VW-Abgasskandal Winterkorns Freispruch gerät ins Wanken

Neue Vorwürfe gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn: Er soll bereits früh von Ermittlungen der US-Behörden informiert worden sein - samt einem Hinweis, dass dabei auch die Software im Fokus stehen könnte.
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Vom Einsatz von Schummelsoftware in VW-Motoren habe er erst kurz vor dem 18. September 2015 erfahren: Das hat Martin Winterkorn kurz vor seinem Rücktritt als VW-Chef betont. Der Konzern-Aufsichtsrat hat Winterkorns Nicht-Wissen um die Manipulationen öffentlich bestätigt. Doch nun gibt es ein neues Indiz, dass Winterkorn schon früh Warnsignale erhalten haben könnte.

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Laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hat ein ranghoher VW-Mitarbeiter Winterkorn bereits im Mai 2014 schriftlich gewarnt, dass die US-Umweltbehörden wegen überhöhter Abgaswerte ermitteln. Dabei könnten die Behörden auch untersuchen, ob die VW-Motorensoftware Prüfstandtests erkennen kann, zitiert die Zeitung aus dem Vermerk an Winterkorn.

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Bisher war nur bekannt, dass die US-Behörden im Mai 2014 Kontakt mit dem Konzern hatten - aber nicht, mit welcher Hierarchieebene. Volkswagen lehnt einen Kommentar dazu mit Hinweis auf laufende Untersuchungen ab, für Winterkorn gilt die Unschuldsvermutung. Das Schreiben zeigt zwar, dass Winterkorn schon früh von den zu hohen Abgaswerten wusste – belegt aber nicht, dass er tatsächlich Kenntnis vom Einsatz der Schummelsoftware hatte.

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Doch es wirft die Frage auf, ob die VW-Führungskräfte nicht schon früher hätten nachhaken müssen. Das könnte auch für die Höhe der Bußgelder wichtig werden. Bei seinem Rücktritt als VW-Vorstandchef am 23. September 2015 erklärte Winterkorn: „Ich bin mir keines Fehlverhaltens bewusst“. Er gebe seinen Posten im Interesse des Unternehmens auf und sei „bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist“.

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Das Aufsichtsratspräsidium stellte dem scheidenden VW-Chef am selben Tag, noch bevor die Ermittlungen überhaupt richtig begonnen haben, schriftlich einen Freispruch aus: „Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten“, hieß es in einer Erklärung.

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Winterkorns Nachfolger an der Konzernspitze, Matthias Müller, behauptete mehrfach, dass am Einbau der Schummelsoftware in VW-Motoren nur eine kleine Gruppe von Motorenentwicklern beteiligt gewesen sei. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (im Bild) formulierte es Mitte Dezember so: "Wir halten es für wahrscheinlich dass nur eine überschaubare Zahl an Mitarbeitern aktiv zu den Manipulationen beigetragen hat."

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Es war das Werk einiger weniger, der Vorstand ahnte und wusste nichts von illegaler Software in den Dieselmotoren: So grenzt die VW-Führungsriege seit Monaten Winterkorn von möglicher Verantwortung im Abgasskandal ab. Nicht ganz ohne Eigennutz: Oberkontrolleur Pötsch war bis Oktober VWs Finanzvorstand, der damalige Porsche-Chef Müller saß auch im Konzernvorstand.

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Der schriftliche Vermerk an Winterkorn vom Mai 2014 zeigt, dass der VW-Vorstand zumindest die Chance gehabt hätte, früher einzugreifen. Bereits Mitte 2014 gab es noch weitere Warnsignale aus den USA – manager magazin berichtete darüber in seiner November-Ausgabe 11/2015. Ende 2014 rief VW in den USA eine halbe Million Dieselfahrzeuge zurück. Doch die Nachbesserungen reichten den US-Behörden nicht aus.

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Spätestens als klar wurde, dass die US-Umweltbehörden den ersten Rückruf nicht für ausreichend hielten, hätte die Wolfsburger Führungsriege nachhaken müssen. Passiert ist das offensichtlich nicht. Das könnte im weiteren Verlauf der Abgasaffäre teuer werden. Denn die Höhe der Bußgelder richtet sich auch danach, wann und wie lange die VW-Führung von den Problemen wusste.

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Im April will der VW-Konzern den Abschlussbericht über die Untersuchungen in der Abgasaffäre vorlegen. Neben den internen Ermittlern untersucht auch die Anwaltskanzlei Jones Day im Auftrag von VW die Vorgänge. Wenn es darin Hinweise gibt, dass Winterkorn selbst früher als bisher bekannt von den Manipulationen Kenntnis hatte, müsste der Aufsichtsrat wohl rechtlich gegen den Ex-VW-Chef vorgehen.

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