei auch das konservative Traditionsblatt "Le Figaro" gehört, wurde schon wegen Bestechung und Stimmenkaufs verurteilt und als Bürgermeister von Corbeil-Essonnes abgesetzt. Im Februar entzog ihm ein Gericht auch wegen Steuerbetrugs das Recht auf Wählbarkeit. Dassault legt Widerspruch ein, und findet im Vergleich zu den Vorwürfen gegen Fillon: "Das ist wirklich nicht schlimm."

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François Pinault, 18 Milliarden Euro Vermögen

Der bretonische Selfmademan und Eigner des Luxuskonzerns Kering (Gucci, Yves Saint-Laurent, Puma) ist ein echter Seitenwechsler. In seiner Jugend war er bei den gaullistischen Républicains Indépendants, später mit dem konservativen Präsidenten Jacques Chirac befreundet, doch empfahl 2012 die Wahl des Sozialisten François Hollande, der schließlich Emmanuel Macron zum Wirtschaftsminister machte.
Das Foto zeigt ihn im Stadion seines Fußballclubs Stade Rennes im Gespräch mit Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Der unterstützte schon im ersten Wahlgang Macron anstelle des aussichtslosen Parteikandidaten Benoît Hamon. Wie viele reiche Franzosen ist übrigens auch Pinault Verleger: "Le Point" steht eher rechts, übte unter Pinaults Schutz aber auch Kritik an Sarkozy.

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Liliane Bettencourt, 39 Milliarden Euro Vermögen

Die L'Oréal-Erbin ist die reichste Frau der Welt, steht seit 2011 aber unter Vormundschaft ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers und deren Söhnen. Damit fällt die 94-Jährige auch als verlässliche Unterstützerin der Republikaner aus. Ihre gerichtlich verhandelten Skandale brachten auch den Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy wegen vermeintlicher illegaler Parteispenden in Bedrängnis.

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Bernard Arnault, 48 Milliarden Euro Vermögen

Der achtreichste Mann der Welt, wie Pinault aus mittelständischen Verhältnissen zum Luxuszar mit LVMH (Louis Vuitton, Dior, Bulgari) aufgestiegen, hat in seinem Wirtschaftsblatt "Les Echos" persönlich einen Wahlaufruf für Macron geschrieben. Verbürgt ist eine familiäre Verbundenheit: Macrons Frau Brigitte war Französischlehrerin seiner Söhne Frédéric und Jean, sie lässt sich auf Rat seiner Tochter Delphine (die mit Macron-Fan Xavier Niel liiert ist) mit Louis Vuitton einkleiden. LVMH-Chef Renaud Dutreil begleitete Macron auch zum Start von "En Marche". Für die Konservativen bedeutet Arnaults Abwendung einen herben Verlust ...

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Einst gehörte Bernard Arnault, der sich auch als Kunstmäzen mit eigenen Museen betätigt, zu ihren Kreisen. Er war sogar Trauzeuge für Nicolas Sarkozys erste Ehe und Gast auf dessen Party zum Wahlsieg 2007. Später wurde Arnault zum Auslöser einer Debatte über Steuerflucht, als er 2012 die belgische Staatsbürgerschaft beantragte. Im Jahr darauf zog er das als "Geste meiner Verbundenheit zu Frankreich und meines Vertrauens in seine Zukunft" zurück. Macron verspricht, auch Arnaults Steuern drastisch zu senken.

Quelle für Vermögensangaben: Forbes

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Macrons Stichwahl-Gegnerin Marine Le Pen hat zwar prominente Fans wie Brigitte Bardot. Von den wirklich Reichen ist aber keine derartige Unterstützung bekannt für die Frau, die dem Euro Adieu sagen will. Wer aus der Oberschicht ihren strammen Rechtskurs fördert, agiert im Geheimen. Doch genau diese Aura der Volksverbundenheit macht sie zur gefährlichen Gegnerin für den Banker Macron. Neben dem katholisch-konservativen Lager können sich auch linke Wähler kaum für die liberale Alternative erwärmen.

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