Bandwurmsätze und Wortungetüme Verstehen Sie die Dax-Chefs?

Halbzeit bei den diesjährigen Hauptversammlungen: Kommunikationswissenschaftler der Uni Hohenheim haben 15 Reden von Dax-Chefs auf Verständlichkeit untersucht. Kriterien unter anderem: Satzlänge, Wortungetüme, Passivkonstruktionen. Hier der vorläufige Verständlichkeitsindex.
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Platz 1: Wenn dieser Mann spricht, verstehen Sie, was er sagt. Das sagt zumindest die Uni Hohenheim über VW-Chef Martin Winterkorn. Er bekommt 17,2 von 20 Verständlichkeitspunkten. Das ist ziemlich gut und eine Verbesserung von 0,7 Punkten gegenüber 2014. Zusammen mit ...

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... dem obersten Commerzbanker Martin Blessing (ebenfalls 17,2 Punkte) teilt sich Winterkorn die Spitzenposition. Blessing konnte mit plus 4,2 Punkten übrigens kräftig zulegen.

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Platz 3 geht an BASF-Chef Kurt Bock (15,9 Punkte, keine Veränderung). Nicht schlecht für einen aus der Chemiebranche! Das Ergebnis wäre vermutlich noch besser, wenn Bock doch zuweilen auf die Schachtelsätze verzichtete:
"Wir haben in die Zukunft investiert, wir haben unser Produktportfolio verändert und fit für die Zukunft gemacht, und wir haben uns bei Forschung und Entwicklung so aufgestellt, dass wir der richtige Partner für unsere Kunden sind - überall auf der Welt."

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Daimler-Chef Dieter Zetsche rangiert auf Platz 4. Er verbesserte seine Verständlichkeit um deutliche 1,2 auf 15,4 Punkte. Folgender Schachtelsatz dürfte aber nicht dazu beigetragen haben:
"Wer gegen die europäische Wachstumsschwäche ist - mit all ihren Negativfolgen von der Schuldenkrise bis zur Jugendarbeitslosigkeit - der muss für eines der wirksamsten Programme zur Wachstumsförderung sein."

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Platz 5: Conti-Chef Elmar Degenhart spricht nicht mehr ganz so verständlich wie im Vorjahr (15 Punkte, minus 1,7). Noch mehr büßte ...

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... Peter Terium ein. Der RWE-Chef verlor 2,4 auf 14,9 Punkte - so viel wie kein anderer Dax-Chef. Das langt nur noch für Platz 6. Aber es sind ja auch harte Zeiten für Versorger und Aktionäre müssen ja auch nicht alles verstehen ...

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Platz 7: Reinhard Ploss führt das Mittelfeld an. Der Infineon-Chef verbesserte sich um 0,8 auf 13,9 Punkte.
Wortungetüm: "300-mm-Dünnwafer-Technologie"

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Kasper Rorsted verbesserte sich leicht auf 13,2 Punkte. Platz 8 für den Henkel-Chef.

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Neu im Verständlichkeitsindex: Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit 13 Punkten auf Platz 9. Da ist noch Luft nach oben.
Wortungetüm: "Konzern-Kollektivvertrag"

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Vieles von dem, was dieser Mann sagt, versteht man schon: Merck-Chef Karl-Ludwig Kley verbesserte sich um 1,1 auf 12,2 Punkte - Platz 10.

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Ave, Kaeser: Dem Siemes-Chef zu folgen ist nicht immer leicht. Ebenfalls Platz 10 für Joe Kaeser mit 12,2 Punkten (plus 0,5).
Wortungetüm: "aero-derivativen Gasturbinen"
Positivbeispiel für Erläuterung schwieriger Begriffe: "Wir nennen das 'Corporate Memory'. Das bedeutet, unser gesamtes Wissen allen im Haus transparent zu machen und im Unternehmen umfassend anzuwenden."

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Munich Re-Chef Nikolaus von Bomhard belegt Platz 11. Das Geschäft mit Rückversicherungen kann manchmal dröge sein - entsprechend ein Minus von 0,4 Punkten.
Passiv-Satz: "Sind Preise nicht risikoadäquat, wird das Geschäft nicht gemacht - weder in der Erstversicherung noch in der Rückversicherung."
Wortungetüm: "Betriebsunterbrechungsversicherungen"

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ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat an seinem Ausdruck gearbeitet: plus 0,2 auf 9 Punkte und damit Platz 12.

Auch er mag auf Schachtelsätze nicht verzichten: "Dabei soll der Geschäftsbereich, wie in den letzten drei Jahren bewiesen, seine Ebit-Marge von 10,5 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr jährlich um 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte steigern und so langfristig auf 15 Prozent kommen."

Ah ja. Vielleicht noch zwei Beispiele besonders wohlklingender Wortungetüme: "Effizienzsteigerungsmaßnahmen" und "Anarbeitungskapazitäten"

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Stefan Heidenreich hat seine Sprache gepflegt. Der Beiersdorf-Chef verbessert sich um 0,7 auf 8,7 Punkte - Platz 13.

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Der jetzt verabschiedete Allianz-Chef Michael Diekmann rangiert ganz hinten im Verständlichkeitsindex - nämlich auf Platz 14. Und das ist schon eine Verbesserung um 0,7 Punkte. Kostprobe für einen Schachtelsatz gefällig?
"Daher haben wir uns auch entschieden, unser mittelfristiges Investmentziel für reale Anlageklassen, zu denen neben Immobilien und anderem auch Infrastruktur gehört, von bislang 80 Milliarden Euro auf 110 Milliarden Euro zu erhöhen."
Als Wortungetüm haben die Juroren "Fixed Index Annuities" erkannt.
Aber es gibt auch ein Positivbeispiel für die Erläuterung schwieriger Begriffe: "Die Schaden-Kosten-Quote, also das Verhältnis zwischen Aufwendungen für Schäden und Kosten zu den Prämieneinnahmen, konnten wir bei sehr guten 94,3 Prozent halten."

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