Betreten verboten Die Privatstrände der Milliardäre

Viele Länder schreiben gesetzlich vor, dass der Zugang zum Strand allen Menschen offen stehen muss. Superreiche finden trotzdem Mittel, ihre Refugien für sich zu behalten. Ein US-Milliardär zieht jetzt gegen Surfer vors Oberste Gericht.
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Vinod Khosla ist bekannt als Mitgründer von Sun Microsystems, Wagniskapitalgeber und Öko-Aktivist - nun aber auch als Surferschreck und eigenbrötlerischer Grundbesitzer. Der Oberste Gerichtshof der USA wird die Klage des Milliardärs gegen das Recht der Öffentlichkeit, seinen Strand zu betreten, wohl noch in diesem Jahr verhandeln.

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Es geht um den Martin's Beach, 50 Kilometer südlich von San Francisco. Nach kalifornischem Gesetz gehört die Küste bis zur mittleren Hochwassermarke der Allgemeinheit, der Zugang zum Strand darf niemand verwehrt werden. Vor allem Surfer und Fischer haben ein Interesse an der abgelegenen Bucht. Das Statement der Surfrider Foundation wird bis Juni in Washington erwartet.

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Khosla sieht aber nicht ein, dass er die einzige Straße zum Martin's Beach offenhalten muss. Sie führt über sein 36 Hektar großes Anwesen, das er 2008 für 32,5 Millionen Dollar kaufte. Mit Parkgebühren und Kiosken, wie sie die Vorbesitzer jahrzehntelang betrieben, mache er nur Verlust. "Es geht ums Prinzip", wehrt sich Khosla gegen die Pflicht, das geschlossene Tor genehmigen zu lassen. Er zieht jetzt mit konservativem Staranwalt zur höchsten Instanz, obwohl er 2014 vor einem lokalen Gericht erklärte, von der Klage in seinem Namen gar nichts zu wissen - das sei Sache seines Gebäudemanagers. Das Grundstück hat er auch monatelang nicht besucht.

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Noch viel reicher als Khosla ist Oracle-Gründer Larry Ellison - und noch viel gelassener beim Ausbau seiner exklusiven Refugien.

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Am Carbon Beach in Malibu bei Los Angeles, der auch "Billionaires' Beach" genannt wird, hat Ellison 2017 sein zwölftes Strandhaus gekauft - die Vorbesitzerin hatte jahrelang mit Betonbarrieren gegen den Staat und Spaziergänger gekämpft. Im selben Jahr gab Musikmogul David Geffen nach 22-jährigem Hin und Her um den Strandzugang sein Grundstück auf - und strich 85 Millionen Dollar ein.

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Ellison besitzt nicht nur ein weiteres Dutzend Häuser in Malibu, sondern auch eine Hawaii-Insel - fast - komplett. Für 98 Prozent der Insel Lanai, etwas größer als die Stadt München, zahlte er 2012 300 Millionen Dollar - und investiert noch eine vielfache Summe. Ziel ist eine "wirtschaftlich tragfähige, 100 Prozent grüne Gemeinde" auf der ehemaligen Ananasplantage des Fruchtkonzerns Dole. Strände wie diesen teilt Ellison mit den Gästen zweier Luxusresorts. Eines wurde bereits aufwändig renoviert, das andere soll in diesem Jahr öffnen.

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Ganz ohne Trophäenjagd auf Luxusimmobilien kommt auch Microsoft-Gründer Bill Gates nicht aus, der gerne Yachten, Ferienhäuser und Privatjets nutzt, die ihm nicht unbedingt alleine gehören müssen. Dem langjährig reichsten Mann der Welt gehört eine mexikanische Halbinsel mit 2017 eröffnetem Four-Seasons-Resort - derselben Kette, die auch Ellisons Insel nutzt.

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Einen wirklich exklusiven Strand genießt Gates zu Hause in Seattle am Lake Washington. Der Sand wird alljährlich aus der Karibik geholt und im kühlen Nordwesten aufgeschüttet. Ein ähnliches Grundstück besitzt übrigens Amazon-Herrscher Jeff Bezos, der Gates auf dem Spitzenplatz des Milliardärs-Rankings ablöste. Er wohnt sogar in derselben Straße, nur eine halbe Meile entfernt.

