VW-Fehler bei Rekordwachstum Die sechs Sünden von VW-Chef Winterkorn

Bestmarken bei Umsatz und Gewinn, Branchenprimus Toyota beinahe eingeholt: Martin Winterkorns Bilanz als VW-Chef kann sich sehen lassen. Bei der jahrelangen Rekordjagd sind Winterkorn aber auch ein paar Fehler unterlaufen - die sechs Sünden im Überblick.
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1. VW verschlief US-Aufschwung: Vor fünf Jahren investierte VW 900 Millionen Euro in ein eigenes US-Werk in Tennessee und entwickelte extra für die USA eine Billligversion des Passat. 2012 verkaufte die Marke VW in den USA deshalb 440.000 Autos, im Jahr davor waren es noch um 100.000 Fahrzeuge weniger. Doch …

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… Winterkorn ließ nach den ersten Erfolgen die Zügel schleifen. Seine US-Statthalter legten kein neues Modell nach, deshalb sinken Marktanteile und Absatzzahlen. Konkurrenten gewinnen hingegen mit neuen Modellen Marktanteile dazu. Erst 2016 bringt VW einen großen, günstigen SUV an den Start – vom aktuellen US-Autoboom profitieren die Wolfsburger so kaum mehr.

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2. Zaudern beim Budget Car: Renaults Billigmarke Dacia zeigt, wie man mit günstigen Autos gutes Geld verdient. Das wollen auch die Wolfsburger schaffen. Ein Team rund um den ehemaligen Opel-Chef Hans Demant entwickelt seit Jahren ein Budget-Car, das maximal 7500 Euro kosten und in alten Werken gebaut werden soll. Verkauft werden soll das Auto unter einer eigenen Marke. Doch zu einer Entscheidung konnten sich die VW-Topmanager trotz mehrerer Anläufe nicht durchringen ...

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... derweil rollen Renault, aber auch Toyota und Hyundai mit Günstig-Autos die Märkte in China und Indien auf.

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3. Suzuki-Partnerschaft gefloppt: Ende 2009 kaufte sich Volkswagen für 1,7 Milliarden Euro beim japanischen Autohersteller Suzuki ein. Gemeinsam mit den Japanern, die mit günstigen Autos in Indien Marktführer sind, wollte VW kleine und billige Autos für asiatische Märkte entwickeln. Doch die Zusammenarbeit funktionierte nicht ...

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… beide Seiten warfen sich Ende 2011 gegenseitig Vertragsbruch vor. Seither herrscht Funkstille. Winterkorn fehlt deshalb nicht nur ein bald verfügbares, günstiges Weltauto - das haben die Japaner mit dem Suzuki Celerio nun alleine auf den Markt gebracht. Der Volkswagen-Konzern tut sich auch schwer in wachsenden asiatischen Märkten wie Indonesien oder Thailand. Dort dominiert Hauptkonkurrent Toyota.

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4. Mini-Rendite bei der Kernmarke VW: Der Volkswagen-Konzern erzielt aktuell Milliardengewinne – doch ein großer Teil davon stammt von den Luxusmarken Audi und Porsche. Ausgerechnet die (noch) von Winterkorn geführte Kernmarke VW, die 2014 rund 4,5 Millionen Fahrzeuge weltweit verkaufte, schwächelt schon seit längerem: Magere 2,5 Prozent Umsatzrendite erwirtschaftete VW zuletzt (

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Die Marke Skoda, deren Modelle auf den VW-Plattformen aufbauen, kommt hingegen auf 6,9 Prozent Rendite, Toyota liegt bei satten 8,6 Prozent, selbst Ford kommt auf 3,9 Prozent. Winterkorn hat deshalb ein fünf Milliarden Euro schweres Sparprogramm für VW angestoßen. Doch bislang greift es noch kaum. Als neuer VW-Markenchef soll nun Herbert Diess (zum Porträt) die Renditeschwäche beheben.

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5. Der Baukasten greift noch nicht richtig: Cheftechniker Ulrich Hackenberg entwickelte für den Konzern eine besonders flexible Plattform: Den modularen Querbaukasten MQB, auf dem seit 2012 die neuen VW-Modelle von Polo bis Passat und deren Ableger aufbauen. Der MQB soll Entwicklungskosten sparen, die Produktion dank vieler gleicher Teile einfacher werden.

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So soll die enorme Komplexität im VW-Konzern abnehmen – doch bislang klappt das nicht so recht. Bei der 7. Generation des Bestsellers VW Golf etwa, die auf MQB-Basis steht, hat jeder Ableger von GTI und GTE bis hin zur Hochdach-Variante Sportsvan seinen eigenen Becherhalter. Es gibt 15 unterschiedliche Armauflagen und 25 Scheinwerfervarianten.

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6. Moderne Führungsstrukturen – Fehlanzeige Bei Messerundgängen misst er auch mal die Lackdicke nach: Martin Winterkorn zeigt sich gerne als detailverliebter, qualitätsbesessener Chef. Die Kehrseite: Manager müssen jede Kleinigkeit vom Vorstandschef absegnen lassen, hieß es schon öfters – viele Entscheidungen fallen spät oder gar nicht.

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Winterkorn verteidigt den VW- Zentralismus: „Wir sind mit dieser gut funktionierenden Struktur erfolgreich geworden und werden diese so beibehalten“, sagte er dem manager magazin. Doch Konkurrenten, bei denen Regionalmanager mehr Entscheidungsfreiheit haben, sind teils vor Ort erfolgreicher – und schneller.

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