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Carlos Slim war ebenfalls zeitweise die Nummer eins der Milliardäre, ist inzwischen laut "Forbes" aber auf den sechsten Platz zurückgefallen. In Mexiko kennt sich der Bau- und Telekommogul aus, schon vor Gates besaß er Strandgrund auf der Halbinsel Punta Mita.

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Außerdem ist Slim in Florida ansässig, wo derzeit über ein neues Gesetz gestritten wird, das lokale Eingriffe ins Eigentumsrecht der Strandanrainer beschränkt. Die Gemeinde Golden Beach, wo neben Slim auch Modeschöpfer Tommy Hilfiger und Starfotograf Bruce Weber residieren, hat derartiges sowieso nicht im Sinn. Im Gegensatz zu anderen Abschnitten des Miami Beach werden Spaziergänger hier willkürlich auf einen 15-Meter-Streifen gedrängt und davon abgehalten, ihre Matten auszulegen.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat derzeit größere Probleme im Umgang mit der Öffentlichkeit. 2017 musste er sich von einer hawaiianischen Juraprofessorin als "Gesicht des Neokolonialismus" schmähen lassen - kurz nachdem er auf Facebook mit hübschen Bildern erklärt hatte, er wolle "Teil der Gemeinschaft" werden.

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Zuckerberg hatte für 115 Millionen Dollar 280 Hektar einschließlich dieses Strands auf der Insel Kauai gekauft, eine Mauer hochgezogen - und hunderte Klagen eingereicht. Denn nach dem Recht der Pazifikinseln, die bis ins 19. Jahrhundert überhaupt keinen Grundbesitz kannten, gibt es "stille Ansprüche" (Kuleana) für Inselbewohner, deren Ahnen das Land nutzten, auch wenn jemand anderes für dieselbe Fläche bezahlt hat. Zuckerberg wollte mit den Klagen Kuleana-Titelträger identifizieren, entschädigen und einen Konflikt vermeiden - schaffte das aber nur, indem er die Klagen kleinlaut zurückzog. So gehört ihm das Land nicht allein.

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In eine nicht ganz so fremde Rechtsordnung dringt der russisch-zyprische Ex-Kalikönig Dimitri Rybolowlew ein, der sich neben dem Fußballclub AS Monaco auch schon andere Trophäen wie Donald Trumps frühere Strandvilla in Palm Beach oder das zeitweise teuerste Apartment Manhattans leistet (offiziell gehören der Club und die Immobilien seiner Frau). Sein ultimativer Luxus aber ...

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... ist die ionische Insel Skorpios, seit 2013 für 100 Jahre zum Preis von 120 Millionen Euro von der Reederfamilie Onassis geleast. Deren Patriarch Aristoteles hatte dort die US-Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy geheiratet und liegt auf Skorpios begraben. Sein Testament sah vor, die Insel dem Staat für ein Kinderferienlager und einen Erholungsort des Präsidenten zu übertragen. Die Legalität des Rybolowlew-Deals wurde in Athen angezweifelt, schließlich aber freigegeben - einschließlich der geplanten Neubauten auf Naturgrund und der bewaffneten Wachen, die ungebetene Besucherboote jetzt abwehren. Das griechische Gesetz verbietet Privatbesitz an Stränden.

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In Deutschland sind die Küsten von Nord- und Ostsee zwar meist frei zugänglich, an den Seen finden sich aber viele abgesperrte Grundstücke der Reichen, vor allem in Oberbayern schon traditionell. Für Konflikte sorgt die Ankunft neuer Reicher im Osten, so wie SAP-Patriarch Hasso Plattner, der sich mit der Stadt Potsdam vor Gericht um die Genehmigung für ein Bootshaus am Griebnitzsee stritt.

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Der ehemalige Weg der DDR-Grenzer am Seeufer war für 20 Jahre allgemein begehbar. Die Stadt plant dort nach wie vor einen Uferpark. Doch reiche Anwohner klagten 2009 erfolgreich gegen den Bebauungsplan und sperren seitdem den Weg. Plattner selbst erklärt zwar, auf seinem Grundstück halte er den Uferweg für die Öffentlichkeit frei - nur die Nachbarn zu beiden Seiten verhindern den Zugang. Ein Neubau des Hasso-Plattner-Instituts soll jetzt zu einer Lösung helfen.

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Silvio Berlusconi wurde oft vorgeworfen, sich den ganzen Staat als Beute zu nehmen. Mit der Parlamentswahl im März verhinderten die Italiener das eigentlich schon fest geplante fünfte Comeback des Ex-Cavaliere. Milliardär ist der Bau- und Medienmogul aber immer noch.

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Die Villa Certosa, Schauplatz mancher Staatsbesuche, Skandale und zwischenzeitlich für einen Verkauf an arabische Potentaten für bis zu eine halbe Milliarde Euro im Gespräch, lässt Berlusconi nun wieder ausbauen. Eine private Höhle mit Bootseinfahrt hat die Villa ohnehin schon, auch - sehr kleine - Strände. Die müssen nach italienischem Recht zwar allen zur Verfügung stehen, das ist an der zerklüfteten sardischen Costa Smeralda aber praktisch unmöglich.

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Auch Brasilien garantiert seinen Bürgern ein Recht auf Strand. Die Großbankiers und Kunstmäzene Alfredo und Rose Setúbal teilen sich ein über 1000 Hektar großes Regenwald- und Strandareal namens Condominio Laranjeiras mit anderen Superreichen wie Baumagnat Luiz Nascimento oder Carlos Alberto Sicupira, einem der Großaktionäre des Bierweltmarktführers AB Inbev. Brasilianische Medien berichten, dass nicht nur ungebetene Badegäste in dem Hochsicherheitskomplex drangsaliert und vertrieben werden, sondern auch dort lebende Fischer, die ihre Hütten nicht räumen wollen.

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An der Küste um Angra dos Reis und Parati, einen Helikopterflug von den Metropolen Rio und Sao Paulo entfernt, gibt es tausende solcher Buchten und kleiner Inseln, die Grundbesitzer sich aneignen - immer wieder im Konflikt mit dem Gesetz. Der Fernsehstar Luciano Huck wurde beispielsweise zu einer Multimillionenstrafe verurteilt, weil er seine Insel mit Unterwassernetzen abschirmte. Die Justiz sah sein Interesse an der Zucht von Meerestieren nur als Vorwand.

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Solche Probleme hat Dietrich Mateschitz nicht. Der reichste Österreicher verdankt sein Vermögen dem Verkauf von Energydrinks und leistet sich manche Extravaganz.

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Mateschitz' Privatinsel Laucala gehört zum Fidschi-Archipel, 2003 kaufte der Brausemilliardär sie den Erben von Verleger Malcolm Forbes für schlappe 10 Millionen Euro ab - nicht für sich allein. Im fünf Jahre später eröffneten Resort ist eine der 25 Villas derzeit für 6000 Dollar pro Nacht zu mieten.

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So ähnlich hält es der britische Unternehmer Richard Branson, der sich ebenso passioniert dem Extremsport widmet und sogar ein noch besseres Schnäppchen in der Karibik machte.

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Necker Island, von wo Branson zuletzt die Welt über seine Begegnung mit Hurrikan "Irma" im September 2017 unterhielt, konnte der damals 28-Jährige 1979 für nur 180.000 Dollar kaufen. Die Obamas ließen sich dorthin zum Kitesurfen einladen. Buchen lässt sich ein Zimmer auf der Insel in Angebotswochen ab 30.000 Dollar. Die Strände ließen sich theoretisch gratis besuchen, denn auch auf den Britischen Jungferninseln gelten sie per Gesetz als Kronland - dafür muss man aber erst einmal die Insel erreichen.

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Entgegen dem Trend wurde dieser Traumstrand in Neuseeland verstaatlicht und nicht privatisiert - auf ungewöhnliche Weise. 2016 brachte eine Crowdfunding-Kampagne 2,8 Millionen Neuseeland-Dollar von 40.000 Bürgern, um den bis dahin privaten Awaroa Beach zu kaufen und der Nationalparkverwaltung zu übergeben. Ziel war es, die Natur für alle nutzbar zu erhalten. Zugang gibt es nur per Boot.

Foto: AFP Photo / Bayleys Real Estate
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